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Falk.
tionsraths mit einer Besoldung erwarb, und wieder als „Antiplünderungscommissär"nach der Schlacht bei Leipzig, da die Franzosen auf dem Rückzug plündernd durchThüringen zogen. Und hieran endlich knüpft sich die pädagogische Laufbahn Falk's,hervorgegangen wie bei Pestalozzi aus dem innigen Erbarmen mit dem Volk und derzahlreichen Jugend, welche in Armut und Verwahrlosung verkam. Dieses Nebelmachte sich infolge der Kriegsbcgebenheiten im höchsten Grade fühlbar. Die religiöseStimmung der Zeit trieb zur That und Falk war es, der das Werk begann. Zuvoraber hatte er selbst in jener harten Zeit durch die härtesten Leiden zu diesem Werkeder Liebe vollends erzogen werden müßen. Vier erwachsene, blühende Kinder Falk'sunterlagen den in der Gegend wüthenden ansteckenden Krankheiten in kurzer Frist.Alle Kraft der Religion erwachte durch dieses Leiden in seiner starken Seele. Wasin dem Knaben mit so innigem Gefühl gelebt hatte, sodann in dem Jüngling undMann unter dem Einfluß einer ungenügenden Weltansicht vor dem täuschenden Gefühleigener sittlicher Kraft, unter der Last eines selbstgewählten und nicht ohne Selbst-täuschung festgehaltenen Berufs, etwas in den Hintergrund getreten war, — derGlaube an den lebendigen Gott, der in Christo die Welt heimgesucht und erlöset hat,kehrte nun wieder mit der Kraft der Demuth und weltüberwindenden Liebe bei ihmein und trieb ihn, alle seine Kräfte und seine seltene praktische Begabung der Rettungdes Volks und vorzugsweise der verwahrlosten Jugend zu widmen. Unglücklichekamen an seine Thür und suchten bei „ihrem gütigen Rathe" Beistand. Nun erinnertesich Falk der alten Rathsherrn in Danzig. Er gründete mit dem StiftspredigerHorn in Weimar einen Verein, „die Gesellschaft der Freunde in der Roth," und derwichtigste Theil der von hier ausgehenden Hülfe bestand in der Stiftung der erstendeutschen Rettungsanstalt, welche nun in den letzten dreizehn Jahren seines Lebensbis zu seinem Tode 1826 den ausschließlichen Beruf seines Lebens bildete.
Der Geist, in welchem diese Anstalt gegründet und geführt wurde, war vonAnfang an derjenige der inncrn Mission und wir finden ihre Idee schon von Falkmit hinreichender Klarheit erkannt und ausgesprochen. „Der seit 11 Jahren verfolgteHauptzweck unseres Vereins," schreibt er 1823 im Jahresbericht, „scheint eine ArtMisstonsgeschäft, eine Seelenrettung, eine Heidenbekehrung zu sein, aber nicht in Asienoder Afrika, sondern in unserer Mitte, in Sachsen, Preußen" u. s. w. „Er suchtCriminal- und Zuchthaus um so viel Candidaten wie möglich zu betrügen, ein löb-licher, Gott wohlgefälliger Betrug, dessen Gelingen die gedruckten Actenstücke (in dmJahresberichten) unwiderleglich beweisen." Und die Mittel einer solchen Seelenrettung?„Wir schmieden alle unsere Ketten von inwendig," sagt er in einem Briefe. WieEltern nicht nöthig hätten, ihre Kinder durch Schloß und Riegel zurückzuhalten, sobedürfe auch er solcher Mittel nicht. Die Liebe sei es, die alles überwinde. — Esversteht sich wohl, daß trotzdem auch bei Falk die Erfahrungen und Erfolge im ein-zelnen verschieden gewesen sind, wie dieses die Jahresberichte bezeugen.
Seiner Organisation nach bestand das Unternehmen Falk's eigentlich aus einerReihe von Instituten, welche nicht gleich anfangs als Ein Ganzes gedacht, sondernmehr wie das Bedürfnis drängte, zu gegenseitiger Ergänzung gestiftet wurden. DenMittelpunct bildete die zur Erziehung, Versorgung, Unterstützung von Kindern undJünglingen gegründete Einrichtung. Man brachte die Kinder in Familien unter, dieConfirmirten bei Handwerksmeistern. Erwachsenere — cs gab auch Studenten unterihnen — lebten selbständig und wurden nur unterstützt. Diese Versorgung und Unter-stützung geschah nicht aus einer gemeinschaftlichen Kasse, sondern in weniger geschäfts-mäßiger, mehr persönlicher Weise, indem einzelne oder einige der Mitglieder sich ein-zelner Kinder annahmen und nach gemeinsamen Grundsätzen für sie sorgten. Falkselbst hatte immer eine Anzahl von Zöglingen im eigenen Hause, wohl nicht überzwölf, wozu er theils die am meisten verwahrlosten, thcils solche auswählte, welchesür eine höhere Ausbildung, namentlich für das Lehrfach, geeignet schienen, und vonwelchen Mitwirkung in der Leitung dieser Erziehungsfamilie, auch in der Führungder Correspondenz erwartet werden konnte. Außerdem waren alle Kinder, welche derVerein aufnahm, zuerst eine Zeitlang in Falk's Hause, zum Zweck genauerer Bekannt-schaft. — Den Unterricht empfiengen einige der Zöglinge in Privatstunden, andere inden Schulanstalten des Orts, die jungen Handwerker in einer dem Vereine ungehörigen