Francke.
Freiheit des menschlichen Willens.
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Die Größe des L>egens, den er für alle Zeiten hinterlassen hat, wer möchte siezu ermessen wagen? Faßt man die Resultate seiner pädagogischen Wirksamkeit insAuge, so sprechen die Zahlen der Schüler und Lehrer, sowie der Ruf der Tüchtigkeitder in seinen Anstalten ertheilten Bildung, den sie bald errangen, endlich ihr Be-stehen bis auf den heutigen Tag deutlich genug. Sodann aber bildeten in der Thatdiese Anstalten ein Seminarium, eine Propaganda, wie etwas ähnliches nirgends jecxistirt hat. Ein einziges Beispiel: Zinzendorf ist in Halle erlogen, die päda-gogische Thätigkeit der Brüdergemeinde ruhte lange auf Halle'schcn Principicn! (Bgl.Herrnhutisches Erziehungswesen.) Es geht übrigens Francke's Einfluß noch vielweiter, als sich in den unmittelbaren Zusammenhängen Nachweisen läßt. Der durchSpener angeregte neue Geist (vgl. Art. L>pener) fand seinen vollsten Ausdruck in denStiftungen Francke's. Er wurde der Vater des gesammtcn Waisen- und Armenschul-wesms des evangelischen Deutschlands. Damit wurde aber überhaupt der Neu-gestaltung des VolkSschnlwesens ein mächtiger Anstoß gegeben. Wie weit gehen dievon ihm gestifteten Schulen von den früheren Küsterschulen ab I In freier Weise strebensie die Elemente wahrhaft christlicher Bildung zu geben und die Kinder zu wahr-haften Christenmcnschen zu erziehen. Freilich ist es ihm nicht in den Sinn ge-kommen, seine Gedanken als eine neue Theorie, die er etwa erfunden, zu verkündigen.Sie sind eben nichts anderes, als die in lebendiger Erkenntnis entwickelten und mitaller Energie ausgeführten Principien des Evangeliums. Und wenn allmählich dieüberhand nehmende falsche Aufklärung diese Gedanken als veraltet zurückvrängte undeine neue Weisheit an ihre Stelle setzte, so sind sie, nachdem diese sich mehr und mehrals hohl erwiesen, von neuem hervorgetrcten und von immer mehreren anerkannt alsein köstliches Vermächtnis des theuern Mannes, das wieder beginnt zu wirken undneue Früchte zu tragen.
Auch die von ihm gegründeten Anstalten haben sich nach seinem Tode erhalten
und bestehen noch heute in großer Blüte und reichem Segen fort. Aeußerlich ge-
wannen sie in den nächsten Jahrzehnten darnach noch an Ausdehnung. Indessen derdarin herrschende Geist verlor allmählich an Kraft und Lebendigkeit und infolge da-von beginnt etwa seit 1770 eine Zeit auch des äußern Sinkens. Ein neuer Auf-schwung knüpft sich an den Eintritt A. H. Niemeyer's, eines Urenkels Francke's, indas Directorium (vgl. den Artikel). Mit ihm begann für die Stiftungen Francke's
eine neue Epoche, die Epoche ihrer durch die Hülfe des Staats gesicherten Existenz.
Unter dem Einflüsse des bei dem langen Frieden seit 1815 sichtlich wachsenden allgemeinenWohlstandes sind die Schulen der Stiftungen von Jahr zu Jahr gewachsen. Jetztbestehen in den Francke'schen Stiftungen 9 Schulen: das königliche Pädagogium,die lateinische Hauptschule, die Realschule, die Bürgerschule mit derParallelschule, die höhere Töchterschule, die Bürgertöchterschule, dieFreischulen für Knaben und für Mädchen; außerdem besteht die Waisenaustaltfort. So hat sich in vollem Maßstabe erfüllt, was Francke in lebendigem Glaubeneinst ausgesprochen: „Ja ich habe es in vorigen Jahren mit aller Freudigkeit gesagtund sage es noch jetzt mit gleicher Freudigkeit, daß der Herr sein Werk nicht ver-lassen noch versäumen wird. Des sollt ihr Zeugen sein, die ihr das Leben habenwerdet, zum Preise und Lobe dessen, der unser Helfer ist, daß er, wenn er scheinetsein Werk zu verlassen, alsdann erst recht anhebet, solches zu verherrlichen und großzu machen."
Französische Sprache s. am Schlüsse des Bandes.
Freiheit des menschlichen Willens. Dieser Begriff ist für die Pädagogikvon fundamentaler Wichtigkeit. Je nachdem nämlich die bestimmte Richtung, welcheder Wille durch die Erziehung empfängt, nur das nothwendige Ergebnis des Zu-sammenwirkens der Erziehung und der durch sie erregten natürlichen Triebe und An-lagen ist oder aber der Wille die Richtung seiner Thätigkeit sich lediglich selbst giebt —Unterschied der deterministischen und der indeterministischen Ansicht von derFreiheit des menschlichen Willens — muß auch die Erziehung sowohl von Seiten desErziehenden als des zu Erziehenden einen verschiedenen Charakter annehmen. Mankönnte zwar sagen und hat auch gesagt: die Frage über die Freiheit des menschlichen