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1 (1877) A - Liebe
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Erziehungstalent, Takt.

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Thätigkeit: durch die Nebenbcgriffc des Geistigen, besonders Kräftigen und der spcci-fischen Begabung für bestimmte Gebiete unterscheidet sich der Begriff des Talents vondem allgemeineren der Anlage (vgl. d. Art.). Nach den Hauptgcbieten geistigerThätigkeit kann man unterscheiden: Talente der Erkenntnis, welche zur Er-forschung des Wahren, ästhetische Talente, welche zur Darstellung des Schönenin der Kunst, und praktische Talente, welche zur Verwirklichung des Guten imLeben berufen sind. Offenbar liegt das Erzi ehungs talent im Bereich derpraktischen Talente; die bloß wissenschaftliche oder künstlerische Begabung reichendazu nicht aus. Das Leben aber stellt der Einwirkung des Menschen verschiedeneAufgaben, die im wesentlichen in zwei Elasten zerfallen. Entweder handelt es sichum Gestaltung der Gegenstände und Verhältnisse des äußeren Lebens nach den siebedingenden Gesetzen und Regeln, wie bei der Mechanik, der Land- und Forstwirth-schaft, dem Finanzfache, der Heilkunde, und dazu sind die technisch-praktischenTalente berufen. Oder es handelt sich um Einwirkung auf das Gebiet der sitt-lichen Freiheit nach Maßgabe der ewigen Gesetze und zur Verwirklichung der höchstenAufgabe des geistigen Lebens, und dies ist, wie bei dem Berufe des Geistlichen, auchbei dem des Erziehers der Fall, während die Wirksamkeit des Staatsmannes undnamentlich die des praktischen Juristen zwischen beiden Gebieten in der Mitteliegt: wir nennen die für diese Wirkungskreise angelegten Talente die ethisch-praktischen.

Damit das ethisch-praktische Talent bestimmter zum pädagogischen Talentwerde, muß es sich mit der besonderen Anlage, auf die Jugend zu wirken, verbinden.Diese beruht auf einer natürlichen Zuneigung zur Jugend, sodann auf demVerständnis für ihre besondere Art, ihre Anschauung, ihre Interessen undNeigungen, und zu diesem Verständnis gehört wieder namentlich die Fähigkeit derAuffassung und Darstellung des Concreten, Anschaulichen und Charak-teristischen in der Natur, wie im menschlichen Leben, insbesondere in der Geschichte.Zugleich muß sich mit diesem Eingehen in die eigenthümliche Art und Weise, wie dieJugend eben ist, die Fähigkeit verbinden, von da aus immer die Beziehung aufdas Ziel zu finden, zu welchem sie heraugcbildet werden soll, damit der Erziehernicht bloß mit den Kindern Kind werde, sondern auch sie mit dem Manne Männer.Die Rücksicht endlich auf die verschiedene.Individualität der Zöglinge macht nöthig,daß der Erzieher die Gabe habe, die Eigcnthümlichkeit der Einzelnen zu er-kennen und zugleich in ihre Individualität sich zu versetzen, um die Wege zu finden,auf welchen jeder nach seiner Weise am sichersten dem Ziele zugeführt wird. Hiermitdürften die Momente angegeben sein, welche in ihrer Vereinigung das Erziehungs-talent constituiren. (Von einem pädagogischen Genie kann nicht geredet werden;es wäre das so begriffswidrig, als etwa der Ausdruckgenialer Seelsorger.")

Die Gnadengabcn, welche das Neue Testament als die unentbehrlichsten Grund-lagen des Berufes zum Bischofsamte darstellt, gehen ganz den Eigenschaften parallel,welche wir als Hauptfactoren des Erzichungstalents bezeichnet haben, die Gaben derLehre, der Regierung und des Unterscheidens der Geister.(1 Cor. 12,411. 28). Ja der Prophet des Alten Testamentes schon zählt, wenn er als dieGaben des Geistes bezeichnet Weisheit und Verstand, Rath und Stärke, Erkenntnisund Furcht des Herrn (Jes. II, 2), damit zugleich die Eigenschaften auf, welche dasErziehungstalent begründen ein Beweis, wie das seelsorgerliche und das pädagogischeAmt innig verwandt sind.

Der Ausdruck Takt, insofern damit die Feinheit und Sicherheit des Benehmensim Umgang bezeichnet wirb, geht nicht von dem Begriffe des musikalischen Taktesaus, der streng gemessenen Ordnung, sondern er bezeichnet die auf natürlicher Fein-heit des Gefühls beruhende und durch Erfahrung und Hebung aus-gebildete Fertigkeit, im freien Verkehr mit andern in jedem ge-gebenen Fall, und insbesondere in zweifelhaften Fällen das Ange-messene unmittelbar mit Sicherheit zu erkennen und zu thun. DerTakt beruht demgemäß auf einer Naturanlagc und ist so verwandt mit dem Talent,aber zugleich ist er eine durch Erfahrung und Uebung ausgebildete Fertigkeit. Dasfeine Gefühl, welches durch jede Unangemessenheit verletzt wird und das Angemessene