Falk.
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Sonntagsschule, zu deren Besuch dieselben contractmäßig anzuhalten waren. Einedritte Anstalt war für Mädchen die Näh-, Spinn- und Strickschule. Eine vierte „dieBibelstunden," welche jeden Abend von Falk selbst für Knaben, die sich dem geistlichenStande widmen wollten, gehalten wurden.
Ueber die Erziehungsmittel, welche Falk anwendete, ist das Wichtigste schon an-gedeutet worden. Seine durchgereifte Persönlichkeit that die Hauptsache; dazu kamdie Gabe volksthümlicher und praktischer Rede und pädagogischer Dialektik, die erin hohem Grade besaß. Eine besondere Macht übte Musik und Gesang, weltlichersowohl wie geistlicher, der letztere auch zu liturgischer Belebung des Gottesdienstesangewandt; in dieser Beziehung hat Falk gleichfalls nicht unbedeutend angeregt. —Daß auch Mittel der Strenge angewendet wurden, leidet keinen Zweifel; er wird einDurchgreifen an geeigneter Stelle ebenso wenig gescheut haben, wie Pestalozzi, mitdessen Wirksamkeit in Stanz seine Art mit den Kindern umzugehen die größte Achn-lichkeit hat. Neben den andern Erziehungsmitteln nahm die Arbeit eine wichtigeStelle ein, namentlich in der Absicht, durch den idealen Sinn eines freudigen Schaf-fens den Sinn der Zerstörung, welcher der Roheit und Verwilderung innewohnt, zuüberwinden. Er konnte in dem Jahresbericht von 1825 darauf Hinweisen, wie „durchdie Hände verlorener Knaben ein Haus und zwar eins vom größten Umfange bereitszur Halste vollendet, unter Anführung eines alten Zimmermanns und verständigenMaurers Dinge geleistet seien, die man sonst nur von Männern zu erwarten sichberechtigt fühlte; wie eine größtentheils dem Vagabundenleben verfallene Jugend, dieweit eher den Fall der Städte hcrbeizuführen, als sie im Flor zu erhalten bestimmtschien, sich in einer ganz entgegengesetzten wohlthätigen Richtung fortbewege und sichdurch Anlegung einer Bauschule gleichsam auf die Erbauung eines Dorfs, einerStadt, einer Colonie in reiferen Jahren anschicke und vorbercite."
Aus dem bisher Gesagten dürfte denn auch klar geworden sein, wie der Geistder Falk'schen Erziehung zum pietistischen Erziehungsprincip sich verhalte, wie es sichz. B. in Halle, allerdings in der Hauptsache erst nach A. H. Francke's Tod entwickelthat. Einerseits würde Falk's Anschauung und Praxis den positiv gläubigen Kreisenunserer Tage nicht ganz genügen (vgl. die ebenso ansprechende wie instructive Selbst-biographie eines seiner Schüler, des j- württ. Pfarrers Denner, herausg. v. Merz1860); nur hieße, ihm dies zum Vorwurf machen: seine Zeit verkennen. Andererseitswaren bei Falk gewiße einseitige und beschränkte Auffassungen und Tendenzen, welchejener altern Zeit anklebten, überwunden. Die menschliche Natur wurde von ihmkeineswegs mit jener Aengstlichkeit und gleichsam Verzweiflung betrachtet, welche jeneFrüheren zu großen pädagogischen Mißgriffen verleitete. „Wenn wir sie nur rechtverstehen lernen wollen," sagt er von der jungen männlichen Natur, „was könntenwir nicht alles gesegnetes und gottwohlgefälliges mit ihr ausrichten; aber so verkömmtsie großentheils hinter unfern trocknen Schulbänken oder im Schmutz der Gefängnisse."Ihm ist daher die Arbeit der Knaben auch eine Schule schaffender Begeisterung fürsie im Sinne jener Culturkraft, welche das Christenthum seit seiner Einführung inunfern Ländern entwickelt hat. Darum gab es keine ängstliche äußere Beschränkungin seiner Anstalt; darum blühete auch der weltliche Gesang und die weltliche Poesiemit ihren unmittelbar sittlichen und gemüthlichen Motiven; darum fand das Spielbei ihm sein Recht; darum vermied er das Uebermaß gottesdienstlicher Hebungen undfürchtete das leere Wortemachen wie überhaupt, so insbesondere in Sachen der Reli-gion. „Zittert vor allem Schwatzen, selbst vor dem christlichen eurer Kinder, ihrEltern, sobald ihr inne werdet, daß der Unterricht, den sie erhalten, seines uraltenFundaments im Herzen ermangele" — ruft er in der Vorrede zu seinem Büchlein„Ueber die Grenzen der Volks- und Gelehrtenschule" 1821.
Das so eben angeführte Büchlein, hervorgerufen durch die im Jahre 1819 zuLeipzig gegründete pädagogische Gesellschaft, deren Ehrenmitglied er wurde, behandelt,wie der Titel besagt, das weitere Gebiet der Pädagogik, enthält aber namentlich überVolksschulunterricht gesunde, treffende Gedanken. Für die Volksbildung macht Falkdw Nothwendigkeit der Erziehung geltend in seinem „Aufruf zunächst an die Land-stände des Großherzogthums Weimar, sodann an das ganze deutsche Volk und dessenPädag. Handbtich. I. 28