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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Denkübungen.

Denkübungen in den Elementarvolksscknlcn geworden. Rochow's Schriften, haupt-sächlich seinVersuch eines Schulbuches für Kinder der Landleute oder Unterricht fürLehrer in den niedern Landschulen. Berlin 1773. Neue (II.) ganz umgearbeitete Auf-lage. Berlin. Fr. Nicolai 1776" enthalten die ersten methodischen Winke und Vorbildgebenden Proben.

ZurErleuchtung" (Aufklärung ist ein erst später von ihm gebrauchtes Wort)des Volkes, zur Heilung von seinen verfinsternden Wahnbegriffen und Vorurtheilenschien der Verstand mit seinem Licht die vollkommene Hülfe zu bieten. Es solltedarum alles verstandcsmäßig werden und was der Verstand als richtig, nützlich odergut erkannt habe, von dem nahm man an, das müßc ohne weiteres auch das Herzbilligen und erstreben.Ich habe," sagt Rochow in dem genannten Buche,mitHebung der Aufmerksamkeit und Wißbegierde angefaugen. In die gute Anwendungdieses Hauptstückes setze ich die ganze Kunst des Lehrers." Er macht in solcherHebung den Kindern die Wichtigkeit und den Nutzen von Aufmerksamkeit und Wiß-begierde durch Erzählen fühlbar und verständlich und lehrt sie dabei gelegentlich ver-gleichen und unterscheiden. Dann handelt er von Ursach und Wirkung,weil ohneEinsicht in diese Lehre man schwerlich richtig denken und handeln lernt." Dann läßter einigeVorübungen des Verstandes" folgen, ohne welche, wie ihn dünkt, der Unter-richt in Religion nicht im erwünschten Grade gelingen könnte. Es ist die Betrachtungder Begriffe: Grund, Wahrheit, Gewißheit, Wahrscheinlichkeit, Jrrthum u. s. w. Wieman sieht, ist hiebei keinerlei Absicht vorhanden, irgend worin etwas erschöpfendesoder systematisches von Schulwissen den Landkindern vorzuführen, sondern lediglichBrucbstücke oder Bausteine concreter anregender Erkenntnis, welche zu haben im Lebenvon Vortheil ist.

So ist Herr von Rochow beflissen, durch seineVerstandesübungen" die Schulein Anschluß au das Leben zu bringen, den er eben vermißt hatte. Die nachmals inder Schulwelt znm bestimmten und bleibenden Auseinandertreten gekommenen Lehr-momente: Anschauen, Denken, Sprechen liegen bei ihm noch ungesondert, wenn schonim kraftvollen Keime deutlich vor; ihm kam es auf Sy stein atisirung der Schul-übungen nicht an, er hat keinerlei Schulinteresse von abstracter Natur, ihn leitenstaatsmännische Maximen; er will eine höhere Verwerthung des Einzelnen inder Gesellschaft. Es gereicht diesem Edelmanne zur bleibenden Ehre, daß er weitentfernt war von der nachmals wach gewordenen Furcht, verständige Unterthanenmöchten keine treue Unterthanen mehr sein. Es geht das hochsinnige Vertrauen derLiebe, welche nichts fürchtet, sondern alles Gute vom Guten hofft, durch seine voll-kommen praktischen Rathschläge; er ist überzeugt, daßdie rechte Klugheit dem Land-mann nicht im Wege sein wird, ein geschickter Bauer, ein fleißiger Arbeiter, eintreuer Dienstbote, ein tüchtiger und gehorsamer Soldat rc. zu werden." In diesemSinne hat er sein ganzes langes Leben hindurch für die Bildung des Land-volkes gewirkt und es ist ihm vieles über seine Zeit und Kreise hinaus gelungen.Friedrich der Große, dieser Menschenkenner glaubte und traute ihm und gab100,000 Thaler (dem Basedow meines Wissens keinen Heller) zur Beschaffung vonLehrern von seinem Sinne; alle strebsamen Lehrer seiner Zeit traten in seine Bahnenund eine lange Reihe von redlich wirkenden Männern, die bis in unsere Zeit mitihrem Einflüsse hereinragen, bewahrten Geist und Gepräge der Rochow'schen Unter-richtstendenzen, vor anderen Wilmsen, Wilberg und Zcrrenner.

Neben der hauptsächlich in das Gebiet der preußischen Landschulen eindringcndenRochow'schen Strömung geflissentlicher Verstandesbethätigung im Sinne der Gemein-nützigkeit verfolgte Basedow gleichzeitig fast ein gleiches Ziel in seiner Lcbens-sphäre, wenn schon in einer wesentlich von Rochow abweichenden Art. Aus deinElementarwerk" ist zu ersehen, wie es ihm darauf ankam, eine Verstandesbildungan dem Zögling frühe zu fördern durch einen, was die Form betraf, spielerischen,an Abbildungen sich anlehnenden und unterhaltlichen Unterricht, der sich für einennaturgemäßen ausgab, und der, was die Materie betraf, sich ans Belehrungen überden Menschen, seine «Seelenkräfte und Zustände und schließlich über Logik erstreckte.Die Grundidee bei der von ihm angestrebten Bildung des Verstandes ist die Belehrungdesselben über ihn und seine Verrichtungen. So ist er znm Anfänger einer Bestie-