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1 (1877) A - Liebe
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Clavierspiel.

auf die Lehrgabe des Lehrers an, diese Gegenstände dem Kinde vollkommen klar zumachen und dabei weder das Kind durch unaufhörliche Excrcitien zur Ungeduld zureizen, noch selbst die Geduld zu verlieren. Die Excrcitien müßen durch melodiöseKlavierstücke unterbrochen und gleichsam belohnt werden, aber diese müßen immer sogewählt sein, daß sie zum Exercitium genau passen, d. h. die dort geübten Kräfte undgelernten Fertigkeiten zur Anwendung bringen lassen. Beides muß nebeneinander her-gehen, so lange der Schüler noch Schüler ist; insbesondere das Scalaspielen darfeigentlich niemals ausgesetzt werden, sowie auch bei Gelegenheit schwierigerer Passagenauf die entsprechenden Uebungen zurückgegriffen, und in jeder Beziehung der Schülergewöhnt werden muß, jede Stelle, die ihm Schwierigkeit macht, mit zäher Beharrlich-keit so lange zu wiederholen, bis er Meister über dieselbe wird. Wie sehr auch hierindas sittliche Moment der Bildung in das ästhetische hereinspielt, sei nur erinnert.

3. Wichtig ist von Anfang schon die Haltung der Hand; sie soll, wie die Klavier-lehrer sagen, locker, d. h. vom Arm unabhängig und ruhig sein; die zweckmäßigsteHaltung ist zugleich auch die graziöseste; es muß ein Genuß sein, dem Spieler auchnur zuzuschen. Man hat dazu mechanische Hülfsmittel erfunden, die aber zweifel-haften Nutzens sind. Der Anschlag muß ebenso von Anfang an sorgfältig gebildetwerden, so daß nicht nur nichts verwischt, jeder Ton rund und deutlich wird, sonderndaß sich der Finger auch früh diejenige Mannigfaltigkeit aneignet, durch welche alleinein ausdrucksvolles Spiel zu Stande kommt. Dieses selbst kann nur durch's Hören,nicht bloß von Clavier-, sondern auch anderer Vocal- und Instrumentalmusik, gelerntwerden; von selbst kommt es nie, aber man muß auch ausdrücklich den Schülerdarauf aufmerksam machen, ihn eine Stelle so und anders, mit und ohne den rechtenAusdruck hören und beides genau unterscheiden lassen. In dieser Beziehung ist großerWerth auf alle verzierenden Figuren (Toppclschlag, Triller rc.) zu legen. Gleich-mäßige Uebung auch der linken Hand muß von Anfang Regel sein, zugleich aber auchdarauf geachtet werden, daß die linke Hand den eigenthümlichen Anschlag, den einkräftiger Baß verlangt, sich erringe. Zu alle dem kommt viel auf die Beschaffen-heit des Instruments an; ein zu schwerer Anschlag ist für den Anfänger ^o schädlichals ein zu leichter, daher derselbe lieber gleich an ein tüchtiges Pianoforte gesetztwerden sollte. Ebenso, was sich eigentlich von selbst verstehen sollte, aber fürviele sich nicht versteht, soll das Instrument immer rein gestimmt sein, um nicht dasOhr an Falsches zu gewöhnen. Man thut am besten, regelmäßig den Klavierstimmerkommen zu lassen, damit auch kleinere Weichungcn früh beseitigt werden.

4. Merhändiges Spiel ist überaus förderlich, aber nicht Kinder sollen zusammen-spielen, sondern der Zögling und der Meister; am Meister muß das Kind ebenso sichhalten, als von ihm fortgenommen werden; sein fester Baß beherrscht cs und lehrtes Takt halten. Ebenso viel Werth ist das Zusammenspiel in Duo's, Trio's, Quar-tetten. Anfangs ist der Schüler verblüfft von der ihn mächtig umwogenden Fluchder Töne, aber er wird bald lernen oben schwimmen; wird jenen musikalischen Gemein-geist gewinnen, von dem ein wohleingeübtes Trio oder Quartett, da die musikalischenPulse aller gleich gehen, ein so schönes Bild gewährt.

5. Von Sebastian Bach ist bekannt, daß er seinen Schülern jedes Stück, wennsie es einzuüben begannen, zuerst selber und zwar ganz, von Anfang bis zu Endevorspielte, um ihnew vom Charakter und Gedankengang eine Totalanschauuug zugeben. Jeder Lehrer, auch wenn er nicht Sebastian Bach ist, wird bas praktischfinden.

6. Manche Lehrer wollen nichts auswendig spielen lassen; so können die Schüler,wo sie nicht ihren Noteupack bei sich haben, auch nichts produciren. Das ist immerdas Zeichen eines mittelmäßigen Musikers; das wirkliche und gebildete Talent wirdmeist, wenn es ein Stück fertig spielen gelernt hat, dasselbe auch frei im Gedächtnissehaben; es ist viel Werth, als Musiker sagen zu können: Omuia mea, mecum xorto.Dagegen ist der häufigen Neigung begabter Schüler mit aller Strenge zu steuern,daß sie, bevor sie nur rocht gelesen haben, schon auswendig spielen wollen. Das giebtleicht jene Halbmusiker, die alles Nachspielen und doch nichts spielen können; die jedeOpernmelodie im Gehör behalten, aber sich dann einen schlechten Daß dazu machenund für jede ernstere Ucbmrg verdorben sind.