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Eigensinn.
Eigenthumstrieb.
ein entscheidender Sieg gewonnen. Aber es giebt, besonders bei älteren Kindern, auchschlimme Fälle, in denen Gewalt aus übel ärger macht und dem verstockten Trotzauf directem Wege nicht beizukommen ist; da hilft nur Geduld, Liebe und Gebet. —Außer der mit Absicht handelnden Erziehung liegt übrigens in der unabsichtlichenErziehung, welche der Umgang mit Erwachsenen und besonders der abschleifende Ver-kehr mit Kameraden übt, ein überaus schätzenswcrthes und kräftig wirkendes Correctiv;ihm wohnt mitunter eine solche Heilkraft inne, daß oft der Anschein entstehen kann,als sei das eigensinnige Wollen ganz ohne Beihülfe des Erziehers wie von selbst einanderes geworden. Vgl. hierüber besonders Waitz, Pädagogik S. 165. 219.
Eigenthumstrieb. Das Thier hat kein Eigenthum, weil es keine Vernunfthat, welche als selbstbewußtes Subject den Dingen als Objecten sich gegenüberstellt,um sie zu beherrschen und zu Mitteln der eigenen Thätigkeit zu machen. Eigenthumist nur da, wo ein Verhältnis von Person und Sache Statt findet der Art, daßdurch letztere (die Sache) der Lebens- und Wirkungskreis der ersteren (der Person)gestützt, gehoben und erweitert wirb. Jeder Mensch, der als persönliches Wesen sichgeltend machen, eine freie Selbstthätigkeit erringen will, muß auch nach Eigcnthumstreben; der Eigenthumstrieb ist daher tief in der menschlichen Natur begründet undnur eine von den verschiedenen Formen, wodurch diese sich als eine vernunftbegabte,zu persönlicher Würde berufene, documentirt. Schon das unmündige Kind, sobaldes seine Stimme, seine Hände und Füße als sein Eigenthum erkannt hat, gebrauchtselbige nicht nur als Mittel, um seine Lebenslust zu äußern, sondern auch um seinenWillen durchzusetzen und zu commandiren. Mit dem Eigcnthum wird zugleich einBewußtsein des Rechtes gegeben, nach freiem Belieben mit diesem Eigenthum schallenund walten zu können, und dieses Rechtsbewußtsein entwickelt sich so zeitig, daß schonganz kleine Kinder aufs tiefste gekränkt werden können, wenn man ihnen das, wassie eben erhalten haben und als ihr Eigenthum betrachten, wieder entreißen will.Aber der Egoismus in der menschlichen Natur regt sich nicht minder frühzeitig in demKinde und unterdrückt das Rechtsgefühl, so daß derselbe Knabe, der mit Hand undFuß sich wehrt und zornig drcinschlägt, wenn ein anderes Kind sein Spielzeug nehmenmöchte, keinen Anstand nimmt, die Sachen seiner Geschwister oder Gespielen sichanzueignen, wenn's ihm möglich ist. Das ist nun eben die Aufgabe einer guten Er-ziehung, den Eigenthumstrieb so zu leiten, daß mit ihm auch dasRechtsbewußtsein stetig sich entwickelt. Dazu gehört vor allem die Achtungvor dem Eigenthum des Kindes selber. Boz hat in einem seiner Romane mit schnei-dender Schärfe die Verkehrtheit jener Mutter gezeichnet, die heute ihren KindernGeld in die Sparbüchse giebt, um es morgen für Missionen und andere frommeZwecke wieder herauszunehmen. Das Kind empört sich in solchem Falle ebenso überdie Ungerechtigkeit wie über den Zwang; es würde, wenn es warnimmt, welcheFreude einer armen Familie mit ein paar Geldstücken bereitet wird, freiwillig einAlmosen spenden, aber zur Wohlrhätigkeit gezwungen verhärtet sich sein Herz denedleren Gefühlen der Liebe und des Wohlwollens. „Aber/ sagt Palmer, „was hatdenn das Kind für Rechte? Das ist's eben, was manche Eltern gar nicht einsehen;weil sie des Kindes kleines Eigenthum, sein kleines Recht selber in ihrer Erhabenheitund Bequemlichkeit nicht achten, so muß das Kind am Ende sich in einer Art vonKriegszustand glauben, wo Raub und Gewalt gilt. Znverläßig rühren eine Mengevon Lieblosigkeiten unter kleinen Geschwistern daher, daß sie ihre Rechte nirgends ge-schützt sehen, und darum die Gewalt für das einzige Mittel halten, das Ihrige zuwahren. Für ein Kind ist das schon ein wichtiges Recht, diesen Platz, diesen Teller,dieses Besteck bei Tische zu haben; wenn nun die Erziehenden darauf nicht achten unddas als kindische Dummheit mit Scheltworten zurückweisen, was aus dem kind-lichen Rechtsbegriff kommt: so wird zuverläßig nicht liebevollere Nachgiebigkeit, sondernungestümere Gewaltthätigkcit die Folge sein."
Ein zweiter Hauptpunct ist, daß wir das Kind frühzeitig gewöhnen, sein Eigen-thum nicht als Zweck an sich, sondern als Mittel zu menschenwürdiger Thätigkeit zubetrachten. Man überschütte es darum nicht mit Spielzeug, sondern gebe ihm einSolches in die Hand, aus dem es etwas machen, dem es verschiedene Gestalten gebenkann; man gewöbne eS frühreitig, auf wenige Gegenstände seine Neigung zu concen-