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1 (1877) A - Liebe
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Ethik.

man sich nicht wundern, die Kongruenz des Inhalts oft unvollkommen zu finden.Umsomehr verdient hervorgehoben zu werden, wie viele Anklänge an positiv christlicheLehren gerade in den tüchtigsten neueren Bearbeitungen der philosophischen Sittenlehresich finden, und wie sehr damit alle jene Vorwürfe, die sich die christliche Moral einstvom Deismus und Rationalismus thcils wegen ihrer Motive, theils wegen Vernach-läßigung wichtiger Pflichten machen lassen mußte, von der Philosophie selbst als un-stichhaltig erkannt und antiquirt sind. So sind in Fichte's System der Ethik(Leipzig 1850 u. 1851) nicht bloß zahlreiche Stellen zu finden, in welchen das Re-sultat philosophischer.Untersuchung in Begriffen und Sätzen zu Tage tritt, die mitden christlichen Zusammentreffen; sondern es ist der ganze letzte Abschnitt eine philo-sophische Durcharbeitung des in der christlichen Kirche factisch vorliegenden ethischenMaterials. Ein Durchklingen der christlichen Anschauungen kennzeichnet auch dasim übrigen die Bildung der Hegel'schen Schule an sich tragende, jedoch selbständigund gedankenreich ausgeführteSystem der speculativen Ethik" von I. U. Wirth(Heilbronn 1841. 1842); und wieder in ganz anderer Weise erkennen wir solchesZusammentreffen, trotz der spröden Haltung, die die Herbart'sche Philosophie demChristenthum gegenüber eingenommen, in dem zu den lehrreichsten Moralwerken ge-hörenden Buche von Hartenstein:Die Grundbegriffe der ethischen Wissenschaften"(Leipzig 1844). Noch positiver aber und durchgreifender wird die Einheit philosophi-scher und christlicher Moral sestgehalten von Chalybäus (in seinemSystem derspeculativen Ethik," Leipzig 1850) und von Martensen (Grundriß des Systemsder Moralphilosophie, Kiel 1845). Dasselbe würde von dem schon durch seine Neu-heit interessanten und als Versuch auf einem halb brach liegenden Gebiet doppeltanerkenncnswerthen Werk Pfleiderer's (Moral und Religion nach ihrem gegen-seitigen Verhältnisse, Leipzig 1872) uneingeschränkt gelten, da namentlich die theistischeGrundlage der Zeitströmung entgegen mit dankenswerter Energie sestgehalten wird,wenn nicht eine Jnconsequenz und Alterirung ethischer Axiome durch den im Grundepantheistisch gefaßten Begriff des Bösen hervorträte. .Bezeichnend für den Standder Dinge ist ganz besonders, daß ihrerseits auch die neuere, gläubige Theologieein classisches Werk aufzuweisen hat, das auf philosophische Basis gestellt und inphilosophischem Geiste ausgeführt ist, wir meinen dieTheologische Ethik" vonRothe (2. Auflage 18691871): in der neueren theologisch-ethischen Literaturdas weitaus bedeutendste Werk, das selbst solchen Lesern, die sich durch die Dialektikdes ersten Bandes schwer hindurcharbeiten, im letzten Bande eine Fülle christlicherLebensweisheit bietet, die sich bis ins Einzelnste erstreckt, ohne doch je kleinlich zuwerden. Minder bedeutend als Rothe, aber tiefer in christliche Principien eingetaucht,ist Culmann's christliche Ethik (2 Theile, Stuttgart 18641866), ein frischerTrunk aus tiefer Brunncnstube; ihre realistische Einseitigkeit erquickt eben durch denContrast gegen die Umgebung; einzelne Partieen müßen als äußerst fruchtbar für diePädagogik bezeichnet werden. Aeltere philosophisch-theologische Ethiker, Daub, deWette, Marheineke, müßen wir uns begnügen, bloß zu nennen; von Schleier-macher besitzen wir ebenso eine rein theologische Bearbeitung der Moral (Die christ-liche Sitte, herausgcgeben von Jonas. Berlin 1843) als auch philosophische Werkeauf diesem Gebiet (seine Grundlinien einer Kritik aller bisherigen Sittenlehre, zuerst1803 erschienen ; Entwurf eines Systems der Sittenlehre, herausgcgeben von Schweizer1835; Grundriß der philosophischen Ethik, herausgegeben von Twcsten 1841 re.).Unter den Theologen selbst wieder haben Harleß (Christi. Ethik 6. Ausl. 1864) undSartorius (Die Lehre von der heiligen Liebe, 3 Abtheilungen, 18511856) dieEthik vom specifisch lutherischen Staudpunct aus bearbeitet; jener gedrängt, mit reicherexegetischer Begründung, dieser häufig populär mit stetem Zurückgehcn auf die Sym-bole und öfterem Verweilen bei dogmatischen Gegenständen. In der Mitte zwischenCulmann und Pfleiderer, der Zeit wie der Tendenz nach, steht Palmer's Moral desChristenthums (Stuttg. 1864); ihr Vorzug mag für unfern Zweck eben in der be-kannten Stellung des Verfassers zur Pädagogik gesucht werden. Die Unterschiededer reformirten und der lutherischen Moral sind mit großer Feinheit von Schnecken-burger (Vergleichende Darstellung des luth. und res. Lehrbegriffs. Stuttgart 1855)auseinandergesetzt; den ethischen Gegensatz des Protestantismus und Katholicismus