Familie, Familiengeist, Familiensinn.
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dem Vater ganz ebensogut an, wie der Mutter; es ist sogar wichtig, daß sie sich indies Geschäft theilen. Ob die Eltern auch den ersten Unterricht geben, hängt ganzvon ihrer Befähigung und den Umständen ab. Eine Forderung irgend welcher Artdarf diesfalls nicht an die Familie gestellt werden, weil die Lehrhaftigkeit nicht noth-wmdig da auch vorhanden ist, wo man im übrigen gut zu erziehen versteht. Wassich dagegen im Umgänge mit dem Kinde ohne die Form eigentlichen Unterrichts ihmbeibringen läßt, z. B. durch Erzählen biblischer Geschichten, Vorsagen von Sprüchen,Vorsingen von Liedern, das freilich gehört dem Hause; ebenso muß das Kind sehen,daß man sich im Hause für alles interessirt, was ihm in der Schule vorkommt. —Die Ausübung der Disciplin ist gemeinsame Pflicht der Eltern, doch so, daß in derRegel der Vater als der geeignete Vollstrecker erscheint. — Weiter aber muß die Fa-milie, um ihre erziehende Wirksamkeit ausüben zu können, ein wirkliches Leben alsFamilie, als Gemeinschaft führen. Es müßcn auch im geschäftsvollsten Hause täglichsolche Zeiten festgesetzt sein, wo Vater und Mutter einander und den Kindern gehören.Das ist ja u. a. der schöne, ethische Sinn des gemeinsamen Essens, daß dieses Ma-terielle den äußeren Vereinigungspunct bildet für die berufsmäßig zerstreuten Glieder,und so das physisch Nothwendige zu einem Mittel wird, das Gefühl des Zusammen-gehörens stets frisch zu erhalten. Ueber die Bedeutung der Hausandacht und derAbendmahlsfeier in dieser Hinsicht vgl. den Art. Hausgottesdienst. Aber nichtbloß die Erholungsaugenblicke, sondern das Arbeitsleben selber muß den Gedankender Zusammengehörigkeit in sich tragen. Ganz besonders schön ist in dieser Beziehungdie Stellung, die die Heranwachsende Tochter zur Mutter einnehmen kann und soll,da sie, ohne irgend den Gehorsam und die Ehrerbietung zu verleugnen, doch schonviel mehr die Freundin und Beratherin der Mutter ist, die auch in solchen Dingen,welche der Mutter entgehen, die mütterliche Fürsorge ergänzt, die in Bezug aufForderungen des Anstandes difficiler ist als die Mutter, deren gesundem Verstand undfrischem, unverfälschtem Gefühl aber die Mutter selbst Recht zu geben nicht umhinkann. — Schwer ist es andererseits, unter den Geschwistern immer den richtigen Tonherzustcllen und zu erhalten. Gelingt es schon von vornherein, eine gewiße Zartheitdes gegenseitigen Benehmens in Gang zu bringen, so ist unendlich viel gewonnen.Aber weit nicht alle Kinder, auch wenn sie von gutem Stamme sind, finden wirdazu genaturt. Soll also die Familie ihren sittlichen Einfluß haben, so bleibt nichtsübrig, als die Zucht, die, wo noch die brüderliche Gesinnung fehlt oder wenigstenslatent ist, dafür inzwischen ein Recht aufstellt, das nicht verletzt werden darf. Da-durch wird Raum geschafft, daß mit den rcifern Jahren auch ein edlerer Sinn gedeiht.Uebrigens muß nicht nur Rcspectirung des gegenseitigen Rechtes, Eigenthums re.,sondern auch gegenseitige Dienstleistung Gesetz im Hause sein. Wie sich hiedurch imFamilienleben die Kräfte jedes einzelnen entwickeln, und ihm und den andern in ihremWerthe fürs Ganze zum Bewußtsein kommen: so wird auch, namentlich in zahlreicherenFamilien, der Charakter eines jeden von den übrigen schärfer erkannt, und gegen-seitige Beurtheilung wird oft ein ganz gutes Mittel zur Selbsterkenntnis. Selbstwenn eines der Geschwister der Liebling der andern ist, so ist das nicht vom Nebel,während es einer der größten Fehler wäre, wenn die Eltern selbst solch einen Lieblingsich aus ihren Kindern ausläsen. — Wichtig sind ferner alle Familienfeste für denZweck, den wir hier im Auge haben; obenan Weihnachten, das sowohl durch dieFreude des Empfangens, die die Herzen öffnet, als durch die Geschenke, die sich dieGeschwister gegenseitig machen, der Liebe Impuls und Nahrung giebt; ferner dieGeburtstage beider Eltern und jedes Kindes; ob der Kinder noch so viele sind, dieFeier der Geburtstage ist jedem ein Zeichen, daß sein Leben, seine Person etwasWerth ist im Kreise der Familie. In obige Reihe fallen aber weiter alle Tauftageund Confirmationstage — cs gehört ja das wesentlich zum Schönen und Segensvollenaller solcher kirchlichen Handlungen, daß sie zugleich die edelsten Familienfeste sind.Zu den Dingen, durch welche gerade die Familie ihren sittlichen Einfluß ausübt,rechnen wir besonders auch kleinere oder größere gemeinsame Ausflüge. Gerade dasHerausgehobensein aus dem Einerlei des täglichen Lebens, der gemeinsame Genußdes Neuen, sowie die gemeinsame Mühe — das alles öffnet die Herzen ungewöhnlichWeit gegen einander, und die Erinnerung bildet einen Lichtpunct auf lange Zeit. —