Felbiger.
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so lange wiederholt, bis die Kinder im Stande sind, die Sähe aus der Erinnerunguackzusprechen." — Wir werden über diese Methode, welche Allgemeines vor Einzel-nem, Abstractes statt Concrctcm, Regeln über die Sache statt Ucbung in der Sache,Worte statt der Realitäten gab und in der guten Meinung, dem rein gedächtnis-mäßigen- Unterricht zu steuern, ans einem Umweg demselben Nebel förmlich in dieHände arbeitete, welche überhaupt einen drückenden Lehrmechanismus begründete, vonunserem Standpunct aus vielfach zu lächeln versucht sein. Aber zugleich dürfen wirdie wirklich bedeutenden Förderungen nicht verkennen, welche der Volksunterricht durchFelbiger cmpficng. Man denke an die ersten Anfänge des Zusammen-Unterrichtendund des Classen-Einthcilens, wobei zugleich zu erwähnen ist, daß auch auf dem Feldedes Lese- und Schreibunterrichts (Aufführung der Buchstaben nicht nach der gewöhn-lich alphabetischen, sondern nach der genealogischen Ordnung; Analyse der Buchstabenmit Hülfe der Wandtafel; richtige Haltung der Kinder beim Schreiben) wirklichwesentliche Fortschritte durch ihn angeregt und ins Leben cingeführt wurden. — Sehrcharakteristisch für Zeit und Persönlichkeit ist die Thätigkeit Felbigcr's in dem Gebietedes volksmäßigen Religionsunterrichtes, welchem 3 von ihm auf der Grundlage desCanistus'schcn Katechismus ausgearbcitete Katechismen (aus dem Jahre 1766) dienensollten. Die Grundfehler der Felbiger'schen Methode wiederholen sich auch auf diesemGebiete. Dagegen ist der Inhalt der Katechismen bezeichnet durch eine vorherrschendmoralisch-praktische Haltung, eine möglichste consesstonclle Weitherzigkcit, und den Ver-such einer biblischen Begründung, wie denn Felbiger auch eine Ausgabe der 4 Evan-gelien und sonntäglichen Pcrikopen in deutscher Üebersehung in seinen Schulen ein-sührte! — So sprach sich in den Bestrebungen Felbigcr's „jener echte Geist desChristenthums aus, der, anstatt an die Verherrlichung der Hierarchie zu denken, sichauf das zu richten suchte, waS dem christlichen Volke Noth that, damit cs christlichund gottselig erzogen werde" (Heppe).
Bald sollte sich jedoch für Felbiger ein noch viel größerer Wirkungskreis eröffnen.Auch in dem benachbarten Oesterreich unter Maria Theresia war eine neue Zeit erschienen(vgl. die Art. Maria Theresia und Joseph II.). 1773 war die Aufhebung des Jesuiten-Ordens erfolgt. Nun ward Felbiger zur Reform des österreichischen Schulwesens, nach-dem ihm König Friedrich auf den besondern Wunsch der Kaiserin den erforderlichen Ur-laub crtheilt hatte, im Jahre 1774 berufen und ihm daher die Stelle eines „General-directors des Schulwesens für die österreichischen Staaten" übertragen. Die Grundlagefür die von ihm sofort hier entwickelte umfassende organisatorische Thätigkeit bildete diedurch ihn entworfene „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- undTrivialschulen in sämmtlichen k. k. Erbländern" vom 6. Dec. 1774. Es ist hier nicht derOrt, auf den Inhalt dieses Gesetzes, das eine höchst bedeutende Stelle in der Geschichtedes österreichischen Schulwesens einnimmt, näher einzugehcn. Genug, daß dadurch dieGrundsätze der HLHn-Felbiger'schcn Schulmethodik auch auf das österreichische Schul-wesen übergetragcn und in den organisirtcn genannten dreierlei Arten von Schulen,wozu noch besondere Repetitionsschulen am Sonntag kamen, der Unterricht auf derGrundlage obligat cingeführter Lehrbücher und Tabellen, geregelter Winter- undSommerschulzeit, einer (für jeden Unterrichtsgegcnstand besonders) gegliederten Classcn-cinthcilung, genauer bis ins Detail auSgcarbeitetcr Normallectionspläne und sorg-fältiger staatlicher Aufsicht ein bis zur Starrheit festes System des Volksunterrichts-wesens zu schaffen gesucht wurde. Vorläufig beschränkte sich die Thätigkeit Felbigcr'sund die neue Schuleinrichtung auf Wien und das eigentliche Oesterreich, fand jedochimmer mehr Anerkennung und griff schon in den nächsten Jahren auch in den andernErbländern, namentlich in Böhmen, Platz (vgl. d. Art. Kindermann). Ja bald zeigtesich der Einfluß der Felbiger'schen Reformen im ganzen katholischen Deutschland, woim Anschluß an seine Richtung und Methodik ein bisher ungekanntcr Eifer inBeschaffung eines gedeihlichen Volksschulwcscns auf den verschiedensten Territorienhervortrat.
In Oesterreich selbst war Felbigcr's Wirksamkeit nur zu kurz. Schon 1778,als der bayrische Erbfclgekrieg auSzubrcchcn drohte, erhielt Felbiger von Friedrich II.den Befehl, entweder nach Schlesien zurückzukehrcn oder auf die Abtei Sagan zu ver-zichten. Felbiger glaubte das Letztere thun zu müßen, und die Kaiserin gab ihm zur