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Denkübungen.
Tenunciationssystcm.
tragung in gedankenmäßige Fornr Darstellung in Gestalt von Sprach-, Schreib-und Stilübung.
Das ist elementare Uebung im Denken. Die weitere Gliederung des Unter-richts in die beiden Richtungen für den praktischen Gebrauch würde nun entwedervom Inhalte her entlehnt werden können, welcher den Gegenstand abgiebt für dasDenken, oder von der Form, in welcher sich das Denken nicht bloß vollzieht, sondernauch in vollkommener Durchsichtigkeit darstellt. Wie wichtig übrigens nun auch derInhalt immer an solcher Uebung bleibt: so würde doch das, was vorzugsweiseDenkübung sein soll, wieder bloßer Sachunterricht in aller Einseitigkeit werden,wenn der Inhalt zum regulirenden Gesichtspunkte der Uebungen gemacht würde. DerDenkübungsunterricht im elementaren Wege, welcber weiß , was er soll, wird nichtmrückschrecken, die For m des Gedankens oder der Gedankenverbindung zum ordnendenPrincip in den Uebungen zu machen. Er hat die Anordnung seiner schulmäßigenStufenfolge aus der gesetzmäßigen Genesis der Gedankenformen zu findeu und zutreffen. Das ist alles. Wie dem Gedanken immer die Verbindung zweier Vor-stellungen zu Grunde liegt, ebenso besteht ja auch der sprachliche Ausdruck des Ge-dankens, der Satz, aus einer Verbindung von Subject und Prädicat, und wie die imGedanken enthaltenen einfachen Vorstellungen auf die mannigfachste Weise entwickeltund näher bestimmt werden und die Gedanken unter einander die verschiedensten Com-binationen eingehen, so werden Subject und Prädicat durch Attribute, Objecte, Ad-verbien und diesen entsprechende Nebensätze ergänzt und ausgebaut und dann die Sätzeden Gedankenverhältnissen gemäß mit einander verbunden. Der Schüler dringt nunvon der Sprache geleitet in die Gedanken ein und lernt ihren Inhalt in demselbenVerhältnis bestimmter und deutlicher erkennen, wie sich ihm das Verständnis dersprachlichen Formen und ihrer Gesetzmäßigkeit vollständiger erschließt. Wir muthenin allen Stunden mit Recht unfern Scbülern zu, daß sie sich in unsere Gedankenund in unsere Sprache finden und daß sie selbst antwortend oder fragend bei ihreneigenen Worten mit voller Bewußtheit seien — und oft genug sehen wir, wie siedas Wollen wohl haben, aber nicht das Können finden. Also erschrecke doch niemand,wenn die Forderung gestellt wird, daß die Schüler unterrichtsmäßig geübtwerden sollen in diesem Aufmcrksamsein, das sie auf nichts anderes im Leben mehrzu richten haben, als auf sich selbst bei ihrem Thun und auf das, was von außenan sie kommt als ein Gedanke in Gestalt des Wortes. Oder meint man etwa, dieseTüchtigkeit im Denken fände sich von selbst? — Solche Zusammengenommcnheit undGewandtheit, wie wir sie in Schule und Leben weiter brauchen, findet sich nicht vonselbst, oder zu selten und zu spät. Es giebt auch unter den Erwachsenen noch gegen-wärtig viele Ohren, die nicht hören können; viele Kirchgänger, welche nicht wissen,was ihnen ist gesagt worden, darum, daß sie nicht in rechten Zeiten gewiesen wordensind, auf ihre eignen Gedanken Acht zu haben. Es hat sich bei diesen nichts gefundenvon selbst.
Die Schulen haben sich nicht dem Zufälle Preis zu geben, sie haben sich selberdie Nnterrichtsfähigkeit an ihren Schülern zu schaffen und zu besorgen. Den Wegdazu finden sie ganz sicher in den Formen der Sprache vorgczeichnet, die nach ihrerfortschreitenden Ausbildung von den einfachsten bis zu den zusammengesetzten darinenthalten sind. Solcher Unterricht geht dann nicht auf „Entfesselung der Sprach-kraft" aus, sondern auf Bändigung, Zügelung, Beherrschung des Naturwüchsigen anihr durck den aus dem erwachenden Sprachgefühl und dem allmählich erkanntenGesetz des Sprachgenius sich ergebenden Takt. Das Maulbrauchenlehren muß voll-ständig dabei aufhörcn; denn es ist darauf abgesehen, daß ein jeder lerne seine Zungeschweigen und langsam werden im Reden. Ein jeglicher soll zur Scknldwache vorseinen eigenen Mund bestellt werden, so daß weder ein Zeus noch ein Schulmeistermehr zu sagen nöthig habe: Lieb Kind, welch Wort entfloh dem Zaun deiner Zähne!
Es geht aus allem bisher Gesagten hervor, daß wir, eben weil aller und jederUnterricht Uebung im Denken sein soll, die „Denkübungen" als gesondertes Fach ausder Elementarschule streichen, dagegen auf ihre Berücksichtigung beim Sprachunterrichtum so mehr dringen.
Tenuncialionssystem, s. Angeberei.