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Familie, Familiengeist, Familiensinn.
Ueber den Antheil der Dienstboten am Familienleben und dadurch auch an der Er-ziehung vgl. den Art. Gesinde. — Schließlich ist nur noch auf die Beziehung ein >
Blick zu werfen, in welcher die Gastfreundschaft zum Familienleben, und zwar zu N
der pädagogischen Bedeutung desselben steht. Einerseits nämlich gehört das zu einem U
christlichen Hause, daß man daselbst nach des Apostels Mahnung 1 Petr. 4, S *
„gastfrei ist ohne Murmeln." Leider haben in vielen Familien, und zwar gerade inden höhern Ständen, die Kinder wenig Gelegenheit mehr, diese Tugend von ihren ! IEltern zu lernen; man denkt dort nicht daran, ein Gastzimmer einzurichten — selbst > >Bruder und Schwester logiren im Gasthof. Eine bürgerlicke Familie, die nur eini-ges Ehrgefühl, geschweige denn christlichen Liebessinn in sich trägt, würde solcherHerzlosigkeit sich schämen. Aber andererseits ist cs für die Erziehung ein entschiedenerNachtheil, wenn ein Trupp Gäste immer nur abgeht, um einem andern Platz zumachen, sowie wenn Gesellschaften im Hanse statt eine Ausnahme zu sein vielmehrRegel sind. In beiden Fällen kommt es nie zur stillen Häuslichkeit; es fehlt alsogerade der feste Kern, die in sich selbst ruhende, nach außen relativ abgeschlosseneLebensgemeinschaft derer, die Gott zusammengefügt hat. Relativ abgeschlossen, sagenwir; denn wenn Vater oder Mutter oder Kindern jede Geselligkeit außer dem Hauseverweigert oder erschwert wird, so fehlt es an dem nöthigen Lcbenszufluß, an demwohlthätigen Rapport mit der Außenwelt, durch den uns das eigene Haus erst wiederrecht lieb wird.
2) Familiensinn und Familiengcist sind beide ihrem Wesen nach dasselbe; siesind da vorhanden, wo man auf die Zugehörigkeit zur Familie mit Bewußtsein einenWerth legt und eben darum das Wohl und die Ehre der Familie völlig als eigenesWohl, als eigene Ehre empfindet. Unterschieden sind sie mehr nur nach Grad undForm, sofern 1) der Familiensinn stillerer Natur ist, als Empfänglichkeit für dasSchöne des Familienlebens, als Anhänglichkeit an die Familie, — der Familiengeistdagegen zum Auftreten geneigt ist und die Interessen, die Ehre der Familie geltendmacht; und sofern 2) der Familiensinn sich aufs Haus und dessen nächste, noch lebendeMitglieder beschränkt, der Familiengeist aber alle Ahnen mitumsaßt. Man könntesagen, Familiengeist sei die adelige, Familiensinn die bürgerliche Form einer undderselben Gesinnung; allein der vornehmste Stand schließt den echtesten Familiensinnebensowenig nothwendig aus, als der Familiengeist unter der städtischen und länd-lichen Bevölkerung fehlt. Auch der Familiengcist hat darin seine Berechtigung, daßer lediglich auf einer Ausdehnung des vierten Gebots beruht, die dem Gebot selberdurchaus entspricht; daß ferner der Grundsatz, die in der Familie vererbte Gesin-nung und Sitte festzuhaltcn, schon an sich etwas sittliches ist, weil sich hierin dasSubject einem Objectiven unterordnet und aufopfcrt; und daß endlich das Motiv,auch um der Familienehre willen nichts schlechtes zu thun, zwar nicht das höchste,darum aber dennock ein wahrhaft ethisches Motiv ist, das gerade die Erziehung nichtverschmähen darf. Für manchen ist schon gerade dieses Motiv, überhaupt das Band,das ihn im Herzen noch ans Elternhaus knüpfte, die einzige bewahrende oder rettendeMacht gewesen; wer von dieser Seite keinen Halt hat, der ist entweder als ein Un-glücklicher zu bemitleiden, oder ist er einer jener Verkommenen nach moderner Art,die man, um ihr sittliches Signalement zu geben, heimatloses Gesindel nennt. Einsolcher, weil er nicht zuerst in der Familie gelernt hat, aus dem eignen Ich heraus-zugehen und sein Interesse als Individuum mit dem einer sittlichen Gemeinschaft zuidentificiren, die schon vor ihm da war, hat auch nicht die sittliche Krall zur Vater-landsliebe; ein Parteigänger kann er werden, ein Patriot wird er nicht. Aber ausdemselben Grunde ist auch der Conservatismus so vieler ein innerlich fauler, wieRiehl sagt: „Es vermeint mancher, er sei ein gar conservativer Mann. Er ist aberein Demagog, ein Revolutionär, weil in seinem Hause der Conservatismus fehlt,weil da aus eitel Vornehmthuerei jegliche überlieferte Sitte des Standes und derFamilie weggeworfen ist, weil kein Hausregiment geführt wird, weil die Kinder alssociale Windbeutel aus dem Schoße der Familie hervorgehen."
WaS ist nun zu thun, um den Familiensinn zu pflegen und großzuziehen?
u) In erster Linie alles das, was oben schon unter Ziff. 1 genannt wurde alserforderlich, damit das Familienleben seine sittliche Wirkung überhaupt ausübe.