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1 (1877) A - Liebe
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Ethik.

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ziehung? Umgekehrt ist auch wieder die Pädagogik durchaus ethischer Natur. Siekann nur ethische Zwecke als Zwecke der Erziehung (s. d. Art.) aufstellen; denn, wieKant sagte:Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselbenzu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als alleinein guter.Wille." Daß den ethischen Zwecken auch nur ethische Mittel entsprechenkönnen, folgt von selbst. Sind auch gcwiße Zwecke und Mittel der Pädagogik nichtan sich selbst schon sittlicher Natur (z. B. Lateinlernen als Zweck oder als Mittelgefaßt), so zeigt sich doch gewiß, daß solche im Zusammenhänge der Erziehung vonethischen Motiven begleitet und getragen sind, ja sein müßen, wenn sie nicht die letzteWeihe, den höchsten Werth verlieren sollen. Hieraus geht aber bereits auch hervor, daßdie Verwandtschaft der Pädagogik mit der Ethik dennoch nicht bis zur Identität beiderausgedehnt werden kann. Die Ethisirung durch Erziehung ist daruni neben derEthisirung überhaupt eine besondere Aufgabe, weil sie als das zu ethisirende Subjectnicht den Menschen oder die Menschheit überhaupt, sondern den unmündigen Menschen,das Kind vor sich hat, und zwar in ganz bestimmten Verhältnissen, denen gemäß dieeinzelnen Bildungszwccke und Mittel historisch sich gestaltet haben. Mit Einem Worte:die Pädagogik wird zur speciellen Technik in einer Weise, wie es die Ethik niewerden kann. So muß der Ethiker nicht nothwendig auch das Detail der Pädagogikkennen, wie ein Schulmann dieses kennt; aber desto gewißer darf der Pädagog vomFache, will er anders auf vollständige, d. h. auch wissenschaftliche Fachbildung An-spruch haben, in der Ethik kein Fremdling sein. Dies macht es einem pädagogischenHandbuch zur Pflicht, unbeschadet seines speciellen Standpunctes die Ethik als Ganzesmit in Betracht zu ziehen.

Unter den drei üblichen Namen unserer Wissenschaft ist Ethik der älteste (seitAristoteles) und wird vielfach vorgczogen, da das Wurzelwort die innere Seite desCharakters, wie dessen äußere Erscheinung in der Handlungsweise, und zugleich das All-gemeine und Objective also nicht bloß was Sitte ist, sondern auch Sitte sein soll,in sich faßt, wogegen die lateinische Bezeichnung (seit Cicero) wie die deutsche (seit Mos-heim) mehr nur auf das Aeußcre und Einzelne des Ethischen deutet. Sofern die Ethikals philosophische Disciplin behandelt wird, ist sie der wichtigste Theil der praktischenPhilosophie; der theologische Sprachgebrauch stellt neben die praktische Theologie alsdie Wissenschaft vom kirchlichen Leben die Ethik als Wissenschaft vom sittlichen Leben.Letzterer wird sodann die Dogmatik gegenübcrgestellt, nicht ohne beständig wieder-kehrende in gewißer Art wohlmotivirte Versuche einer Verschmelzung beider in EinSystem christlicher Lehre." Ehe wir aber den Inhalt unserer Wissenschaft näherbeleuchten, ist noch die Frage im Wege, wem sie denn eigentlich angehöre, der Philo-sophie oder der Theologie? Factisch machen beide gleichen Anspruch auf sie; theoretischkann es, wie nur Eine Wahrheit, so auch nur Eine Sittlichkeit geben. FactischenBesitzstand und theoretischen Anspruch zu vereinigen, giebt cs nur den Einen Ausweggegenseitiger Anerkennung auf Grund reinlicher Auseinandersetzung. Steigern sichstatt dessen wie thatsächlich wohl gerne geschieht die Ansprüche des einen Thcilszur Ausschließlichkeit gegenüber dem andern, so schadet jeder Theil nur sich selbst.Denn die Theologie, die ältere Schwester, kann des philosophischen Apparates selbstnicht entbehren, außer mit Verzicht auf den Anspruch der Wissenschaftlichkeit. Unddie Philosophie, die jüngere Schwester, sägt sich entweder selbst den Ast ab, auf demsie sitzt, wenn sie geflissentlich vom Christenthum, dem thatsächlich einzigen Befreierdes angeblich autonomen sittlichen Bewußtseins in der Menschenbrust, absieht, oderist sie in der naiven Selbsttäuschung besangen, nicht zu merken, wie viel von dem,was sie rein der Spcculation zu verdanken glaubt, sie vielmehr vom Christenthumentlehnt hat. Diereinliche Auseinandersetzung" besteht in der Erkenntnis, daßzwischen Philosophie und Theologie nothwendig Ausgangspunkt und Weg verschieden,nur das Ziel dasselbe, daß nothwendig die Form verschieden, nur der Inhalt dergleiche ist. Gleich wenigstens in der Idee; thatsächlich wird man, da daS Leben kurz,die Kunst lang ist, das Verhältnis einer philosophischen und theologischen Ethik oftgleich dem zweier Geraden finden, die sich verlängert in unendlicher Entfernung, abernicht mehr auf der gegebenen begrenzten Fläche schneiden, und bei der überaus wun-derbaren, so oft verhängnisvollen Wechselwirkung zwischen Form und Inhalt wird