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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Falk.

Familie, Familiengcist, Familiensinn.

Fürsten, über eine der schauderhaftesten Lücken unserer Gesetzgebung, die durch dietraurige Verwechslung von Volkserziehung mit Volksunterricht entstanden," 1819.

Falk starb am 14. Februar 1826 unter großen körperlichen Schmerzen mit derreinsten Fassung der Seele. Die Anstalt wurde nach seinem Willen von der Witweunter der Leitung Herrn Kettner's, des bisherigen Gehülfen fortgeführt, bis sie imJahre 1829 vom Staat übernommen wurde, der sie aus dem Luthergäßchen vor dasThor in eine bessere Räumlichkeit verlegte. Hier besteht sie noch in gesegneter, wennauch beschränkter Wirksamkeit und giebt jährliche Berichte aus.

Quellen: Falk's Schriften; Neuer Nekrolog der Deutschen von 1826, und diein Heinrich Holzschuher's Lutherbüchlein (Nürnberg 1835) gegebene Lebensbeschreibung;Denner's Leben s. o.

Falschheit, s. Wahrhaftigkeit..

Familie, Familiengeist, Familiensinn. Wie sehr man in unfern Tagendas Gewicht dieser Begriffe erkennt, beweisen nicht nur die Lehrsysteme der Ethiker,die in ganz anderer Weise als früher die Familie als Basis und Heimat der Sitt-lichkeit behandeln (vgl. den Art. Ethik), sondern verschiedene der Beleuchtung des Familien-lebens speciell gewidmete Schriften, worunter die von W. H. RiehlDie Familie"(Stuttg. 1855) und die von H. W. I. Thierschlieber christliches Familienleben"(5. Ausl. Franks. 1864), jene vom culturgeschichtlichen, diese vom christlich-religiösenStandpunct aus als sehr werthvoll hervorragen. Daß wir über Familienleben mehrdenken, reden und schreiben, kann freilich als ein Zeichen davon gedeutet werden, daß unsdie Sache selber abhanden gekommen ist durch nichtswürdige Nachäffung franzö-sischer Unsitte. Aber gut ist es immerhin, man fängt wieder an zu bedenken, waszum Frieden dient. Am nöthigsten ist dies für den Pädagogen; von dem Wahne,den die pädagogischen Weltverbesserer predigten daß man, um ein besseres Ge-schlecht zu erziehen, das Kind aus der Familie nehmen und dem Hofmeister oder demInstitut überantworten müße, ist man glücklicherweise zurückgekommen und hatdamit die natürliche Ordnung wieder gefunden. Indem wir deshalb auch hier aufden Gegenstand einzugehcn die Pflicht haben, gedenken wir denselben in der zwiefachenBeziehung zu besprechen: 1) Bedeutung des Familienlebens für die Erziehung,2) Weckung des Familiensinns durch die Erziehung.

1) Die Familie ist wie wir mit ik. Schmid (Philos. Päd. S. 337) sagen,der explicirte Mensch; das Ich ist aus der Einheit in die Dreiheit Vater, Mutterund Kind auseinandergegangen; aber indem es sich als einzelnes aufgiebt, gewinntes sich erst in höherem Sinne selbst wieder. So ist die Familie ein Heiligthum, inwelchem alles dazu angethan ist, das Beste, was das Mcnschenherz in sich trägt, ansLicht zu bringen und zu Pflegen; sie ist der rechte, von Gott erbaute Herd, auf demdie Flamme der Liebe brennt; sie ist darum auch die Stätte, wo der sittliche Menschseine tiefste Befriedigung, sein höchstes Glück findet. In diesen geweihten Kreis nunfindet sich das Kind vom allerersten Ausdämmern des Bewußtseins an hineinversetzt.Daran lernt es Liebe, lernt aber zugleich auch das Recht kennen und respectireu. Soist das Familienleben selber schon eine umfassende Schule der Sittlichkeit; in ihm istdas Gute bereits zu einer objektiven Realität, zur Sitte geworden. Von speciel-leren Momenten berühren wir hier Folgendes. In den ersten Lebensjahren ist esvorzugsweise die Mutter, deren Pflege das Kind bedarf; unentbehrlich ist ihmbloß diese. Die ersten Keime alles Guten hat also sie Gelegenheit, in des KindeSHerz zu pflanzen;*) nicht aber ist das eine Last, die der Vater auf sie abwälzendürfte; z. B. dem Kinde erzählen, mit ihm vor dem Einschlafen beten :c., das steht

*) Der Segen einer frommen Mutter war es, was den Knaben Fichte, als er von Schul-pforta entlausen wollte, plötzlich stille stehen, der mütterlichen Mahnung eingedenk beten und sofortsich besinnen und eilend nach seiner Zelle umkehren ließ. Aehnlichcs wissen wir von dem stillen,aber tiefgehenden Einfluß mancher Großmutter. Die alten Griechen benannten die Enkel gernnach den Großeltern; es war ihnen nicht entgangen, daß die körperlichen und geistigen Eigen-schaften sich sehr oft mit Ueberspringung des nächsten Gliedes vererben eine weitere Stützeder natürlichen Liebe der Großeltern, die bei normalen Verhältnissen durch Weisheit und Erfah-rung noch mehr geläutert ist, als Lei den Eltern.