Confesfions- und Communalschule».
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richtet werden, eine Bezeichnung, welche bei den erweiterten Ansprüchen des Lebensan die Schule allerdings den Begriff dieser nicht mehr deckt, aber auch der jetzi-gen Volksschule einen wichtigen Theil ihrer Bestimmung vor Augen zu haltendienen kann.
Was nun die Bedeutung und den Werth der beiderlei in der Aufschrift diesesArtikels bezeichnten Arten von Schulen betrifft, so sprechen wir uns im Princip ent-schieden für die Konfessionsschule aus, unter der Bedingung jedoch, daß die noth-wendigen Voraussetzungen für dieselbe thatfächlich vorhanden seien und das wirklicheBedürfnis nicht einen in der Gerechtigkeit begründeten Widerspruch entgegensetze.
Die Schule, dieses Mittelglied zwischen Familie und Gesellschaft in Staat undKirche, das erste und einflußreiche Stadium auf dem Wege von jener in diese, sollder Familie unterrichtend und erziehend zur Seite stehen und für das Leben in derGesellschaft vorbereitend wirken; folglich gebührt ihr auch, diejenige Religion zupflegen, welche in der Familie und in der Gesellschaft ihr concretes Dasein hat, undihr verwehren confesfioncll zu sein, hieße ihr einen wesentlichen Theil ihres natürlichenBerufes und zwar zugleich auf Kosten eben jener Lebenskreise schmälern, entziehen.Es handelt sich freilich bei diesem Streit in unfern Tagen eigentlich nur um dieVolksschule, da die höheren Lehranstalten in ihrer überwiegenden Anzahl ihres früherenkonfessionellen Charakters entkleidet sind; die Volksschule aber ist für die meisten ihrerSchüler die einzige Anstalt, worin sie wirklich lernen, mit deren Abschluß sich beiihnen der Regel nach das eigentliche Schullernen abschlicßt; was sie hier gelernt,begleitet sie durch das Leben, ist hauptsächlich ihre geistige Aussteuer, gewährt ihnendie Anknüpfung an diejenigen Bildungsmittel, welche Erfahrung und Beruf ihnenspäter darbieten. Werden sie im Laufe ihrer Schulzeit in der religiösen Unterweisungverkürzt, so stehen ihnen überdies auch nicht diejenigen Mittel zu Gebot, durch welcheein sonst Gebildeter hernach Ersatz für das an ihm Versäumte zu finden vermag;und woher überhaupt dem Volksschüler eine tiefer gründende ideale Richtung desGemüthes kommen soll, wenn sie nicht ans der Religion ihm zukommt, ist nichtzu finden.
Ganz speciell aber ist der religiöse Schulunterricht ein Bedürfnis des evangelischenKindes. Die Kirche des Worts erbaut und baut sich in Verständnis und Erkenntnisdes Worts; so müßen ihre Kinder mit religiösen Kenntnissen ausgestattet, es müßenihnen die biblischen Geschichten, die Hauptsprüchc aus der Bibel, die grundlegendenLehren des Evangeliums für Glauben und Leben eingeprägt, der Liederschatz derKirche muß vor ihnen aufgethan werden zur Erbauung, sie müßen lernen Anstimmenin den Lobgesang der Gemeinde. Die katholische Kirche mit ihrem zugleich die Sinneansprechenden Cultus, mit ihren Hebungen, in welche bereits die Kleinen eingeführt,womit ihre Angehörigen fortgesetzt in Anspruch genommen werden, erzeugt ganz natur-gemäß eine gewiße religiöse Angewöhnung, die sich mit den Vorstellungen und Ge-müthsrichtungen verflicht und so schon das katholische Volk kirchlich zusammenhält.Man lehrt in dieser Kirche allerdings auch fleißig Religion, aber die Religion hatzugleich am Cultus eine Stütze, welche auch die weniger Geschulten trägt. Bei uns istdas Gemüth mit seinen Bedürfnissen vorwiegend auf das in die religiöse ErkenntnisAufgenommene gestellt, und dem Religionsunterricht, so wie wir ihn nöthig haben,den Eingang in unsere Schulen versperren, müßte zu einer wesentlichen Beschädigungder Kirche, d. h. der Gemeinden, ihres religiösen, sittlichen, ihres idealen Lebens führen.Der religiös ununterrichtete Protestant steht religiös ärmer und unsicherer in derWelt, als der Angehörige irgend einer andern in Cultus und Verfassung schon dennatürlichen Menschen mehr tragenden und leitenden Kirche. Für unsere evangelischeKirche, das muß man sich mit aller Klarheit vergegenwärtigen, ist der evangelischeReligionsunterricht in der Volksschule in besonderem Maße Bedürfnis; dieses Be-dürfnis zu bestreiten mag wohl denen leicht werden, welche etwa meinen, nur diePfarrer haben ein Interesse für ihre Konfession, und nicht einsehen, wie es schon imallgemeinen Interesse der »Gesellschaft liegt, daß jeder einzelne einen festen religiösenHalt habe.
Pädag. Handbuch. I
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