Declamation.
Denkübungen.
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der Rede, die Raschheit oder Langsamkeit ihrer Ab- und Ansätze, die Große derPausen wirklich beobacktet werden kann. Ob die Schule die Kunst des Vortragesso weit d. h. bis zum Declamiren im engern Sinne steigern könne, scheint vor allemvon der Individualität des betreffenden Lehrers abzuhängcir, ob dieser nämlich durchsein eigenes Beispiel seine Schüler zu der Fähigkeit eines solchen Ausdrucks des Ge-lernten zu bringen im Stand ist. Ist der Lehrer selbst hierzu nicht geeignet, so mußaus eine derartige Declamation um so mehr verzichtet werden, als falsches Pathos,übertriebener Ausdruck in den Gebenden, verkehrte Anwendung der Gesten überalldas Gegcntheil von dem bervorbringen würde, worauf eine christliche Erziehung esabzusehen hätte, und die Hebung im Declamiren nichts als eine praktische Anleitungzur Heuchelei wäre. Ueberdem wird ja auch nicht immer die Art des Vortrags den'Maßstab für das Verständnis abgeben können. Oft sind gerade stille Naturen vonder tiefsten Empfindung doch nicht im Stande, etwas ganz richtig empfundenes auchgut vorzutragen, und im andern Fall gicbt cs Individuen, die bei einer großen Ober-flächlichkeit ihres Wesens von einem sichern Takte geführt den Anforderungen, die manan die Declamation stellt, ziemlich entsprechen. Darüber, daß mit Verständnis ge-lesen und so allmählich darauf hingcarbeitet werden soll, daß in den obern Classenbei dem Vortrag eines auswendig gelernten Musterstückes die Nüancen des Gedankenswenigstens annäherungsweise durch Hebung und Senkung der Stimme w. wiederge-geben werden, dürfte wohl kein Zweifel sein. Es ist aber nicht zu leugnen, daß indie gewöhnlichen Volksschulen Declamationsübungen im engern Sinne nicht passen.Was jedoch durch sie bezweckt wird, kann einigermaßen dadurch erreicht werden, daßman mehrere Kinder eine angemessene Geschichte in der Weise gemeinsam lesen läßt,daß jedes eine bestimmte Person darin vorstellt, wodurch Rede und Gegenrede sichauf ganz natürlichem Wege von selber hebt und. markirter wird. Das Wichtigstebleibt immer genaue, reinliche und geläufige Aussprache und dem Sinn der Worteim Satze, wie der Sätze im Znsammmenhang angemessene Betonung und damithat der Lehrer gemeiniglich Arbeit genug.
Tcgradiren, s. Sch ul strafen.
Denken, s. Erkenntnisvermögen.
Denkübungen. Wenn in diesem Werke der Anschauungsunterricht an seinemOrte Berücksichtigung erfahren hat, obgleich der betr. Artikel die Berechtigung desFaches als eines besondern neben andern bestreitet, so wird sich rechtfertigen lassen, wa-rum ein Art. über Denkübungen nachfolgt, der in den Spuren des Art. „Anschauungs-unterricht" einhergeht. Es ist die historische Bedeutung der „Denkübungen", die ihneneinen Platz in diesem Auszug sichert.
Es sind etwa 100 Jahre, daß die sogenannten „Denkübungen" als etwas neuesin den Schulunterricht ausgenommen wurden: und von ihnen nun soll nach ihrer ge-schichtlichen Entwicklung, pädagogischen Bedeutung und unterrichtlichcn Berechtigungund Ausführung hier weiter die Rede sein.
Die Nothwendigkeit und Pflicht, unmittelbar auf die Geistesthätigkeit des Denkensam Schüler bildend einzuwirken, wurde als zweifellos erkannt in dem Grade, als manein Verständnis gewonnen von der Aufgabe der Elementarschule und man daraufausgieng, sie ihrem vollen Begriffe nach in wirkliche Action treten zu lassen.
Dem Domherrn von Rochow (s. d. Art.) gebührt die Ehre, der Stiftereigentlich elementarisirender Landschulen, wenigstens in Preußen, zu heißen.Dieser nicht bloß helldenkende, sondern volksfrcundliche Edelmann^ glaubte, daß manden bis dahin, wie man annahm, völlig vernachläßigten Verstand des gemeinenMannes zum Gegenstände besonders veranstalteter Einwirkungen zu machen habe.In dieser Annahme und in der Ueberzcugung, daß ans Mangel an Verstandesbildungsich viele Nebel in der menschlichen Gesellschaft und am Einzelnen, als „Vorurtheil,Verwöhnung und Aberglauben" verderblich fcstsetzen, arbeitete er sowohl unmittelbardurch persönliche Anstrengung, als auch durch seinen Einfluß dahin, daß Verstandes-übungen nicht bloß als eine besondere Lection in die Dorfschulen kämen, sonderndie ganze Schulthätigkeit durchzögen. Diese Rcchow'schen Ve*standesübungen mitdem deutlich ausgesprochenen Absehen, auch die schlummernden Geisteskräfte zuwecken, sind der Anfang zu allen nachmaligen, besondern oder unmittelbaren