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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Denkübungen.

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bung geworden, die ihre Eigenthüinlichkeit in der Zuführung systematisirter auf-klärender Beschäftigungen und Belehrungen hatte. Es entstehen nunjene Bücher, welche anweisen wollen, wie die einzelnen Seelcnkräfte dadurch auszu-bilden seien, daß sie die Functionen derselben zuin Gegenstände des Verstehens machen,wie es etwa Psychologie und Logik beabsichtigen; der Schüler soll also dadurch imDenken geübt werden, daß er die Theorie der Denkgesetze zum Gegenstände für das-selbe bekommt.

Zwischen diesen beiden so verschiedenen Bestrebungen im Dienste der Ver-standesbildnng entwickelt sich in Veranlassung und im Verfolge von Pestalvzzi'sEinflüsse allmählich eine neue Art, mit dein gesammten Elementarunterrichte auch dieDenkübungen, wie sie nunmehr im Unterschiede von Gedächtnis- und anderenUebungcn genannt wurden, in Angriff zu nehmen. Pestalozzi kam eS in seinen Bil-dungsbestrebungen überall auf eine naturgemäß angefaßte, stuscnmäßig weitergeführte undlebenskräftig angeregte allgemeine Betätigung des Schülers beim Lernen an. Ihm,dem es das Maxinrum in der Geistesentwicklung des Menschen galt, konnte Rochow,der das Minimum erreichen wollte, welches bei seinen Landschulkindern erreichbarwar, nicht mehr genügen. Einer tiefsittlichen Natur, wie sie Pestalozzi war, erschiendie Sache der Bildung seines Nachgeschlechts viel zu ernst, als daß er ihr Gedeihenvon spielartigen Tändelversuchen mit einzelnen Kindern vornehmer Leute hätte abhängigsehen mögen. Seiner Natur war das altklug machende Behofmeistern, wie es Basedowveranlaßte, ein Greuel. Das fragmentarische Vielerlei gemeinnütziger Kenntnisse undberichtigender Begriffe, welche das aufklärende Wohlmeinen Rochow's zuführte, konnteso wenig als das durch Bilder angeschmeichelte Octroyiren systematisirter Wissereienihm als das gelten, worauf es bei einer naturgemäßen Menschenbildung ankäme.Ihm ist der Mensch eine Kraft, die in principgerechter Stufenfolge bethätigungs- unddadurch bildungsfähig ist. Eine allseitige Anregung dieser Kraft zur Selbstbethätigung,wie sie im Philanthropin merkwürdig genug nur einseitig, nämlich in leiblicherHinsicht, in Gestalt von Gymnastik, stattfand, wird sein pädagogischer Strebepunct.Die nach den nothwendig durchzumachenden Stoffen zu Stufen geordnete Einwirkung,welche von Willkür und Spiel im Lehren und Lernen nichts mehr weiß, heißt ihmMethode, allseitige Geistesgymnastik Unterricht. Er ist von nun an Geisteszucht, an-hebend mit Anschauen, fortschreitend zum Denken, sich vollendend im Können.Derbloße versinnlichende Elementarunterricht, wobei der jugendliche Geist die Gegenständenur so an sehen und nehmen kann, wie die äußern Sinne sie ihm darbietcn undwobei seine Kraft nur extensiv geübt würde, erscheint nicht hinlänglich, wenn nichtzugleich die innere intensive Kraft gebildet würde; diese Kraft, vermöge welcher dieGegenstände schärfer und befriedigender ins Auge gefaßt, ihre Anschauung durchNachdenken an das Bewußtsein angeknüpft und dadurch mehr überzeugendbegründet werden müßte." In solcher Weise wollte Pestalozzi das Kind schon vonVater und Mutter bei den ersten Entwicklungsanfängcn behandelt wissen. Daruin gehtanfangs seine Thätigkeit nur auf Besserung der Erziehungszustände in den Familien;weit später erst kommt er in Beziehungen zum Unterricht in der Schule. Wieder Mutter Gesammtverkehr mit dem Kinde Anschauungsunterricht sein soll,so arbeitet er darauf hin, daß die ganze fortgesetzte Handhabung eines jeglichen Unter-richtsgegenstandes in der Schule eine Denkübung werde, getragen von anschau-baren Thatsächlichkeiten. Als die Elementar gegenstände, an denen diese Bildungs-übungen in Vollzug zu setzen seien, bezeichnte er, wie bekannt, Form, Zahl und Wort.

Der Jnipuls, welcher von Pestalozzi dadurch, wie auf den Elementarunterrichtüberhaupt, so auf die bisherigen Bemühungen um Vcrstandesbildung ausgieng, mußtesich bald in Folgen zeigen. Es wird nämlich allen strebenden Lehrern einleuchtend,daß aller und jeder Unterricht eine Uebung im Denken werden müße.Mit dieser Erkenntnis ist das Urtheil gesprochen über das, was sich bisher alsVer-standesübung" in Gestalt einer abgesonderten Lection neben den andern, welche diesAbsehen nicht verfolgen zu dürfen schienen, eingebürgert und bei entsprechenden Lehrer-naturen werth oder wichtig gemacht hatte. Dies erschien nnnmehr in Frage gestellt,weil überflüßig. Es galt den Unterricht in anderer Weise verarbeiten und mit denSchülern in Beziehung bringen.