Francke.
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sprechen schien. Er wollte in allen Dingen nichts anderes sein, als ein Werkzeugdes Herrn: das ist das Geheimnis seiner unbegreiflichen Thätigkcit und seiner unzer-störbaren Ruhe, seines kühnen Muthes und seiner tiefen Demuth. Und so bekanntesich denn auch der Herr allewege zu dem, was er unternahm, und ließ ihm, je größerdie Bedürfnisse wurden, desto reichlichere Gaben zufließen, oft aus wahrhaft wunder-bare Weise, als thatsächliche Antwort auf das Rufen seines Knechts. Eine nochgrößere Förderung gab ihm der Herr dadurch, daß er ihm treffliche, in gleichem Geistwirkende Mitarbeiter zuführtc. Vor allen andern sind hier zu nennen G. H- Neu-bauer, der erste Aufseher der Waisenkinder; I. A. Frcilinghausen, der GehülfcFranckc's im Pfarramt und in der Schulleitung, später sein Schwiegersohn und Nach-folger; H. I- Elers, der Gründer und Leiter der Buchhandlung; Ehr. F. Richter,der fromme Liederdichter und Arzt; endlich Hieron. Freyer, der Inspektor desKönig!. Pädagogiums und Verfasser vielgebrauchter Schulbücher. Solche innige Ge-meinschaft des Wirkens für den großen Zweck machte es allein möglich, die unend-lichen Schwierigkeiten der verschiedensten Art zu überwinden, welche so mannigfaltigeund in solcher Schnelligkeit sich entwickelnde Anstalten mit sich bringen mußten.
Was Francke's pädagogische Thätigkeit betrifft, so ergeben sich die derselben zuGrunde liegenden Principien aus dem oben Gesagten fast von selbst. Erziehung undUnterricht sind ihm aufs engste verbunden. Das Ziel, welches er dabei verfolgt, istvor allem das im Evangelium ausgesprochene Princip, daß die Kinder zu Christogeführt werden, auf daß sie durch ihn zum Vater kommen. „Der vornehmsteEndzweck," sagt er, „in allen diesen Schulen ist, daß die Kinder vorallen Dingen zu einer lebendigen Erkenntnis Gottes und Christiund zu einem rechtschaffnen Christenthum mögen wohl angeführtwerden."
Unter den Mitteln, dieses Ziel zu erreichen, legt er vor allen andern dasgrößte Gewicht auf die Person des Lehrers. „ES wird," sagt er, „die wahreGottseligkeit der zarten Jugend am besten eingeflößet durch das gottselige Beispieldes Lehrers selbst." „Dies aber erfordert zum voraus und vor allen Dingen einewahre Bekehrung zu Gott, als ohne welche keiner seinem Amte nur im geringstenein Genüge leisten kann." — „Der Segen aber ist nicht von menschlicher Klugheitund Arbeit zu erwarten, sondern von dem unendlichen Erbarmen Gottes: weshalbeinem Lehrer nichts nötbiger ist als das Gebet."
Bei der Jugend selbst aber ist nach ihm am meisten daran gelegen, „daß dernatürliche Eigenwille gebrochen werde. Dazu dienet, außer dem Beispiel desLehrers und der Eltern, daß ihnen der Anfang der christlichen Lehre gleichsam mitder Muttermilch eingeflößet werde, wie Timotheus die Schrift von Kindesbeinen ge-wußt hat. Sobald es nur immer möglich ist, ist die Lesung der heiligen Schriftvorzunehmen; — insonderheit muß man ihnen Christum aus der heiligen Schriftzeigen. — Darauf ist denn vornehmlich alle Vermahnung zu gründen, um ihnen in-sonderheit bei noch zarten Jahren die Tugenden der Liebe zur Wahrheit, desGehorsams und des Fleißes einzupflanzcn. — Bei alle diesem ist es höchstvonnöthen, daß man es suche den Kindern mit Lust und Liebe beiznbringcn, damit sienicht aus Furcht den äußern Schein eines gottseligen Lebens annehmen. Auch über-häufe man sie nicht gar zu sehr. Der Lehrer muß sein wie ein verständiger Säemann,welcker nicht einen Samen über den andern streuet, und den untersten durch denobersten ersticket, sondern den, welchen er einmal gestreuet hat, aufgehen und Fruchtbringen lässet." Auf diesen Grundsähen ruhte die Erziehung und der Unterricht aufallen von Francke eingerichteten Anstalten. Eifriges tägliches Treiben der Schriftund des Katechismus, regelmäßiges Gebet bei allem, was in der Schule unternommenwird, regelmäßiger Besuch des Gottesdienstes an Sonn- und Wochentagen undKatechisationen darüber: das haben alle Schulen gemein. In den Volksschulen wirddaneben getrieben Lesen, Schreiben, Rechnen und Gesang. In der Methode wirddarauf gedrungen, alles den Schülern möglichst faßlich darzustellen, wo es angeht, dieAnschauung zu Hülfe zu nehmen, sie stets auf alle Weise in Thätigkeit zu erhaltenund zu üben, das Gelernte durch häufige und regelmäßige Wiederholungen (es warendazu wöchentlich bestimmte Tage festgesetzt) zum vollen Eigenthum zu machen. Der