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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Fragen und Antworten.

Darum haben sich die Lehrenden in der Kunst richtiger Fragebildung so ernstlich zuüben, wie die Fccktcr in der ricktigen Ausführung ihrer Hiebe. Mit dem Wissenum das grammatische Erfordernis ist es dabei noch nicht gethan; wer richtig fragenlernen will, muß sich nickt bloß selbst mündlich und schriftlich in Zucht nehmen,sondern auch andere gute Frager beobachten. Wie leicht das gute Fragen an einemtrcfflickeu Lehrer auch anSsicht, so ist-es doch so wenig leicht als das sichere Schießen.Tie Verwendung der Frage zum Unterricht fordert zuerst von ihr Zweckmäßigkeitund Sicherheit und diese bildet sich einerseits aus ihrem Verhältnis zu der in Redegestellten Sache. Zunächst nämlich wird die Zweckmäßigkeit sich in dem Anschluß er-weisen, in welchen die Frage zu der ihr vorausgegangenen Antwort tritt. Nochwichtiger ist die zweckmäßige Einrichtung einer Reihe von Fragen, welche unterWarnchmung der empfangenen Antworten gleichwohl in Ordnung dem durch dieSache gegebenen Erkcnntniszwecke zustrebt. Um solche Fragekunst zu erlangen, wirdman wohlthun, gute Muster zu studircn, da sie sich von selbst nicht findet. TieZweckmäßigkeit der Frage schließt andererseits eine Beziehung derselben zu den Schülern,an welche sie gerichtet wird, in sich, d. h. zu ihrem Bildungsstande. Oftmals keineAntwort von seinen Schülern erhalten ist ein sicherer Beweis davon, daß die Fragenzu schwer gewesen find. Sie können aber auch zu leicht sein, und in diesem Falleist die Raschheit der erfolgenden Antworten nur scheinbar erfreulich. Diejenigen Fragen,welche die Antwort schon halb enthalten oder wenigstens andeuten, die sogenanntenSuggestivfragen, sollten beim Lehrer ebenso verpönt sein, wie beim Verhörrichter, unddennoch scheint es noch Lehrer genug zu geben, welche sich sogar die allerschlimmsteForm derselben, bei welcher sie die Antwort zur Hälfte oder bis auf ein Wort, jaeine Sylbe versprechen, nicht abgcwöhnen können. Es kommt nicht darauf an,daß so viele Fragen als möglich gestellt werden; es ist vielmehr nach Aufstellung derFrage dem Schüler eine angemessene Zeit zum Besinnen zu verstatten. Wennes daraus ankcmmt, mit der Unterweisung eine gewiße Feierlichkeit zu verbinden,kann es vielleicht zuläßig sein, daß man nach einer feststehenden Reihenfolge die Schülerfragt, sonst ist derartiges Fragen Zeichen unzweckmäßiger Behandlung eines Classcn-organismus. Ebenso kann es nur Ausnahme sein, Fragen an eine ganze Classezu richten. Ter Aufgerufene tritt mittelst der an ihn gerichteten Frage in dieAufgabe ein, im Namen der Classe die Antwort auszusprechen. Um die Ge-sammtthätigkcit der Classe für jede Frage in Bereitschaft zu haben, empfiehlt sichbekanntlich, daß man den Namen des Anfzurufcnden der Frage erst folgen läßt.Hiebei pflegen sich lebhafte Schüler wetteifernd zur Antwort zu drängen, je jüngersie find, desto mehr. Ter Lehrer wird nicht immer denjenigen auffordern, dem es amschwersten zu werden scheint, die Antwort zurückzuhalten, sondern seine Weisheit undLiebe walten lassen. Das üblichste Zeichen der Bereitwilligkeit zu antworten ist dieaufgehobene Hand. Mit der EntwicklungSperirde pflegt diese Bereitwilligkeit auf-zuhören. Ist die Frage ein wohlüberlegter Act, so ist es erforderlich, daß man aufihr beharre, d. h. nicht, wenn die erste Antwort sich nicht sofort zeigt, dieselbefallen lasse.

Tie Fragen, welche in der Absicht des Uebens, Wiederholcns oder Prüfens ge-stellt werden, sind in formeller Hinsicht nicht verschieden von den eigentlichen didaktischenFragen, sondern unterscheiden sich lediglich durch den Zweck. Man muß nicht cxami-nircn, wo man zu lehren hat; aber man muß auch nicht durch die Frage lehrenwollen, wo man durch sie üben, wiederholen oder prüfen will. Man soll übrigensbeim Wiederholen und Prüfen keine Frage stellen, auf welche man nicht selbst dieAntwort in richtigster Form in Bereitschaft hat.

Tie Antwort ist das Wort, durch das der Begriff oder Gedanke gebracht werdensoll, welchen die Frage verlangte.

Es kann die Antwort ein einzelnes Wort oder ein einzelner Begriff sein: siekann auch in der Ausführung eines ganzen Satzes oder einer Rede bestehen. Manhat die sogenannte Einsilbigkeit mancher Schulantworten oft mit Unrecht getadelt;denn auf einmal kann durch die Frage immer nur Ein Begriff oder Eine Entschei-dung eingehokt werden. Man hat dadurch zu helfen gesucht, daß man den Schülerveranlaßt, in seine Antwort die Frage des Lehrers mitaufzunehmen. Ties ist in der