Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

Coincuius.

europäische und selbst mehrere morgenländische Sprachen übersetzt wurde. Die zahl-reichen Verbindungen, welche ihm sein ausgebreiteter Ruf, und den Einfluß, welchenihm sein Ansehen verschaffte, benutzte C. zugleich, um seinen bedrängten Glaubens-genossen reiche Unterstützungen zu verschaffen, wofür er aus Dankbarkeit auf einerSynode zu Lissa (4632) an die Stelle seines verstorbenen Schwiegervaters Cyrilluszum Bischof der zerstreuten Brüder aus Böhmen und Mähren consecrirt wurde.Im Jahre 1638 bereits ergicng von Schweden ein ehrenvoller Ruf an ihn, dieReform des dortigen Schulwesens zu übernehmen. Aber C. war von weiter auS-sehcnden Plänen bewegt. Schon im Anfänge seines Aufenthaltes zu Lissa hatte ebseintiefsinnigstes pädagogisches Werk" (Raumer) entworfen, die vläaotieamuAuu s. Oinnos omnia, äooonäl g.rt1kioium. Davon schickte er, nachdemer jenen Ruf abgelehnt, eine Uebersctzung nach Schweden, und zugleich einen Aus-zug nach England. Das Werk trug ihm solchen Ruhm ein, daß ihn 1641 dasenglische Parlament nach England, 1642 der französische König nach Frankreich nndOxenstierna nach Schweden berief, um eine zweckmäßige Reform des Unterrichts ein-zuleiten. Von Schweden nahm er den Antrag an, und verlegte deshalb zum Behufseiner pädagogischen Arbeiten 1642 seinen Wohnsitz in die preußische Stadt Elbing.Als Frucht derselben erschien 1648 die blovwsima UnAuarum motlioäus. Hiermitwaren seine Ansichten über die Reform der Unterrichtsmethode im wesentlichen zumAbschluß gekommen.

Auch in seinem äußeren Leben nämlich war mit dem Jahre 1648 eineEpoche eingetreten. In Lissa war der erste Bischof der Brüdergemeinden gestorbenund C. wurde an seiner Stelle zumältesten Bischof oder krasses in 8)uocko"ernannt, was er denn auch bis zu seinem Tode blieb. Im Frühjahre 1650folgte er noch einmal einem auswärtigen Rufe, dem des Fürsten Rakoczi nachSaros-Patak in Ungarn, um bei der Verbesserung des Schulwesens mit seinemRathe behülflich zu sein, und hielt sich dort fast vier Jahre lang auf. Das be-deutendste Product seiner dortigen schriftstellerischen Thätigkeit ist der so berühmt ge-wordene Orbis xietus, welcher im Jahre 1657 zu Nürnberg erschien. Im Juni1654 kehrte C. nach Lissa zurück und blieb daselbst, bis 1656 die Polen das kurzvorher von den Schweden eroberte Lissa zerstörten und er sich zum zweitenmal allseiner Habe beraubt sah. So zu sagen nackt, wie er selbst sich ausdrückt, kam ernach Schlesien, dann nach Brandenburg, Stettin, Hamburg, wo er zwei Monatelang krank lag, und fand endlich im August 1656 mit den Seinen einen ruhigenAufenthalt in Amsterdam, wo er bis an sein Ende blieb, angesehen und selbstwegen des pecuniären Gewinns beneidet, welcher ihm durch Unterricht von Kindernaus reichen Familien zufiel. Er starb am 15. November 1681. Die bischöflicheWeihe hatte er auf seinen Schwiegersohn Peter Jablonsky übertragen; ihm folgtesein Sohn Daniel Ernst Jablonsky, später Hofprcdigcr in Berlin, und dieser istes, derdas Depositum der bischöflichen Ordination" im Jahre 1737 an den GrafenZinzendorf übergeben hat, in dessen Brüdergemeinde ein Thcil des Samens auf-gieng, für dessen Erhaltung C. bei seiner Flucht aus Böhmen gebetet hatte.

C. war ein ungemein fruchtbarer Schriftsteller; Adelung zählt über 90 Schriftenauf. Die Stellung, welche C. in der Geschichte der Pädagogik einnimmt, ist durchausdie eines Reformers, einesNeuerers", wie Raumer ihn nennt. Die herrschendePädagogik, welche er vorfand, kannte im ganzen kein Bildungsmittel, als die lateinischeSprache, kein Bildungsziel, als fertiges Sprechen und Schreiben dieser Sprache, keinBildungsmaterial, als was die Lcctüre der lateinischen Schriftsteller darbot, keineUnterrichtsmethode, als die mechanischen Auswendiglernens des Vorgesagtcn oder desVorgelcsencn. Zunächst hob C., wie cs seit Luther nicht geschehen "war, die Pflege,Kräftigung und Uebung des Leibes als ein sehr wesentliches Stück der Erziehunghervor, rief demgemäß bereits dasgesunde Seele in gesundem Leib," welches nachherLocke zu seinem pädagogischen Symbolum machte, den Erziehern zu und drang aufluftige Schulräume und lustige Spielplätze. In Bezug auf den Unterricht forderte ervor allem neben und vor dem Lateinischen Berücksichtigung der Muttersprache, stellteals Bildungszicl die möglichst vollständige Bekanntschaft mit allem der menschlichenErkenntnis sich Darbictenden dar, namentlich auch mit den Realien, und drang auf