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1 (1877) A - Liebe
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Deutsche Sprache.

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Curialanrede des Schulvorstehers mit einem ebenso lakonischen als echt berlinischenNee" antworten hörte. Jemandem zu sagen, man höre ihm keinen Dialekt an, istmchrentheils entweder Mangel an Kenntnis oder Schmeichelei, oder cs kommt nurdaher, daß beide Redende Landsleute sind. Und selbst im deutschen Reichstage oderin einer Versammlung von Koryphäen der deutschen Wissenschaft sagt der Kundigeneun Zehnteln der Redner schon nach dem dritten Satze mit Sicherheit auf den Kopfzu, was für Landsleute sie sind, und zwar um so gewißer, je weiter nach Süd-dcutschland hin sie heimisch sind. Denn eben weil das Schriftdeutsch! den mittel-und oberdeutschen Mundarten näher steht, wird cs meist von den Mittel- und Ober-deutschen viel weniger rein und gut gesprochen, als von denen, die von Kindesbeinenan Plattdeutsch reden und die darum das Hochdeutsche halb und halb wie eine fremdeSprache sich aneignen mäßen.

Diese Frage um die Mundarten ist von den Sprachlehrern bis zur Zeit immernoch nicht hinreichend erwogen und gewürdigt; und doch ist sie unzweifelhaft eine derallerwichtigsten, wenn es sich um Feststellung der Ausgangspuncte, der Aufgaben undZiele des Sprachunterrichts handelt. Denn erst auf der Grundlage einer richtigenWürdigung und Beurtheilung der Volksmundarten und ihres Verhältnisses zur hoch-deutschen Schriftsprache ist es möglich, die allereinfachsten, wichtigsten und geradezugrundlegenden Fragen der Methodik des Sprachunterrichts einigermaßen richtig zubeleuchten und zu beantworten, Fragen wie diese: Welches Maß von Sprachbildungbringen denn eigentlich die eintretenden Kinder zur Schule mit? In welchen Rich-tungen hat sich der Sprachunterricht zu bewegen? Welches sind seine wichtigsten undwesentlichen Zweige? Und welche Ziele muß je nach Maßgabe der gesammten Ver-hältnisse einer bestimmten Schule und der sie besuchenden Kinder ein gut geleiteterSprachunterricht am Ende der Schulzeit erreicht haben?

Wir beginnen mit der Frage: Welchen Bestand an sprachlicher Bil-dung und Fertigkeit bringen uns unsere sechsjährigen Neulingedurchschnittlich mit zur Schule? So einfach und so fundamental diese Frageist, so wenig scheint sie in der methodischen Literatur des Faches bis jetzt eingehendund genügend beantwortet zu sein. Sie sei hiermit tüchtigen und erfahrenen Praktikernim elementaren Sprachunterricht, namentlich solchen Lehrern, die der Unterstufe be-sondere Vorliebe und längere Zeit gewidmet haben, wie sprachlich gründlicher ge-bildeten Pädagogen überhaupt zu eingehendem Studium und zu gesonderter Bearbei-tung dringend empfohlen und ans Herz gelegt. Für diese Stelle müßcn einige Grund-linien einer Antwort genügen. Zunächst nämlich ist zu bemerken (und dies ist einerderjenigen Gründe, die die Beantwortung der Frage am meisten erschweren), daß derBefund dieser Untersuchung ein ganz ungemein verschiedener ist nach dem Alter, derAnlage, dem Temperamente und der Herkunft der Kinder, sei es vom Lande oderaus der Stadt, sei es aus höheren oder niederem Ständen, sei es aus sorgfältigerMuttererziehung, aus gewissenloser Wärterinnenpflege oder aus gänzlicher Verwahr-losung oder Mangel aller bildenden Einflüsse. Denn selbstverständlich ist zwischender Redefcrtigkeit von Kindern aus dem vornehmen Kaufmannsstande oder aus demGeheimerathsviertel oder aus noch höheren Kreisen, die in die vornehmen Privat-schulcn von Hamburg oder Berlin eintretcn, und zwischen derjenigen von Kindernaus der hinterpommerschcn Taglöhnercolonic, aus Hauländern im GroßherzogthumPosen oder aus Fabrikarbeiterfamilien, aus der einsamen Gebirgshütte oder der Moor-anstedclung, wie sie in die einclasfige Dorfschule cintreten, ein geradezu himmelweiterUnterschied. Von jenen sind manche in ihrer Redefcrtigkeit so beschaffen, daß sieselbst den ruhigen Lehrer überschwatzen könnten, und daß sie nur des Zügels be-dürfen, während man bei manchen von diesen Stunden, ja Tage lang auf das ersteWort wartet und fast um dasselbe bittet. Schnell unterscheidet man hier diejenigenKinder, mit denen die Mutter oder ein älteres Geschwister sich länger und sorg-fältiger beschäftigt hat, von den unglücklichen Wesen, deren Eltern den ganzen Tagdem Erwerbe nachgehen und ihre Kinder in der dumpfen Stube eingeschlossen haltenoder auf der Dorfstraße sich selbst und der Stumpfheit oder Roheit überlassen mußten.Aber wenn man nicht selten behaupten hört, die meisten oder doch viele der zurSchule eintrctenden Kinder vom Lande vermöchten überhaupt noch gar nicht in voll-