Fellenbcrg.
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s Paris geschickt. Aber bald cntlcidete ihm die diplomatisch-politische Thätigkcit. Erkaufte 1799 von der Familie Erlach den vernachläßigten Wylhof, von ihm Hofwylgenannt, und widmete sein ganzes Leben ausschließlich und mit unermüdlicher Beharr-lichkeit der Aufgabe der Erziehung, wobei er nicht bloß das Individuum ins Augefaßte, sondern ausgieng von dem Gesichtspunct des Staatsmanns, welcher in derErziehung das Hauptmittel erkannte, die Wohlfahrt der Nationen und der Menschheitzu begründen.
Die ersten Jahre verwandte Fellenbcrg auf die landwirthschaftliche Verbesserungdes Gutes, welches infolge seiner Bemühungen aus einem Hcrrenhof zu einerblühenden Colonie anwuchs, in der sich auf dem Grunde einer rationellen Be-wirthschaftung um zahlreiche pädagogische Anstalten von allen Stufen eine blühendegewerbliche und selbst kaufmännische Thätigkcit anfledeltc. 1804 gründete Fellenbergdie Armcnschule (auch landwirthschaftliche Schule genannt), in welche er zuerst armeverwahrloste Knaben, selbst Sträflinge aufnahm, um sie durch zweckmäßige Arbeit,vorzugsweise landwirthschaftliche aber auch gewerbliche, und daneben hergehendenUnterricht zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft zu bilden. Später wurden auchSöhne von wohlhabenderen Eltern gegen mäßige Pension ausgenommen. Es sinddabei vorzugsweise zweierlei Principien ins Auge zu fassen. Die Schule sollte durchdie Arbeit der Zöglinge sich selbst erhalten; der Unterricht sollte im Lichte der Er-holung erscheinen. Jnwieferne das Elftere erreicht wurde, das läßt sich wohl, beidem Jneinandergreifen der verschiedenen Arbeitsgebiete und Lchrinstitute, nicht bestimmtNachweisen. Es muß jedoch angeführt werden, daß Fellenberg die Ueberzcugunghatte, die Schule erhalte sich selbst. Die im Jahr 1816 im Verein mit Linth-Eschergegründete Linthcolonie in Glarus gieng ebenfalls von diesem Grundgedanken aus.Und vielleicht um den Beweis schlagender zu führen und ein reineres Resultat zuerzielen, wurde 1823 die kleine Colonie in Maykirch, in der Nähe von Hofwyl, ge-gründet. 11 Knaben und 1 Lehrer erhielten dort ein nicht ausgebautes Haus undein Stück wüsten Feldes sammt den nöthigen Vorschüssen. Die kleine Wirthschaft,freilich von edlen Menschenfreunden und wohl auch von der Muttercolonie vielfachunterstützt, gedieh und kam zu Kräften. Das Gütchen konnte angeblich seine Ver-bindlichkeit decken und zuletzt zu einem lohnenden Preis verkauft werden. Aber manhat auch hier in die Rechnungsführung doch keinen reinen Einblick gewinnen können,und die Ansicht, daß Armenanstaltcn dieser Art sich selbst erhalten können, dürftewohl nach den zahlreichen Erfahrungen, die indessen überall gemacht worden sind, alsbeseitigt zu betrachten sein.
Dagegen ist der zweite oben erwähnte Grundsatz, daß der Unterricht eine Er-holung von der Arbeit sein soll, nicht leicht irgendwo vollkommener durchgeführt wor-den. So oft man in Hofwyl dem Unterricht der Armcnschule anwohnte oder dieKnaben in die Unterrichtsstunden ab- und zugehcn sah, nichts anderes ließ sich war-nchmen, als Munterkeit, Fröhlichkeit und Frische. Dabei muß bemerkt werden, baßTüchtiges geleistet wurde. Einzelne Zöglinge dieser Armenschule wurden als Erzieherund Lehrer an den höheren Anstalten benützt und haben sich später als Lehrer in derSchweiz vorteilhaft ausgezeichnet. In der Gründung und Erhaltung dieser Armen-schule ist das Hauptverdienst Fellenberg's zu erblicken. Er ist zwar nicht der Schöpferdes Gedankens. Dieser Ruhm gebührt Pestalozzi. Aber er hat die Idee zur Klar-heit durchgearbeitet; er hat das, was Pestalozzi nicht zu verwirklichen vermochte,Praktisch so durchgeführt, daß die Armenschule in Hofwyl als die Muttcranstalt derzahlreichen indessen entstandenen Anstalten betrachtet werden muß.
Gedenken wir überhaupt hier des Verhältnisses Fellenberg's zu Pestalozzi.Gleichheit der Grundanschauungen und des Strebens mußte beide zusammenführcn.Beide waren dabei so eigenthümlich geartet, daß es scheinen konnte, jeder wäre zurErgänzung des andern geschaffen, und beide zusammen müßten die erfolgreichste Wirk-samkeit entfalten können. Sie haben auch zweimal zu gemeinsamem Wirken sichvereinigt (1804 und 1817). Aber sie trennten sich beidemal bald wieder und zwarnicht ohne Bitterkeit. Wir finden in der Eigentümlichkeit beider Männer die Gründe,, welche es begreiflich machen, daß sic im Leben nicht zusammengehen konnten. Fellen-) berg war ein geborener Herrscher, er hat niemals Gleiche neben sich geduldet. Er