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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Fcllcnberg.

war nicht nur ein Herrscher vermöge seines Temperaments, sondern auch vermögeseines Geistes und insbesondere vermöge seines bedeutenden Organisationstalentes undseiner rastlosen geordneten Thätigkeit.

Nnn war aber Pestalozzi in Betreff der pädagogischen Befähigung Fellenberg weitüberlegen. Diesem fehlte das für einen erfolgreichen Unterricht nothwendigste Erfordernisdie Fähigkeit aus sich herauszutreten und in die Anschauungen und Vorstellungen anderereinzugehcn. Es fehlte ihm ferner an spcciellen und positiven Kenntnissen in denSchulwissenschaften. Fcllenberg's hochstrebendem Geiste schienen diese Dinge kleinPestalozzi's feinfühlendem Sinne erschienen sie sehr wichtig. Es läßt sich denken, daßauch hierin Fellenberg ordnen und befehlen wollte, ebenso aber auch, daß Pestalozzihierin sich nicht unterordnen konnte. In anderer Beziehung kehrte sich das Ver-hältnis um. Pestalozzi war ein Mann, der sich gehen ließ, im Aeußern höchstunscheinbar, in ewiger pecuniärer Bedrängnis, er wollte sich in keine feste Ord-nung fügen, weil ihm dies alles zu kleinlich schien. Fellenberg war sparsam,berechnend, streng geordnet, immer bei Kaste, weil ihm die Sorge für diese Dingewichtig schien. Hierin nun sich unterzuordnen war Pestalozzi wieder nicht mög-lich. Endlich war Pestalozzi eine kindliche Natur, naiv, gemüthlich, voll Vertrauenund Liebe zu den Menschen, aber auch leicht verletzt und zurückgcstoßen, wenn seinVertrauen getäuscht war, schwer wieder zurechte zu bringen, und wie er selbst allenMenschen mit Wohlwollen zuvorkam, so wollte er auch selbst nicht rauh angelassensein. Fellenberg dagegen, ein Mann der Vorsicht, der Berechnung, des praktischenVerstandes, voll Energie und Conscquenz verkehrte mit Menschen stets im Andenkenan die Zwecke, zu welckcn er sie brauchen konnte und ließ bald diplomatische Feinheitspielen, bald gieng er mit Schärfe und Heftigkeit zu Werke. Sollten beide Zusammen-gehen, so lag es im Interesse der Sache, daß Fellenberg, der von Natur darauf an-gelegt war, auch den Ton angab. Pestalozzi aber, wiewohl keineswegs unfügsam,fühlte sich von Fcllcnberg abgestoßcn. Er wollte sich Fellenberg nicht nur nichtunterordncn, sondern wollte nicht mit ihm zusammen gehen. Dies mag über dasVerhältnis beider Männer genügen.

Wenn aber von der Armenschule in Hofwyl die Rede ist, so muß vor allem derName des Mannes genannt werden, welchen ausgcwählt zu haben Fellenbergs Ruhmist, welchem aber die Schule selbst den größten Theil ihres Ruhmes verdankt; wirmeinen Wehrli. Dieser schlichte und einfache Mann, der keine höhere Bildunggenossen, vereinigte in einem seltenen Maße die Eigenschaften in sich, welche der Haus-vater und Lehrer einer Armenschule haben soll. Kenntnisreich und von ausgezeich-netem Lehrgeschick, dabei sich weise beschränkend auf den Kreis seiner Anstalt, erfahrenin allen landwirthschaftlichen Geschäften, das ganze Leben der Zöglinge vom frühenMorgen bis zum späten Abend theilcnd, mit den Bedürfnissen der Einzelnen und derAnstalt aufs genaueste bekannt, ruhig und doch immer eifrig, rastlos thätig und nieerschöpft, ein treffliches Werkzeug für Fcllenberg's Zwecke, welcher ihm wiederumgroßes Vertrauen schenkte, war er, wie wenige, ganz der Mann für seinen Platz.Mit seinem Eintritt 1810 hob sich die Schule, welche bis dahin nicht recht hattegedeihen wollen, zu jener anerkannten Musterhaftigkeit, durch welche Hofwyl mittenin sehr unruhigen Zeiten ein Gegenstand gespanntester Aufmerksamkeit, eine ArtWallfahrtsort für alle diejenigen geworden ist, welche sich für das Wohl der niederenVolksclassen und für die Lösung der schwersten socialen Probleme interessircn (vgl.d. Art. Wehrlianstaltcn).

Indessen waren cs nicht allein die Verhältnisse der niederen Volksclassen, WelcheFellenberg ins Auge faßte. 1807 wurde zur Bildung rationeller Landwirthe einhöheres landwirthschaftliches Institut gegründet, von dem aus die meisten landwirth-schaftlichen Anstalten Europa's sich gebildet haben. Zum Glanz Hofwyl's trugnicht wenig bei die im I. 1608 errichtete Erzichungs- und Bildungsanstalt für Söhnehöherer Stände, von Fellenberg vorzugsweise die wissenschaftliche Anstalt genannt.Weiter ist zu nennen eine weibliche Erziehungsanstalt unter der Leitung der Gattinund Töchter Fcllenberg's, welche fast in keinem Zusammenhang mit den übrigen An-stalten, ebenfalls mehr eine Armenanstalt, eine ziemliche Reihe von Jahren hindurchbestand. 1830 wurde eine Mittel- oder Realschule (Bildungsschule für die mittleren