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Felbiger.
Fellcnberg.
Entschädigung die Probstci Presburg und eine jährliche Pension von 6000 fl. Aberdas Merkwürdige und noch nicht gehörig Erklärte ist, daß Felbiger schon unterJoseph II. (1780) auf die Seite geschoben ward und seine mehr stillen Bemühungen— vielleicht unter der unruhigen, auf augenblickliche Erfolge dringenden Thätigkeit,welche die neue Regierung bezeichnte — nicht mehr die alte Unterstützung fanden.Er erhielt 1762 den Befehl, sich auf seine Probstci nach Presburg zu begeben undauf die Verbesserung des ungarischen Schulwesens sein Augenmerk zu richten. Hierstarb am 17. Mai 1788 der thätige, vielgeschäftige Mann, dessen Persönlichkeit wirin dem Maße schätzen werden, als uns warme, energische Hingabe an die ebensounendliche als dornenvolle Arbeit für Humanisirung des Volks in ihrem sittlichenWerth hoch steht. Seine Wirksamkeit selbst aber wird um so bedeutender erscheinen,je unbefangener und gerechter wir seine Zeit mit ihren sittlich und intellektuell un-säglich traurigen Zuständen und ihren frischen Lebenstrieben wie auf andern, so aufdem pädagogischen Gebiete werden beurtheilen lernen. — Leider freilich haben dieFrüchte seines Wirkens durch eine tragische Fügung in das Gegentheil von dem, wasder edle Mann erstrebte, sich verkehrt. Denn bald wußte der Jesuitismus mit schlauerund kluger Berechnung die von Felbiger geschaffenen starren Unterrichts- und Schul-formen dazu zu benützen, um darauf jenen drückenden Schul- und Lehrmechanismus zugründen, welcher das österreichische Schulwesen bis vor kurzem charakterisirte und hierjeder freien und wahren Bildung einen beinahe unübersteiglichen Damm entgegensetzte.
Fellenberg (Philipp E manuel von F.). Literatur: Allgemeine Zeitungvon 1844, Nr. 332. Beilage. Ohne Zweifel von demselben Verfasser: Fellenberg'sLeben und Wirken von W. Hamm. Bern 1845. Neuer Nekrolog der Deutschen,1844. 2. S. 746—753.
Emanuel von Fellenberg war zu seiner Zeit ein in allen Ländern der Erde, dievon christlicher Civilisation berührt sind, berühmter und gefeierter Name. Er ver-kehrte mündlich und schriftlich mit den ausgezeichnetsten Zeitgenossen, unter welchenes genügen wird, neben vielen gekrönten Häuptern die Namen eines W. v. Humboldt,Göthe, Fichte zu nennen. Seinen Ruhm verdankt Fellenberg seinen landwirthschaft-lichen und pädagogischen Bestrebungen, insbesondere dem von ihm zuerst praktischdurchgcführten Gedanken, die Volksbildung und Volkserziehung in eine fruchtbareVerbindung mit dem Landbau zu bringen.
Schon Fellenberg's Abstammung und Erziehung waren geeignet, in ihm hoheGedanken und ideale Strebungen zu erwecken. Geboren (27. Juni 1771) im Schoßeeiner wohlhabenden altbernischen Patriciersamilie, von mütterlicher Seite ein directerNachkomme des holländischen Admirals Tromp, verlebte er seine ersten Jahre unterden Augen eines wissenschaftlich gebildeten, ernsten und liebevollen Vaters und einerzärtlichen, frommen und aufopfernden Mutter, welche durch Erzählungen von denGroßthaten ihrer Ahnen des Knaben hochstrebenden Sinn befeuerte. Später genoßer den Unterricht Rengger's, des nachmaligen Cultministers der helvetischen Re-publik und verweilte einige Zeit in dem Institute des bekannten Dichters Pfeffel inColmar. Häufige Besuche Pestalozzi's im elterlichen Hause flößten ihm frühe eine
große Achtung vor dem Streben dieses Mannes ein. Eine Rede, welche sein Vater
1786 über die Nothwendigkeit einer Verbesserung der Nationalerziehung hielt, machtesolchen Eindruck auf ihn, daß er auf einmal die Bedeutung des Unterrichts und derErziehung erfaßte und von nun an diesem Gegenstand seine ganze Aufmerksamkeit zu-wandte. Nimmt man hinzu, daß seine Entwicklung in ziemlich freier Weise vor sichgehen konnte, daß er abstracten wissenschaftlichen Studien weniger Geschmack abzu-gewinnen wußte, während er auf vieljährigcn Reisen in seinem Vaterland die Arbeit,
den Druck und die Verwahrlosung des Volks kennen lernte, daß er von Anfang an
seine eigenen Wege gieng, sich selbst von der Gesellschaft seiner Alters- und Standes-genosscn zurückzog, sich auch erlaubte Vergnügungen versagte und auf die nothwendig-sten Bedürfnisse sich beschränkte, so findet man in dem Knaben und Jüngling dieGrundzüge von dem angedeutet, was einst der Mann werden sollte.
Nachdem Fellenberg im Anfang der neunziger Jahre in Tübingen jus, doch mehrnoch politisch-philosophische Wissenschaften studirt, reiste er 1794 nach Robespierre'sSturz nach Paris. Nach Hause zurückgekehrt wurde er 1798 als Gesandter nach