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1 (1877) A - Liebe
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Erziehungsprincipien.

Erziehungstalcnt, Takt.

durchgeführt worden ist; wir Protestanten werden zwar kirchlich, d. h. im Geist unsererKirche erziehen, aber nicht das Sein in der Kirche als höchsten Lebenszweck fassen: dieKirche ist ebensosehr um des Einzelnen willen da, als der Einzelne für sie da ist).

L. Was die anthropologischen Principien betrifft, so stehen sich hier zwei Extremegegenüber, zwischen denen die wahre Anschauung der Sache in der Mitte liegen muß.

Es ist der Pelagianismus, der im Zögling nur Gutes und alles Gute als schonvorhanden voraussetzt, und daher in der Erziehung nur entwickeln will; das andereExtrem wäre der Manichäismus, der im gefallenen Menschen nichts gutes mehr übrigläßt; ein pädagogisches Princip ist aber von dieser Seite nie aufgestellt worden, dajene Voraussetzung jede Erziehung zum voraus unmöglich macht. Statt dessen könnenwir diejenige Ansicht als den pädagogischen Gegensatz des Pelagianismus bezeichnen,welche im Zögling gar nichts, weder Böses noch Gutes als angeborene Neigung und HAnlage voraussetzt, sondern ihn erst durch Erziehung das werden läßt, was er wird.Repräsentanten dieser Richtung sind Herbart und Beneke, ebenso, nur nach seinereigenen Art, d. h. nach der eines französischen Charlatans, ausgeführt ist dieserGrundgedanke bei Jacotot, der wenigstens in Bezug auf die intellektuelle Bildungvon dem Satze ausgeht, daß alle Menschen gleiche Geistesanlagen haben, daher manaus jedem machen könne, was man wolle; was genau betrachtet ganz dasselbe ist,wie wenn wir sagten: positiv angelegt ist in keinem etwas, sondern nur die Mög-lichkeit für alles; was also aus ihm wird, ist rein das Werk seines Erziehers.

6. Was wir endlich das Princip der Methode nennen, dafür bietet die Geschichtenoch sehr wenig allgemeines und bedeutendes dar. Wir finden wohl eine MengeUnterrichtsgrundsätze, aber sie haben nur die Dignität von Maximen. Für die Er-ziehung ist das, was wir hier im Auge haben, meist in der Form ausgesprochen, daßgesagt wird, welche Eigenschaften der Erzieher persönlich haben und wie er seinenBeruf, wie er seine Arbeit und deren Erfolg ansehen müße? Nur bei Pestalozzi istdie Frage selbst mit aller Schärfe herausgetreten, aber in einer Weise von ihm be-antwortet, in der wir einen Jrrthum im Princip erkennen. Bekanntlich hatte er denAberglauben, seine Methode wirke unfehlbar, mit der Sicherheit, wie eine Maschineauf das ihr hingegebene Material wirke; von der persönlichen Qualität des Erziehershänge der Erfolg nicht im mindesten ab, wofern er nur den Mechanismus der Methode,d. h. das Lehrbuch und die Reihen von Uebungen, die es vorschreibt, zu handhabenwüßte. Wir stellen dem bloß gegenüber, daß principiell 1) keine Methode als einein obigem Sinn unfehlbare anzuerkennen, daß 2) jeder Erfolg als eine Gabe Gottesdankbar hinzunehmen ist nach 1 Kor. 3,6; und daß 3) was der menschliche Er-zieher dazu thun muß, um seinerseits keine Verantwortung zu haben, jene Einheitvon treuer Liebe und Einsicht ist, die wir Weisheit nennen; diese macht den Erzieherzu dem, was er sein soll, zu einem Werkzeuge, durch welches der Herr selbst wirkt.

Das ganze Erziehungswerk damit zu beginnen, daß man bekennt, wir könnenkeine Bürgschaft leisten (mit unsrer Macht ist nichts gethan!), aber auch, daß man ^

alle Kraft des Geistes und Willens aufbietet, um an der edlen Pflanze nichts zu j

versäumen, daß sie seiner Zeit reiche Früchte bringe, um vielmehr im Namen und in jder Kraft Christi zu wirken, so lange es Tag ist, das ist auch ein Princip, dessen Idominirende Bedeutung im ganzen System wie in der Praxis auch bei solchen zu er- tkennen ist, die nicht daran denken, auch in diesem Puncte ein Princip ausdrücklichaufzustellen.

Erziehungstalent, Takt. Vor allem anderen darf hier, als durch den Sprach-gebrauch festgestellt, angenommen werden, daß, sobald beide einem Menschen zuge-geschrieben werden, Talent jederzeit eine natürliche Anlage, Takt dagegen eine,zwar auf natürlicher Anlage beruhende, aber zugleich durch Uebung erworbeneFertigkeit bezeichnet.

Talent nämlich, das geistige Pfund, womit der Mensch wuchern soll,*) bezeichnetdie besonders kräftige geistige Anlage für ein oder auch für mehrere Gebiete menschlicher

*) Matth. 28,1430. Unser Begriff von Talent, als der geistigen Anlage, geht offenbarvon diesem biblischen Gebrauche aus.