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Dummheit.
richtiger Diagnose viel Geduld und Beharrlichkeit erfordert wird. Fürs erste ist zuunterscheiden, ob einer allgemein oder nur in gewißcn Fächern, ob im Leben undThun oder nur im Lernen dumm (vernagelt) ist. Allgemeine D. wird in der Regeleinen merkbaren Zusammenhang mit physischen Ursachen haben, seis mit angeborenenund bleibenden (Hirnarmut) seis mit in der körperlichen Entwicklung begründetenund vorübergehenden, und ist hier mit Gewalt nichts zu erzwingen, in letzterem Fallauch keineswegs zu verzweifeln, sondern mit Geduld die Urtheilskraft zu üben undderselben möglichst beizukommen auch auf Nebenwegen — sinnliches Interesse, Bilderu. dgl. Denn auch schwache Gaben können gesteigert werden, gleichwie einem un-günstigen Boden doch noch ein Pflanzenwuchs abzugewinnen ist, wobei sich der HumuSmit vermehrt. Partielle D. scheint zuweilen fast ein nothwendiges Seitenstück zuaußerordentlicher partieller Befähigung zu sein, wie bei Mathematikern gefunden wird,daß es ihnen an der Urtheilskraft für -Geschäfte fehlt; allein gewöhnlich schlummerthier nur die Urtheilskraft aus Mangel an Interesse, als welches ganz von den Zahlen(„Rechensimpel") oder bei Gelehrten von Büchern, absorbirt wird und also jenenicht in Bewegung setzt. Zuweilen ist jene partielle D. nur ein Nochnichtaufge-schlossensein der Fassungskraft für ein bestimmtes Fach, wie z. B. die Fähigkeit zurGeometrie lange schlummern kann, während die für Sprache rc. schon weit gebildetist. Ist jedoch ein Schüler im Leben und Thun gewandt, im Lernen stumpf, so mußin der Regel auf Trägheit geschlossen werden, denn jenes beweist, daß Urtheilskraftvorhanden, jedoch nur von einem unmittelbaren Interesse in Bewegung gesetzt ist.Indessen spricht sich in der D. oftmals auch nicht sowohl Mangel an Willen alsan Muth aus, sei es von Natur oder in Folge einer einschüchternden, liebeleeren Er-ziehung (vgl. Bor mann, Untcrrichtskunde S. 4); der Schüler ist zu schüchternzum Denken und Urtheilen, kommt nicht nach, und in dieser Hinsicht versündigen sichungeduldige Lehrer iudirect durch rasches Voranmachcn mit den Fähigsten an denMittleren und Wenigfähigcn, direct aber durch rauhe und noch mehr durch verächt-liche Behandlung, und geschieht wohl nicht selten, daß sie durch „Dummkopf"-scheltenDummköpfe bilden, und den „Esel" in die Schüler hineinschreien, welchen sie Heraus-klopfen wollen. Viele Marodeurs sind immer ein Zeichen von schlechter Hecrführung.Weckung des Interesses und Ermuthigung sind, neben der Uebung und neben derBekämpfung des trägen Willens durch Strafen die auf Heilung der mangelhaftenUrtheilskraft gerichteten Mittel. Und man soll es hierin nicht zu leicht nehmen nochsich etwa damit trösten, daß ja das Kind sonst brav sei; denn im späteren Lebenwenigstens geht D. nicht ungerne mit Bosheit zusammen, die als Zorn und Racheder Gcistigschwachen gegen die Ueberlegenen eine Art von Nothwehr üben will.
Es giebt jedoch auch eine Dummheit, welche nicht aus Schwäche und Mangel,sondern eher aus geistigem Ueberfluß entsteht. Nicht jeder hernach berühmt gewordeneMann war ein Wunderkind; man weiß von mehreren, die als Knaben nichts ver-sprachen, und für stumpf und müßig oder für träumerisch in den Schulbänken saßen,unter den Kameraden liefen. Da ist, als sammelte sich der Geist im L-tillen, eheer vor der Welt sich zeigen soll; die Fülle des in Keimform Vorhandenen läßt esnicht alsbald zu einer Ordnung und Klarheit kommen, und wenn Verstand und Ur-theilskraft die Münzmeister sind, welche das Metall zum Weltverkehr ausprägen, soist der Genius ein Bergmann, der erst ungesehen tief unter dem Boden das mitErde und schlechtem Gestein vermischte Gold ergräbt. Man hat leichter gescheidt sein,wenn man oberflächlich ist; in welchem Gründliches wogt, der braucht Zeit zur Ab-klärung und Berichtigung der Gedanken durch den Verstand; es ist wie in einem Haus,da wenig Geräthe mit wenig Mühe, vieles und edles aber' mit vieler geordnet undvertheilt wird. Wie daher aus gescheidten Kindern dumme Menschen werden können,so auch umgekehrt — und oft zu großer Verwunderung der früheren Lehrer ausdummen gescheidte.
Darum niag es auch die Schwaben nicht eben verdrießen, als die Dummen zugelten, die erst im vierzigsten Jahre gescheidt werden. Nennt doch Arndt die Dumm-heit eine „recht schwäbische Tugend," weiß aber so viel Tröstliches und Liebes davonzu sagen, daß uns Schwaben eigentlich schon die Bescheidenheit verbietet, sie alleinfür uns haben zu wollen, sondern müßen den Bruderstämmen auch ihren Theil daran