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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Denkübunge».

Während durck Pestalozzi der Unterricht an der Zahl und Form nun zu einerentschiedenen Durchbildung gelangte und sich als Denkübung nach Stoff und Behand-lung erwies, mußte seinen entschiedenen Nachfolgern für die sogenannten unmittel-baren Denkübungen, d. h. für diejenigen, welche nicht mit einem bestimmten Unter- ^ '

richtsfach in Eins zusammenfielen, als Aufgabe nur verbleiben: entweder durch sie i

die allgemeine Einleitung zu schaffen in die Unterrichtsfächer der Elementarschule ,

überhaupt; oder aber sic niit dem Sprachunterrichte zu verbinden und in diesem !

die berechtigte Stellung und Bedeutung für sie aufzusnchen, die sie bis dahin nicht ;

hatten finden können. !

Das erstere versuchte Graßmann in seinem vielbelobten BucheAnleitung zu Denk- !und Sprechübungen", Berlin 1825; noch entschiedener Graser, welcher in seiner Elemen- ^ starschule fürs Leben den Denkübungen die Aufgabe stellte, den Schüler in den weiteren ! !

und höchsten Beziehungen des Lebens sattsam nicht bloß nach und nach zu oricntircn, ,

sondern für sie auszurüstcn. Diesterweg wollte sie für die Kleinkinderschule beibehalten,indem er durch sie auf die einzelnen Unterrichtsgegcnstände der eigentlichen Schuleunter Zuleitung von erwünschten Vorkenntnissen und Vorübungen vorbereiten ließ; in ^ !der eigentlichen Schule hält er als entschiedener Pestalozzianer die unmittelbaren j

Denkübungen, wie sie eben waren, mit Recht für überflüßig. s

Pestalozzi hatte aber, wie in Form und Zahl, bekanntlich auL im Wort, d. h. > s

in der Sprache ein Bildungsfundamcnt von elementarer Bedeutung divinirt, war i s

aber^ nicht so glücklich gewesen, sein formales Unterrichtsprincip auf dasselbe mit solcher ! !Einsicht in das Wesen der Sache zur Anwendung zu führen oder von andern geführt ^ ,zu sehen, als es der Fall im Bereich der Zahl und Form so bald gewesen war. Der !

ganze lange Wüstenzug, den der elementare Unterricht in der deutschen Sprache fast ;

bis anher durch die Schule gemacht und aus welchem viele unserer mitlehrcnden i

Zeitgenossen noch nicht heraus sind, datirt ebendaher. Man ahnte, daß ein Schah ! i

für die Bildung der Denkkraft im Wesen der Sprache geborgen sei aber der ! j

Lebensschatz, den man für die Denkbildung zur Ergänzung bedurfte und suchte, war ! s

noch ungehoben, wenn auch schon die Denkübung zu reichlichem Anlaß wurde, das ! s

Mundwerk zu gebrauchen und es, um mit Dicsterweg und den Regulativen, welcheseinen^Gcdanken und seinen Kraftausdruck adoptirt haben, aufEntfesselung , ^der sprach kraft" anzulegen. Der Grund davon hatte einerseits in dem Misver-ständnissc über das Verhältnis gelegen, welches der Gedanke zu seinem sprachlichen Aus-druck hat, andererseits darin, daß man die Muttersprache nicht elementarisirt, sondernatomisirt in Arbeit nahm; anstatt nämlich daß man aufsteigend die einzelnen sprach-lichen Organisationen, d. h. sprachlich Wohl gestaltete Geisteserzeugnisse in Anschauung,Ueberlegung ^und Aneignung zog und den Sinn für Sprache dadurch bildete, daß der s

Kindesgeist sich im Genius seiner Sprache fühlen, finden und erkennen lernte, be- !

handelte man die Muttersprache als eine fremde. !

Während hiebei die einen ihre Schüler in die allertrostloseste Irre, nämlich in ^die Grammatikalien, unterrichtlich hineinlockten, thaten andere einen richtigeren Schritt, r

indem sie mit den unmittelbaren Hebungen im Interesse der anzuregenden Denkkrast j

die Sprechübungen planmäßig verbanden. Der Gang, welcher in diesen Be- j

mühungen, Sprechen und Denken mit einander zu üben, eingeschlagen wurde, wurde ! sabermals ein doppelter. Auf dem einen, meist betretenen "Wege wurde die !

Erwerbung von Sachkenntnissen zur vorwiegenden und darum störenden s

Hauptsache und die sprachliche Bildung wurde als gelegentlich sich ergebenderVortheil mitgenommen, die Denkbildung schließlich aber als ein Ergebnis angesehen,das sich von selbst einstellen müße, obschon es nur zufällig war, weil in dem ganzenUnterrichtsprozeß nicht mit Entschiedenheit und Sicherheit erstrebt. In dieser Haltungfindet seit v. Türk, Harnisch, Lange u. a. bis gegenwärtig noch an vielen Ortenmanch trauliches Reden zwischen Lehrern und Schülern statt, welches Denkübunggenannt wird, aber weder entschieden Sach-, noch entschieden Sprach-, noch ent- '

schieden Denkunterricht ist, sondern zwischen diesen dreien in der Luft schwebtund nur den Namen einer Unterhaltungslection verdient. l

Auf dem andern Wege wurde die Sprachgestaltung, welche sich ein Gedanke j

oder eine Gedankenverbindung im bestimmten Falle gegeben, also Gedankenmäßig- !