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Deutsche Sprache.
haben, wie dies immer geschieht, Versuch und Erörterung die einschlagenden Fragenmerklich geklärt. In Zukunft werden gewiß alle Theile besser lhun, sowohl dieRealien, wenn sie sich mit eigenen Lehrgängen selbst einrichten, als der Sprach-unterricht, wenn er sich ans seinem Grund und Boden und mit seinen eigenen Ma-terialien, d. i. hauptsächlich mit den sogenannten literarischen Lesestoffen nebst allenzugehörigen mündlichen und schriftlichen Uebungen selbst anbaut und aufbaut.
Fragen wir nun aber, wodurch sich jene geforderte Vermehrung des Wort-schatzes der Kinder eigentlich vollzieht, so ist eine andere Antwort gar nicht möglich,als die: durch Erweiterung, Anbau und Ausbau ihres Anschauungs-kreises. Denn Wörter sind doch nichts für sich, sind nicht leere Schälle; sondernsie sind Bezeichnungen für Anschauungen und Vorstellungen von Dingen und derenEigenschaften, von Tätigkeiten, von Gedankenverhältnissen u. s. w. Es leuchtetmithin von selbst ein, daß an der Mehrung des Wortschatzes, die ja jedenfalls auchzu den Aufgaben des Sprachunterrichts gehört, aller Unterricht überhaupt mitarbeitet.Wenn man aber diese Thatsacke, wie oft geschieht, auf den landläufigen Satz bezieht:„Aller Unterricht soll Sprachunterricht sein," so ist diese Fassung desGedankens, wenigstens wie sie meist verstanden wird, doch eine sehr oberflächliche,einseitige und unzulängliche. Diese Sentenz nämlich hat in den Augen vieler Lehrerkeinen anderen Sinn, als daß gefordert wird, der Lehrer solle seine eigene und seinerSchulkinder Rede, mündliche und schriftliche, außerhalb der planmäßigen Stundendes Sprachunterrichts mit ganz derselben Sorgfalt beachten und pflegen, wie inner-halb derselben; es solle in allen Stunden gleich laut und lautrichtig gesprochen werden,wie im Sprachunterrichte; Redefehler sollen dort wie hier gerügt und abgestellt wer-den, nur vielleicht dort nicht mit gleich eingehender Begründung; und Fehler gegendie Rechtschreibung sollen auf der Schiefertafel ebenso streng verpönt sein, z. B. ineiner Rechenaufgabe, wie im Aufsatzheste. Alle diese Forderungen sind zweifelsohnerichtig, und wir alle thäten gut, sie uns recht streng vorzuhalten. Handelt es sichaber um einen recht angemessenen Ausdruck des oben beregten Gedankens, so hießees viel richtiger: „Aller Unterricht ist Sprachunterricht" und dies in einemsehr weiten und tiefen Sinne. Denn wo immer wir im Unterrichte, er heiße wie erwolle, sichtbare Dinge zeigen, betrachten und beschreiben, wo wir überhaupt sinnen-fällige Dinge vorführen und von ihnen reden, wo wir von Geschehenem erzählen,Entferntes beschreiben oder schildern, oder wo wir in vermittelnden Gängen zur Bil-dung von Begriffen anleiten und Uebersinnliches durch sinnlich Vorgestelltes anschauenund erfassen lehren, überall geben wir mit neuen Anschauungen und Vorstellungenauch neue Wörter und mehren also im strengsten und eigentlichsten Sinne den Wort-vorrath der Kinder, indem wir daneben gleichzeitig, wir mögen es »vollen oder nicht,Altes und Neues, „Heuriges und Ferniges" in immer neuen Verbindungen mischen,älteres Besitzthum mit neu Erworbenem mannigfach verknüpfen und in immer ver-änderten Formen anwenden und üben. Es sollte gar nicht möglich sein, und strenggenommen ist es auch nicht möglich, den Kindern neue Wörter und Rcdeformen zu-zuführen, ohne neue Vorstellungen und Gedanken zu erregen. Nur beim Abrichtenvon Staaren »ind Papageien kann dies von rechtswegen Vorkommen. Denn so engeist das Band zwischen Wort und Vorstellung, so groß ist das Bedürfnis selbst desKindes, sich, wo es Worte hört, auch etwas vorzustellen, daß es, wo »vir es imStiche lassen, mit den unverstandenen Wörtern auf eigene Faust kindliche Vorstellungen— und oft welche Ungeheuerlichkeiten — verknüpft. Man kann mit Fug behaupten,daß für die Vennehrung des Wortschatzes, diese in etwas äußerlichen» Sinne gefaßt,anderer Unterricht, zunial der sich mit Realien und mit recht äußerlichen Realitätenbefaßt, jedenfalls aber der übrige Unterricht zusammen inehr Ertrag abwirft, als derSprachunterricht für sich allein davon zu beschaffen im Stande ist. Er wirkt hierbesonders durch die Lesestoffe, die zwar einerseits nicht darauf ausgehen sollen, denrein lexikalischen Bestand an Wörtern durch eine Menge von Bezeichnungen äußer-licher Dinge zu inehren, die aber andererseits durch ihre mehr sinnige, gemüthvolle undsittliche Haltung den voin Realunterricht gelieferten Beständen die höchst wünschens-werthe Ergänzung zuführen. Und außerdem hat der Sprachunterricht seine besondere