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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Franckc.

Weisung, nach Lüneburg zu gehen, um sich in der Exegese der heiligen Schrift zuvervollkommnen. Der dortige Aufenthalt wurde für sein inneres Leben entscheidend.Denn obwohl er von frühester Jugend an einen lebendigen Zng zum Herrn gefühlthatte, so ergriff ihn doch, als er älter wurde, die Begierde nach Misten, Ehre undNcichthum.Ich war," sagt er,in den ersten 24 Jahren meines Lebens einemunfruchtbaren Baum ähnlich, der viel Blätter nnd nur faule Früchte trägt." Dassollte nun anders werden. Kaum in Lüneburg angekommcn wurde er aufgefordertzu predigen. Er wählte zum Tcxr Joh. 20, 31 und wollte von dem Unterschied deslebendigen und des eingebildeten Glaubens handeln. Bei dem Nachdenken hierüberwurde er inne, daß ihm der lebendige Glaube fehle und es entstand in ihm einRingen um Leben und Tod. Das tiefe Gefühl seines Elends trieb ihn zu heißenGebeten zu dem Gott, den ernicht kannte, nicht glaubte." Und siehe, als er einesSonntags vor Schlafengehen auf seinen Knieen also zum Herrn rief: wurde plötzlichsein Sinn geändert, alle Zweifel schwanden, er wurde der Gnade und Liebe Gottesin Jesu Christo also versichert, daß er ihn nicht allein seinen Gott, sondern seinenVater zu nennen wagte; er fühlte sich aus dem Tode zum Leben erweckt. Vondiesem Augenblicke hatte er nur Eine Begierde, ja, wie er sagt,einen wahren

Hunger und Durst," dem Herrn Christo Seelen zuzuführen. DaS ist der Schlüsselzu seinem ganzen nachfolgenden Leben nnd Wirken. Die Geschichte der nächsten

Jahre, in welchen sofort die innige Verbindung Franckc'S mit Spcner sich ankuüpfte,ist die einer immer gesegneteren Wirksamkeit auf akademischem und pastoralem Bodenund steigender Anfeindung, Verdächtigung und Verfolgung. Epochemachend wurdeseine Berufung nach Halle, durch die ihm 1692 die Professur der orientalischenSprachen an der damals entstehenden Universität nebst dem Pastorat zu Glauchaübertragen wurde. Hier sollte er für viele Tausende, ja für die gcsammte evangelische

Kirche zu einem unberechenbaren Segen werden. Die Unwissenheit, die er bei den

zahlreichen armen Kindern seiner Pfarrgemcindc fand, trieb ihn zu verschiedenen Ver-suchen ihr abzuhelfen, und er faßte endlich, als er eines TageS um Dstern 1695 ineiner Büchse, die er in seiner Wohnstube zur Aufnahme milder Gaben befestigt batte,7 Gulden fand, den Entschluß, eine Armcnschule anzulcgcn. Noch an demselben Tageschritt er zur Ausführung, indem er einen Studenten bestellte, die armen Kindertäglich 2 Stunden zu unterrichten. Dies ist der geringe Anfang der mannigfaltigenund ausgedehnten Anstalten, die sich unter Francke's Leitung in so außerordentlicherSchnelligkeit entwickelten. Von größter Wichtigkeit war dabei seine Doppclstellungals Pfarrer und als Professor. Durch sie wurde eS ihm möglich, die Befriedigungder verschiedenartigsten Bedürfnisse zu verknüpfen, und die mannigfaltigsten Zweckeauf die einfachste Weise zu erreichen. Es entstanden in rascher Reihenfolge daskönigliche Pädagogium, der freie Tisch für Studenten und in Verbindung mir diesemdas Seminar für Lehrer, die Bürgerschule, daS Waisenhaus, die lateinische Schule.1698 wurde der Bau des großartigen Gebäudes begonnen, welches die Front derFraucke'schcn Stiftungen bildet. Daran schloß sich dann allmählich jener große Com-plex von Gebäuden nnd Anstalten, welcher die Gesammthcit dieser Stiftungen aus-macht und eher einer kleinen Stadt, als einer Erziehungsanstalt gleicht. Die Zahlder Kinder, welche darin untcrricktet nnd erzogen wurden, betrug 1698 über 400 mit56 Lehrenden, und 1727 über 2300 mit 167 Lehrern und 8 Lehrerinnen. Im An-schluß an diese Anstalten war eine Apotheke und eine Buchhandlung, beide von großerGeschäftsausdehuung, entstanden.

So großartig nun auch diese Anstalten waren, so behielt Francke daneben dennochsein Pfarramt und seine Professur bei, und übte in beiden einen immer steigenden Ein-fluß aus. 1698 wurde er Professor der Theologie, 1715 Oberpfarrcr an der Ulrichs-kirche. lind jedem der unendlich mannigfaltigen Elemente seines ausgedehnten Wirkungs-kreises gewährte er sein Recht. Er war ein Pädagog im größten Stile, wiecs keinen vor ihm, keinen nach ihm gegeben har. Der Duell aber, worauser die Kräfte zu seiner staunenswerthen Thätigkeit schöpfte, war sein starker heldcn-müthiger Glaube. Hatte er eine Ueberzcugung aus dem göttlichen Worre gewonnenund sah er einen dcullichen Fingerzeig Gottes vor sich, so stand er nicht an, allesmögliche zu wagen, wie viel auch nach bloß vernünftiger llcbcrlegung dagegen zu