Eigenheiten.
Eigensinn.
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B. gegenüber von gewitzen Farben, Tönen, Thicrcn, auck Menschen (vgl. d. Art.Abneigung) — thcils aus einer Familien- oder Stammesdisposition hcrvorgchcn,theils als Reflexe und Ausläufer seiner Eigcnihümlichkcit (vgl. Charakter), obwohlin einem mehr oder weniger zufälligen Zusammenhang mit dieser an den Tag treten.— Bei Kindern treten sie theils vorübergehend ans, wie beim Zahnen und schnellerenWachsthum, oder indem sie Krankheitsperioden vorausverkündigen, begleiten, nach-töncn; die Gährnngen und Stürme im Organismus während "des lle'bcrgangs ausder Kindheit zur Jugend treiben häufig Eigenheiten auf die Oberfläche. Diese allesind aber zu unterscheiden von solchen, die als Erzeugnisse eines habituellen Eigen-sinns und einer grillenhaften Absichtlichkeit erscheinen. Erstem muß mit Schonungund oftmals auf Ilmwegen mittelst einer dem Gemüthslebcn zu machenden Diversioncntgegengcwirkt werden, letztere darf man nicht dulden und hat sie nöthigenfalls mitbeharrlicher Strenge niederzukämpfcn; denn eher vergeudet sich in ihnen das indivi-duelle Leben als daß es durch sie zur Entfaltung gelangte. Zuweilen treten an sichgute Eigenschaften in Gestalt von Eigenheiten auf; es gicbt z. B. pedantisch-lern-eifrige, übertrieben auf Reinlichkeit und Ordnung haltende Kinder. Hier darf mannicht mit herben Mitteln noch mit Spott kommen, um nicht das Kind selbst zu ver-letzen, indem man nach seinen Mücken schlägt. — Jrrthum ist cs, hinter EigenheitenGenialität zu wittern; man verzeiht sie vielleicht dem Genie, aber sie constitnircn esnicht, und vollends Eigenheiten nachmachen ist kindisch. — Tie Erfahrung zeigt, daßeiner seinen Mitmenschen durch Eigenheiten oft selbst noch widerlicher wird als durckwirkliche Untugenden, daher eine weiche Erziehung in dieser Hinsicht oft eine herbeLebensschule zur Vervollständigung der Bildung nach sich zieht. Andrerseits — gegen-über von kleinen Marotten unsres Nächsten möchte sich Stcrne's Rath empfehlen:„Laß doch einen jeden aus seinem Steckenpferde die Straßen der Stadt auf und niederreiten: wenn er dich nur nicht nothigt hinten aufzusitzcn." Aber cs giebt andere, dadiese Regel menschenfreundlicher Klugheit nicht zureicht, sondern welche uns jeneSelbstüberwindung, d. h. Ucberwindung unsrer eigensten Eigenheit auferlcgcn, von derder Apostel Rom. 15 spricht: „Wir, die wir stark sind, sollen der Schwachen Ge-brechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben."
Eigenliebe, s. Selbstgefühl.
Eigensinn. Ter Eigensinn oder Eigenwille ist zunächst dem Kindesaltcr eigen,nimmt aber leicht einen chronischen Charakter an und pflanzt sich in die späterenJahre fort, wofern er nicht schon bei seinem Auftreten in den ersten Kindcrjahrengründlich geheilt wird. Er besteht in einem Wollen, welches unvernünftige Ge-danken, denen unaushcbbare Gegensätze cntgegcnstehcn, gleichwohl mit Hartnäckigkeitsesthält und zugleich mit einem starken Widerspruchsgeiste verbunden ist, wenn es auseinen entgegengesetzten Willen stößt. So ist der Eigensinn nicht nur positiv einBegehren nach einem Gegenstand, das den Besitz des letzteren erzwingen will — undfalls der entgegcnstehcnde Wille der Eltern u. s. w. schwach genug ist, Verwöhnungund Vcrzogeuhcit zur Folge hat; sondern auch negativ ein Widerstreben gegen dasGebot und Verbot der Erzieher, wobei das Kind weiß, daß es Unrecht thut und csdennoch thut; es setzt also seinen eigenen selbstischen Willen dem höheren Willen, demcs sich untcrordncn sollte, entgegen — eine Erscheinung, die sich ohne die Annahmeeines angcborncn Hangs zur Selbstsucht (vgl. die Art. „Erbsünde" und „das Böse")nicht erklären läßt und die Lehre von der Erbsünde als Erfahrungsthatsache bestätigt.Tiefe Art des Eigensinns ist es, welche die ernsteste Sorge des Erziehers in Anspruchnimmt, weil sie nicht in jedem Fall unmittelbar durch die Festigkeit eines höherenWillens sich brechen läßt, sondern oft nur dadurch, daß überhaupt das Gute imHerzen des Kindes den Sieg über das Böse gewinnt. Sie führt auch zu den fastdämonischen Erscheinungen, bei deren Beobachtung den Erzieher ein Grauen ankcmmt.Bei den geringeren Graden ist es immerhin am Platze, den trotzigen Willen zubeugen, die Vollziehung des Befehls mit Gewalt zu erzwingen, auch den wider-spenstigen Zögling zu strafen, und bei den meisten Kindern kommt — etwa um dasdritte Jahr oder noch früher — eine Periode des Eigensinns, die zu einer Krisisführt: wenn da der Erzieher mit Ruhe und Festigkeit verfährt und daS Kind nöthigcn-salls mit strenger Züchtigung zum Gehorsam zwingt, so ist der Trotz gebrochen und