Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Elementarschule.

Empfindlichkeit.

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namentlich in den größern Städten dieser Zcitpunct schon ein halb Jahr früher, aufdem Lande dagegen durchschnittlich ein halb Jahr später eintrete.

Nicht selten ist die Behauptung zu Horen, daß mit dem eigentlichen Unterrichtenicht sofort beim Eintritt des Kindes in die Schule begonnen werden dürfe, sonderneine Art von Vorbereitung vorhergehcn müße, durch welche die Kinder zum leben-digen Anschauen, Denken, Aufmerken, Behalten und zu correctcr Ausdrucksweiseim Aussprechcn ihrer Gedanken angeleitet würden. Wenn man diese Vorbereitungauf einige Stunden, höchstens einen oder zwei Schultage ausdehnt, in denender Lehrer sich mit den Neueingetretencn gewißermaßen in ein Vernehmen setzt, sieauf liebreiche Weise in die Schulordnung cinführt und sich selbst über den Standihrer geistigen Reife und etwaiger von Hause mitgebrachter Kenntnisse zu orientircnsucht, so versteht sich diese Forderung von selbst; wenn man aber für diese Vor-übungen eine Zeit von mehreren Monaten oder gar von einem ganzen Jahre inAnspruch nimmt, so wäre das nichts als eine höchst verderbliche Tändelei, die denKindern das Nöthigste vorcnthält und die Schule in den Augen des Volks nurherabzusetzen geeignet ist. Das Kind muß bei der Aufnahme in die Schule dierechte Reife, den Grad der Stetigkeit und der geistigen Gewecktheit erlangt haben,der zum Untcrrichre befähigt; so lange dies nicht der Fall ist, soll es in die Schulenicht ausgenommen werden, sondern im Hause bleiben. Denn die ersten Keime allesDenkens, Wissens und Glaubens muß die Frühlingssonne der elterlichen Liebewecken und Pestalozzi hat eben darum von den Müttern so Vieles und Großeserwartet.

Wir kämen nun an den praktischen Theil unserer Aufgabe, die Einrichtungder Elementarschule. Allein zugleich können und dürfen wir die Aufgabe, die unsfür unsere Arbeit gestellt war, als beendigt ansehen. Denn nicht nur, daß wir, wasdie einzelnen Lehrgegenstände und deren Methode betrifft, den späteren Artikeln nichtvergreifen dürfen; auch das allgemeine Gebiet, die äußere Ordnung (Zeit und Zahlder Stunden), die Lehrpensen und Lehrziele, ist großentheils ein so sehr von den localenVerhältnissen und ihrer Mannigfaltigkeit bedingtes, daß etwas bestimmtes zu geben fastzur Unmöglichkeit wird. Jsts doch auch bis jetzt noch keiner Landesobcrschulbehördegelungen, ein bis ins Einzelnste gehendes Landesgesetz über den betreffenden Gegen-stand aufzustellcn, sondern das Aeußerstc war immer nur die Herstellung „einer allge-meinen Ordnung in der Mannigfaltigkeit der Localordnung/ wie selbst der 1870 fürWürttemberg festgesetzte „Normallehrplan" nichts weiter als dies sein will und seinkann. Wo die vorgcschriebenc Ordnung irgendwo zu einem todtcn Mechanismuserstarrte, der die freie Bewegung hemmt, die Lebensadern unterbindet und am Endenichts als bloße äußere Uniformität zu Stande bringt (wie z. B. in Frankreich seinerZeit ein Minister, die Uhr aus der Tasche ziehend, seinem Gaste stolz erklärte: „indiesem Augenblick wird in allen Lyceen Frankreichs dieselbe Seite desselben Autorsübersetzt!"), da wäre auch die Cultur eines Volkes am Ende ihres Wegs angelangtund müßte zur Mumie werden. — Wir brechen daher ab und verweisen auf E. Th.Goltzsch'S verdienstvolle und überaus lehrreiche Schrift „Einrichtungs- und Lehrplanfür Dorfschulen," auf Palmer's Pädagogik, sowie vor allem auf die Artikel unseresWerks über die einzelnen Pensa, namentlich „Lections- und Lehrplan."

Emancipationsstreit, s. Schule, Verhältnis zur Kirche.

Empfindlichkeit — ist die leichte Empfänglichkeit für unangenehme Eindrücke.Sie kommt entweder allein von physischen Ursachen her oder sie entsteht durch mora-lische, oder unter dem Hinzutritt dieser zu jene». Im ersteren Fall ist sie entwedereine locale: das kranke Glied, die frisch geheilte Wunde empfindet schmerzhaft eineBerührung, die Haut eines Genesenden den Luftzug; oder sie ist eine allgemeine beischwächlichem, reizbarem Organismus, was bei den einen angeboren sein, bei andernzuweilen, namentlich in den Perioden der Entwicklung, vorübergehend eiutreten kann.In den beiden andern Fällen, da Moralisches zu Grund liegt oder mitspielt, zeigt sichdas empfindliche Wesen entweder mehr an der Oberfläche des Lebens als sinnlicheWeichlichkeit, oder mehr in der Mitte, ini Gcmüth — Empfindlichkeit im cngern Sinn,welche selbst neben sinnlicher Stärke und Abhärtung vorhanden sein kann.