Fragen und Antworten.
Franckc.
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That ein geeignetes Mittel, um die Aufmerksamkeit zu controliren, die Sprcchfähigkcit-u üben und die Schüler an die Auffassung und Wiedcrdarsiellung eines vollen Ge-dankens zu gewöhnen. Auf den unteren Stufen ist diese Art des Fragens undAntwortens die allein wirksame und berechtigte. In geförderten Nassen mag manjene strengere Schulform allgemach in Hintergrund treten lassen, hüte sich aberimmerhin die Formlosigkeit, Nachläßigkeit oder Behaglichkeit einer geselligen Unter-haltung zu verfallen.
Wenn das in der Frage geäußerte Verlangen durch die Antwort sowohl derForm als dem Inhalte nach seine Befriedigung erhält, so ist die Antwort die richtige.Tie richtige Antwort befriedigt den Fragenden; sie ist nach Sprüchw. 24, 26 einlieblicher Kuß. Was er zu thun habe, wenn die richtige Antwort auf seine Frageerfolgt ist, pflegt gewöhnlich gefragt zu werden. Er hat den Erkenntnisgewinn, derdurch die richtige Antwort gemacht worden, festzuhaltcn, unter Umständen durchschwächere wiederholen zu lassen und nach vorausgegangener gehöriger Sicherstellungweiter zu schreiten.
Aber es kommen nicht bloß richtige Antworten, es erfolgen bisweilen gar keine oderfalsche. Beim Ausbleiben aller Antwort wird der Lehrer zu erwägen haben, ob dieUrsache des Ausbleibens im Schüler gelegen habe oder in der gestellten Frage. Istdas Erstere der Fall, so werden auf erzieherische Weise die Hindernisse zu beseitigensein, welche das Ausbleiben der Antwort veranlaßt haben. Ist aber das Letztere derFall, so hüte er sich, vorschnell seine Frage zu ändern. Er stelle sie nochmals,wiederhole sie einigermaßen verdeutlicht oder schiebe er eine anbahnende Zwischenfragcein und kehre, wenn diese genügend beantwortet ist, wieder zu der verlassenen Fragezurück. Erfolgt eine unrichtige Antwort, so ist die Aufmerksamkeit auf den Mangelzu richten, in welchem die Unrichtigkeit liegt. Ist die Antwort von grammatischeroder logischer Seite her mangelhaft, so wird ihre Verbesserung entweder durch denSchüler alsbald vollzogen, und das ist das Bessere, oder im besondern Falle bessertder Lehrer, und läßt die Antwort in der verbesserten Form wiederholen. Betrifft dieMangelhaftigkeit den Inhalt, so ist die Antwort entweder total falsch oder irgendwienicht befriedigend. An total falschen Antworten ist nichts zu bessern; sie sind fremd-artige Dinge, welche man als störend und aufhaltend auf sich beruhen lassen muß.Man muß sie als Lehrer dadurch zu vermeiden suchen, daß man seine Fragen soeinrichtet, wie sie der Sache und der Geisteskraft des Schülers entsprechen; vornehmlichaber auf einmal nicht zu viel in der Antwort verlangen. Ist die Mangelhaftigkeitim Inhalt einer Antwort nur eine beziehungsweise, so hören wir etwa das Urtheil:„Tu hast wohl recht, aber was du sagst, paßt hier nicht." Ter Lehrer verschuldetderartige Antworten durch unbestimmte Fragen.
Sache der Meisterlichkcit am Unterrichtenden ist, wenn er die Antwort desSchülers richtig zu benutzen oder passend zu behandeln weiß. Wahre Liebe zu denSchülern lehrt hier daS Rechte. Es kommt dabei alles darauf an, daß dem Schülerdas Zutrauen, die Offenheit und der Antheil an der Sache erhalten werde.
Francke, August Hermann,*) wurde 1663 am 22. März n. St. in Lübeckgeboren, wo sein Vater, Doctor beider Rechte, Syndikus war. Dieser hatte seinenSchn früh für das Studium der Theologie bestimmt und sein Gemüth darauf ge-richtet. Francke studirte in Erfurt, Kiel und Gotha mit großem Eifer und glänzenden!Erfolg; gründlich war insbesondere die Kenntnis des Hebräischen, die er durch wieder-holte genaue Lesung der hebräischen Bibel erlangte. 1685 wurde er in Leipzig Ma-gister und begann Vorlesungen zu halten. 1687 erhielt er von seinem Oheim die
*) Literatur. A. H. Francken's Ocffentlichcs Zeugnis vom Werk, Wort und DienstGottes. Halle 1702. — Segensvolle Fußstapfen des noch lebenden und waltenden liebreichen undgetreuen Gottes.... entdeckt durch eine wahrhafte und umständliche Nachricht von dem Waifcn-hause zu Glaucha vor Halle.... von A. H. Franckcn. Halle 1709. — läpiceckia oder Klag»und Trost-Carmina und andere dazu gehörige Schriften bei dem stetigen Ableben weilandA. H. Francken .... abgefasset und eingesendet (enthält wichtige Personalien). — AugustHermann Francke, eine Denkschrift zur Säcularfeicr feines Todes von llr. H. E. F. Guerikc.Halle 1827.