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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Eoncentration des Unterrichts.

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diesem Kerne verliere. Soweit ist auch in der That das Bild und seine Anwendungvollkommen berechtigt. Jede Schule muß nach Einheit im Zwecke sowohl, als sovielmöglich in den Mitteln zu Erreichung dieses Zweckes streben, und die Verschiedenheitder Schulen beruht bloß auf der Verschiedenheit ihrer Zwecke, ihr Organismus aberist diesen Zweck vorausgesetzt wesentlich auf dasselbe Princip gegründet, aufdas genannte Streben nach Einheit. Aber jedes Gleichnis hinkt. Das Verkennendieser Wahrheit, und die Meinung, in dem Ausdrucke: Conceutration des Unterrichts,habe man nicht ein Bild, sondern einen Begriff, hat nicht selten zu den gröbsten Ver-irrungen geführt. Man hat Lesebücher geschaffen, dnrch welche im deutschen Sprach-unterrichte, oder im Unterrichte in einer fremden Sprache, zugleich Geschichte, Geo-graphie, Naturgeschichte, Physik, selbst Landwirthschaft gelehrt werden sollte, so daßder Schüler am Schluffe einer Lection kaum wußte, ob er in derselben Deutsch,Französisch, Geographie oder den Bau der Zuckerrübe gelernt habe, in der Thatder beste Weg zur Zersplitterung des Unterrichts statt zu seiner Concentration. Manhat, um den Religionsunterricht als Kern alles Unterrichts consequent erscheinen zulasten, verlangt, der Rechenunterricht solle seinen Stoff aus der Bibel wählen, unddadurch den Zweck dem Mittel zum Opfer gebracht. Beispiele dieser Art ließen sichnoch manche anfzählen.

Bei der Wichtigkeit der Sache für den ganzen Organismus ist es daher von

Werth, daß wir genau ins Auge fassen, wie weit das Bild der Concentration zur

Anwendung auf die Schule im allgemeinen berechtigt ist.

Concentration findet zunächst bei der Schule statt in Beziehung auf ihren Zweck.Wir haben verschiedene Schulen, humanistische, realistische und Volksschulen. Dieseorganische Trennung ist für sämmtliche Schulen ein Vortheil, da sie ihren Zweck um

so schärfer ins Auge fassen, und um so consequenter die richtige Wahl der Mittel er-

streben können. Es ist daher eine Versündigung an der Jugend, wenn man selbstauf der Stufe noch, wo die Vorbereitung auf die künftige Berufsart in ihre Rechteeintretcn soll, den Plan einer Schule so eiurichtet, daß alle Schüler, welches auch ihrkünftiger Beruf sein möge, in ihr die erforderliche Vorbildung finden sollen, und esentstehen dadurch Lectionsplane, die so bunt aussehen, wie die Speisekarte von einemGasthof ersten Rangs. Was vermag eine Schule zu leisten, welche statt einen ein-zigen Zweck zu verfolgen, allen gerecht werden will? Es mnß daher entschieden aus-gesprochen werden, daß das Streben nach allseitiger Schulausbilduug nur soweit be-rechtigt ist, als dies nicht auf Kosten des besondern Zweckes geschieht, durch welchenjede Gattung von Schulen zu einer von andern specifisch verschiedenen wird.

Die Concentration bezieht sich aber nicht bloß auf den Zweck der Schule, sondernauch auf die Mittel zu demselben. Diese sind zunächst die Unterrichtsstoffe. Da dieAufgabe jeder Schule zunächst Vorbereitung ist nicht auf einen besondern Beruf,aber auf eine besondere Berufsgattung, daun aber Ausstattung des Schülers mit dennöthigeu Mitteln, um sich soweit möglich allgemeine Bildung erwerben zu können, somüßen die Unterrichtsstoffe so für diesen Zweck gewählt werden, daß diejenigen denKern des Unterrichts bilden, welche für den Zweck der schule am nötigsten undunentbehrlichsten erscheinen, während die andern nur Ergäuzungsfächer sind; diejenigenaber gänzlich ausgeschlossen bleiben, welche dem Zwecke der besondern Schule fernebleiben, wenn sie auch an sich nützlich sind, und vielleicht in einer ändern Schule inden Vordergrund treten. Denn nur Vereinfachung der Lectionsplane führt zur wahrenConcentration des Unterrichts; wer alles schon in der Schule lehren will, was demMenschen zu wissen nützlich ist, zersplittert die Kräfte und möge als Motto überseinen Lectionsplan nur das bekannte Sprüchlein schreiben: in allem etwas, imganzen nichts. Natürlich was seiner Natur nach nur durch Zwang zusammenge-bracht werden kann, wird besser auseinander gehalten. So z. B. Sprachen undMathematik. Aber Fächer, welche in natürlichen Beziehungen zu einander stehen, wiez. B. Geschichte und Geographie, müßen auch ausdrücklich auf einander bezogenwerden, um im Geiste des Schülers sich zu asstmiliren.

Die Concentration zeigt sich aber außerdem bei jedem einzelnen Stoffe an undfür sich. Jeder Stoff selbst hat wieder einen Kern, um welchen sich in immer weiternKreisen seine einzelnen Theile anlagern, und der Unterricht jedes Lehrfaches hat dar-