Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

438

Familie, Familiengeist, Familienfinn.

Fclbiger.

Geheimnis sind; wo das der Fall ist, drohen große Gefahren. Inwieweit freilichjedes einzelne Kind alles, womit es sich innerlich beschäftigt, auch im Familienkreisemittheilen kann und soll, darüber giebt es keine gemeine Regel, weil dies ebenso vondem Grade der individuellen Mittheilsamkeit als von der Empfänglichkeit, dem Ent-gegenkommen der andern abhängt.

Schließlich dürfte es, obgleich die Ausführung nicht dieses Orts ist, nicht über-fleißig sein anzudenten, daß, wie die Familie weder die einzige noch die höchste erziehendeMacht ist, so auch der Familiensinn nur ein Moment der Sittlichkeit, nicht dieseselbst ist; daß mithin die Pflege der Familienliebe nicht durch Ausschließlichkeit mitder Pflege der höchsten Interessen der Menschheit in Widerstreit aerathen darf.Matth. 10, 37.

Familienunterbringung, s. Waisenhäuser.

Fassungskraft, s. Erkenntnisvermögen.

Fehler, s. das Böse.

Fclbiger, Johann Ignaz von, so lautet der Name eines Schulmanns, l

mit dem das Andenken an eine eigenthümliche Phase der Entwicklung des deutschen ?

Volksschulwesens und an den geschichtlichen Ursprung einer namentlich in Oesterreichfür lange Zeit herrschend gewordenen didaktischen Richtung verknüpft ist (vgl. Ersch ^ >und Gruber; Heppe, Gesch. des deutschen Volksschulwesens. Gotha 1858. 1859; sv. Helfert, Die österreichische Volksschule, I. Band. Prag 1860). !

Geboren den 6. Januar 1724 zu Großglogau in Schlesien, von katholischen ss

Eltern, studirt F. zu Breslau Theologie und tritt 1746 in das fürstliche Stift der is

regulirtcn Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus von der Lateranensischen !

Congregation Unserer lieben Frauen zu Sagan in Schlesien, wird 1758 Erzpriester des «

Sagan'schcn Kreises und bald nachher Abt und Prälat daselbst. Als solcher hatte erdie Aufsicht über das Kirchen- und Schulwesen der Stadt und Umgegend auszuübcnund wurde so bald auf die allgemeinen Zustände deö Volksschulwescns aufmerksam.Dieses war bis jetzt unter der österreichischen Herrschaft im allererbärmlichsten Zustandgeblieben. Die katholische Kirche, in deren Händen es lag und insbesondere die 'Jesuiten hatten dafür so viel als nichts gethan. Es gab in Schlesien in der Mittedes 18. Jahrhunderts nur wenige namentlich städtische und zwar nach Disciplinund Methode im ersten Kindheitszustande befindliche Volksparochialschulcn. Da war ,eS der eigenthümlich erregte neue Zeitgeist, welcher um diese Zeit auch in Schlesien !sich geltend machte. Der Zugang wurde ihm hier durch den Uebergang Schlesiensunter preußische Herrschaft (1745) gebahnt und erleichtert. Zu seinem Organ aberwußte er sich nach seiner Stellung und seiner Individualität unfern Felbiger zumachen. (Das Folgende nach derNachricht von der Verbesserung der römisch-katholischen Schulen im Herzogthum Schlesien und der Grafschaft Glatz" in Walch,Neueste Religionsgeschichte II. Lemgo 1772.) Nachdem dieser zuerst 1761 den localenVersuch gemacht hatte, die katholische Schule in Sagan zu heben, derselbe aber an ^der Untüchtigkeit der Lehrer gescheitert war, begann er seine Aufmerksamkeit auf diegerade damals im weiteren preußischen Vaterland sich regenden Bewegungen in demGebiet des Unterrichts zu richten. Vor allem zogen die regelmäßig erscheinenden >Nachrichten von der Berlin'schen Realschule" seine Augen auf diese Anstalt (vgl. d. -Art. Hecker). Er macht sich daher 1762 selbst aber ganz im geheimen auf !den Weg, um diese Schule durch unmittelbaren Augenschein kennen zu lernen, und ikehrte äußerst befriedigt und angeregt zurück. Was ihn aber hier besonders angezogenhatte, das war auf sehr bezeichnende Weise namentlich die seit einigen Jahrendaselbst angewendete sogenannteHiihn'sche Tabellar- und Litteralmethode" (s. unten.

Joh. Friedrich Hähn, geb. 1710 zu Baireuth, später Klosterprediger und Schulinspectorim Kloster Bergen unter Abt Steinmetz, 1749 Feldprediger in Berlin, 1753 Jnspectorder Realschule zu Berlin unter Hecker, 1759 Generalsuperintendent in Stendal, 1762Generalsuperintendent und Abt in Bergen, 1771 durch Cabinetsbefehl Friedrich's ent-lassen, darauf zum Generalsuperintendenten in Aurich ernannt, ss daselbst 1789). DaßFelbiger gerade für diese Methode eingenommen ward, erklärt sich neben anderemdurch jenen mechanisch systcmatisirenden Geist, welchen die Jesuiten dem ganzen Bil-dungswesen ausgedrängt hatten und dessen Kind auch Felbiger war. Mit seiner