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1 (1877) A - Liebe
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Ehrlichkeit.

Eigenheiten.

Indessen zur Rechtschaffenheit im Reden wozu man auch die in den Gebendenliegende Sprache rechnen darf (Sprüchw. 16, 30) muß das Wesentlichste aufandrem Wege kommen. Lugen ist Sünde an sich nnd eine Konsequenz der Sünde,denn diese webt sich aus jener die Schleier zu ihrer Verhüllung. Daher ist derKampf gegen das Lügen nur dann erfolgreich, wenn zugleich mit größtem Nachdruckder Sünde selbst entgegen nnd auf Reinigung des Herzens und Lebens hingearbcitetwird. Es gicbt keine Ehrlichkeit des Mundes ohne ein ehrliches Herz und ohne einehrliches Thun.

Die Rechtschaffenheit des Thuns, die man unter Ehrlichkeit versteht, findet imgeselligen Leben einen weiten Spielraum: allgemeine Aufrichtigkeit des Handelns, freivon Ränken und Hinterlist, Zuverläßigkeit und Worthalten, Bewahrung anvertrauterGeheimnisse, Treue gegen Freunde, Fcrncbleiben von zweideutigen Planen und ver-dächtigen Unternehmungen, von geheimen Verbindungen, kurz alles, was hilft, daßman jedermann ins Angesicht sehen und von jedermann sich in sein Leben hineinschcnlassen kann; dennehrlich währt am längsten." Im kindlichen Alter ist aber nament-lich für die Scheue vor fremdem Eigcnthum und dafür Sorge zu tragen, daß dasStehlen in allen seinen Schattirungen bekämpft Werde. Mit dem Anfang des IchSagcns entwickelt sich im Kind auch der Unterschied von Mein und Dein, und mußmit aller Aufmerksamkeit darob gehalten werden, daß es denselben respectire (vgl.den Art. Eigenthumstrieb). Gerade an dem Eigenthum derer, die ihm die Nächstensind und ihm am liebsten mittheilcn, Eltern, Geschwister, Hausgenossen mußder Respcct geübt werden. Es darf sich nichts selber und nichts heimlich nehmen.Ein festes Gebot, beharrlich durchgeführt, hat den Eigcnihnmsbcgriff zu fixiren, dieScheue ins Bewußtsein zu pflanzen. Auch hier aber ist des Erziehers eigene Ehr-lichkeit der unentbehrliche Leitstern für den Zögling. Nicht bloß daß kein Aergernismit grobem Betrug gegeben wird: auch das heimliche Zustccken hinter dem Vater,wozu oft Mütter sich versuchen lasten, das Betreten fremder Gärten, um Blumen zupflücken, Dbst zu naschen, womit Kindsmägde Freude bereiten wollen und sich ver-sündigen, u. dgl. nährt den unredlichen Trieb in den Kindern, der nur allzustark inder Natur liegt. Auch das Verheimlichen der Geschenke von Fremden soll mannicht dulden; Gefundenes, auch das Geringfügige, den Eltern übergeben, muß strengeRegel sein. Mit dem Hcranwachsen kommt das natürliche Verlangen nach freiererVerfügung über ein kleines Eigenthum Taschengeld re., welchem ohne Noth nichtsollte entgegcngctretcn werden, doch so, daß weder Geiz noch Wohlleben befördertWerde, welche beide vom Pfade der Ehrlichkeit absührcn. Namentlich aber ist daraufzu sehen, daß nicht schon in den frühen Jahren der Tauschhandel (Mauscheln, Fug-gern) unter Kindern getrieben werde, weil da so gerne Uebervortheilung mit unter-läuft und wegen der Geringfügigkeit des Dbjccts das Betrügerische am Handel fürunwichtig angesehen wird. Solche Händel mäßen streng verboten und ohne Schonungrückgängig gemacht werden.

Tie Rechtschaffenheit des Thuns in Absicht auf Mein und Tein ist aber ebensoals die des Redens vom Erzieher vollkommen allein dadurch zu erzielen, daß nebendem speciell hierauf gerichteten Hüten und Wirken ein Höheres ins Auge gefaßtwerde geistiges Besihthum nämlich und das Sammeln der Schätze im Himmel.Wem das Zeitliche im Mittelpunct und als Zielpunct vor dem Sinn steht, dem wirdumsonst Rechtschaffenheit gepredigt, oder im besten Fall bringt er's zu einer steifenGesetzlichkeit, woraus er noch sich ein Besonderes einbilden wird.

Ist aber die Ehrlichkeit in der That nur als ein mit dem Leben in der Wahrheitwie mit dem Streben nach den Gütern, die droben sind, verbundenes rechtschaffenesWesen zu erkennen, so leuchtet auch ein, wie menschliche Erziehung von außen alleinsie nicht zu schaffen vermag, und daß auch hiezu noch eine verborgene Erziehung noth-wendig ist, der sich jeder für sich zu stellen hat, so wie dort Nathanael, da er unterdem Feigenbaum stund, und davon ihm das Zeugnis ist zu Theil geworden: siehe,ein Lchter Jsraelite, in welchem kein Falsch ist.

Ehrtrieb, s. Ehrgefühl.

Eigenheiten sind Besonderheiten im Empfinden und Benehmen eines Indivi-duums, welche theils unmittelbar aus einer Naturbeschaffenhcit Idiosynkrasien