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1 (1877) A - Liebe
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Erziehungstalent, Takt.

Ethik.

überall sicher herausfühlt, wird erst dann zum Takt, wenn mit der Feinheit des Ge-fühls auch die Sicherheit des Benehmens sich verbindet. Weiter schließt der Begriffdes Taktes die Beziehung auf den Verkehr mit andern und die ihnen schuldige Rück-sicht ein: der Historiker, welcher in seinem Werke lediglich den objectiven Thatbestanddarzustellen bemüht ist, hat keine Gelegenheit, sich taktvoll zu zeigen, schreibt er da-gegen für ein bestimmtes Publicum, etwa für die Jugend, so ergeht die Forderungan ihn, daß er in Bezug auf die Wahl von Stoff und Form taktvoll verfahre. End-lich kann natürlich nur die Sicherheit des Benehmens in zweifelhaften Fällen aufden Ruhm eines besonderen Taktes Anspruch geben: erst wenn die Anwendung derallgemeinen Regel auf den besonderen Fall zweifelhaft ist, kann der Takt sich offen-baren. Was nun zunächst das persönliche Verhältnis des Erziehers zudem Zögling anlangt, so ist der Erzieher taktvoll zu nennen, welcher bei allereigenen Achtung vor dem Rechte des kindlichen Alters und der Eigenthümlichkeit dereinzelnen Individualität doch den Zöglingen eine wahre Auctorität zu werden unddadurch eine wirksame Achtung vor dem Gesetze zu begründen versteht. . Hinsichtlichder erziehenden Einwirkung im engeren Sinne vcrräth sich der Takt des Er-ziehers in der Fertigkeit, mit der wachsenden Selbständigkeit des Zöglings die positiveEinwirkung zu ermäßigen. Der taktlose Lehrer stört das gegenseitige Ver-hältnis der Zöglinge, wenn er das Lob des einen mit dem Tadel eines andernso mischt, daß jener zu selbstzufriedener Eitelkeit verleitet wird, in diesem Niederge-schlagenheit entsteht oder gehässige Eifersucht gegen den bevorzugten: in dem Mundedes taktvollen ist Lob, wie Tadel ein Sporn zur Pflichterfüllung. Beim Unter-richte weiß der Taktvolle den Stoff so mitzutheilen, daß der Geist geübt wird, undversteht es, das Bedürfnis der verschiedenen Altersstufen zu unterscheiden. Bei derEinwirkung auf das sittliche Verhalten wird er weder durch blindes Zutrauenzu Täuschungen herausfordcrn, noch durch inquisitorisches Mistrauen verletzen. Beider pädagogischen Einwirkung auf die einzelnen Seiten der Individualitätwird er das rechte Maß zu finden wissen zwischen Ueberrcizung und Vcrnachläßigungdes Gefühls, zwischen der Hinlcnkung des Denkens auf die genaue Erkenntnis desEinzelnen und auf die Erkenntnis des allgemeinen Gesetzes, zwischen der Sorge fürAbhärtung des Körpers und Erhaltung der vorhandenen Gesundheit; und ganz be-sonders beruht beim Austhcilen von Lob Und Tadel, Lohn und Strafe die pädago-gische Unparteilichkeit, welche nicht äußerlich nach dem Buchstaben eines bestimmtenGesetzes urtheilen darf, auf dem richtigen Takt des Erziehers. Dies mag genügen,um das Wesen und die wesentlichsten Aufgaben des pädagogischen Taktes festzustellen;für ihre Lösung bestimmte Regeln zu geben, ist eben darum nicht möglich, weil sieeine Sache des Taktes und der Takt dasjenige ist, was, wo die Regeln anfhören,supplirend eintreten muß, wodurch die Erziehung vorzugsweise zur Erzichungskunstwird (s. die Art. Erzieher und Erziehung).

Erziehungswissenschaft, s. Pädagogik.

Ethik (Moral; Sittenlehre). Dieser Artikel hat nicht die Behandlungder Ethik im Schulunterricht zum Gegenstand, sondern die Ethik selbst als grund-legende Hülfswissenschaft der Pädagogik, was sie für die gesammte Erziehungslehreebensosehr ist, wie die Psychologie es ist für die gesammte Unterrichtslchre. In derThat hat die Ethik nicht bloß eine Anzahl Begriffe mit der Pädagogik gemein; siehat auch nicht bloß einen Punct in ihrem System, wo die Pädagogik aus ihr heraus-wächst (dieser Punct ist das Familienleben): sondern an der Ethik ist alles zugleich auchPädagogik, da ihr Gegenstand der menschliche Wille und das ihm gegebene Gesetz ist,folglich jeder auf diesem Gebiete gewonnene Satz entweder direct sich in eine praktischeRegel übersetzen oder aus ihm sich eine solche ableiten läßt. Selbst wenn die Ethiknichts wäre, als Pflichtenlchre, so müßte sie doch zugleich irgendwie einen Weg zurPflichterfüllung zeigen, also das ethisch Geforderte auch psychologisch vermitteln: waswäre dies anders, als schon Pädagogik, d. h. eine Doctrin der Selbsterziehung?Jene psychologische Vermittlung führt aber weiter auf die Erkenntnis, daß der Menschdurch bloße Naturentwicklung keineswegs seine ethische Bestimmung erreicht, daß viel-mehr jenes Erreichen sehr wesentlich auch von der Einwirkung solcher Potenzen ab-hängt, die selber das sittlich Gute in sich darstellen. WaS ist das anders als Er-