Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Deutsche Sprache.

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Wirkung in der höchst mannigfach geformten Verarbeitung des sprachlichen Guteszu suchen.

Aber es ist noch ein viel engeres Band, welches die sprachliche Förderung mitden Fortschritten des sachlich belehrenden Unterrichts verknüpft. „Wie ist, o Sohn,dir die Zunge gelöst, die schon dir im Munde lange Jahre gestockt und nur sichdürftig bewegte!" sagt der Löwenwirth zu seinem Sohne, wie die Liebe zu Doro-theen gewaltig über ihn gekommen ist und dem sonst Verschlossenen den Mund ge-öffnet hat. Man nehme das verschlossenste, mundfaulste Kind in der ganzen Schule,dem keine sokratische Mäeutik so leicht ein Wort oder einen Sah entlockt, und bringecs zu seinem Leibessen, oder auf die Straße zu dem eben der Jahreszeit angemessenenLieblingsspiele — wie da die eiugefrornen Worte plötzlich stießen! Wie ist derSchlingel beredt geworden! Es ist nur die im Innern lebendig gewordene Sacke,die die Worte fließen mackt; weder die Furcht, noch der Befehl, noch der Stockschaffen solche Wunder. Man trete nur hin vor die Schaar und mache ihr mitrechter Angelegentlichkeit die Sache klar, anschaulich, lebendig, interessant und lieb, undman traut seinen eignen Ohren nicht, wie heute die Worte fließen, denen man sonstso oft mit der Zange ziehend nachhelfen möchte, wenigstens mit der Fragezange. Wiegewandt beschreiben die Aelteren eine Sache, die sie interessirt; wie fließend erzählenselbst die Kleineren ein lange Geschichte, die ihnen gefiel. Ja, fürwahr, des HerrnWort: „Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über," ist zugleichein methodisches Wort; es ist das eigentliche Hauptmotiv allesSprachunterrichts, denn ganz klar spricht es das Geheimnis der Sprachbildungaus. Niemand in der ganzen Welt redet, als wer etwas rechtes zu sagen hat, —abgerichtete Papageien natürlich ausgenommen; wir alle aber reden um so bester,fließender, eindringlicher, je klarer uns eine Sache vor der Seele steht, je näher sieuns am Herzen liegt. Nur in der Wärme des Inneren kommt das Erz der Sprachein rechten Fluß. Nur wer lebensvolle Anschauungen schafft, der schafft auch sprach-liche Bildung. Alles andere ist vergebliche Arbeit, die niemals wahre Erfolge er-zielt, ja die "oft nicht einmal den trügerischen Schein von Erfolgen zu erregen vermag.Von innen heraus, wo geheimnisvoll verschlossen alles Keimen beginnt, muß auchalle rechte Sprachbildung betrieben werden, sonst bringt sie es höchstens zu Blätternoder zu tauben Blüten, wenn nicht etwa schon das zum Keimen bestimmte Samen-korn verfault.

Nach diesen Betrachtungen und Erörterungen wird es möglich und dienlich sein,vermittelst eines höchst einfachen und von der Natur der Sacke selbst entlehntenSchemas die wesentlichen Tätigkeiten und Zweige des Sprachunterrichts alsUnterlage und Anhalt für die später folgenden methodischen Einzelbetrachtungen über-sichtlich zu machen.

Der deutsche Sprachunterricht der Volksschule hat es, indem er sich auf derGrundlage der den Kindern bereits geläufigen Mundart aufbaut, doch im wesent-lichen allein mit der hochdeutschen Schriftsprache zu thun. Dieser abereignen, wie zur Zeit jeder gebildeten Sprache, zwei verschiedene Erscheinungsformen.Sie geht ihren Weg von Geist zu Geist entweder in der Form der gesprochenenSprache von Mund zu Ohr, oder in der Form der geschriebenen, bezw. ge-druckten Sprache durch die Hand zum Auge. Das Kind der Volksschule sollnun durch den Sprachunterricht derselben dahin gebracht werden, daß es der hoch-deutschen Schriftsprache in ihren beiden Erscheinungsformen so mächtig wird, um die-selbe sowohl aufnehmen als auch selbst Hervorbringen zu können.

Schema.

Aufnehmen.

Hervorbringen.

Mündliche Sprache.

1. Bernehmen.

2. Reden.

Schriftliche Sprache.

3. Lesen.

4. Schreiben.