Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Clavicrspiet.

rechte kritische Zorn über alles Schlechte, Eitle, Unclassische, was sich hervorthut; alsoz. B. für die sogenannte Zukunftsmusik dieses Gebräu aus jämmerlicher Gedanken-armut und wahnwitziger Velleität genußfähig zu machen, das ist ebensowenig desUnterrichts Aufgabe, als der Erzieher seinen Zögling auf gastronomischem Weg "etwadahin zu bringen hat, daß derselbe einen Kessel voll spanischen Pfesicrs oder einePortion Spülwasser mit Behagen verzehren lerne. Daher müßcn wir an denClavieruntcrricht unsere Forderung so stellen: Der Zögling soll durch eigne Kunst-übung befähigt werden, alle diejenige Musik, die zum geistigen Schatze der gebildetenMenschheit, speciell der eigenen Nation gehört, also alles, was klassischen Werth hat,genießen, mit wirklichem Verständnis in sich aufnehmen zu können. Ebendeshalbmuß der Clavierschüler nach und nach durch eigene Uebung in alle jene Gebiete ein-geführt werden, die wir oben unter 1, 2 und 3 namhaft gemacht haben. Zuerst undzumeist aber muß es unter diesen das sulz 3 genannte sein, nämlich die selbständigeClaviermusik; ehe man in ihr einigermaßen fest und zu Hause ist, sind Arrangementsvon Opern u. s. w. zu meiden. Aber was ist aus dem reichen Vorrath der classischenClaviermusik für den Zögling zu wählen? Nach den ersten Elementarübungen empfehlensich vor allem Clementi's 6 Sonatinen, dazu etwa einiges von Bertini und Diabellials passender Ucbergang von den Anfangsgründen zu wirklicher Musik. Sofortverabschiede man die -i's und -ini's mit dem einzigen Vorbehalt, später zwischeneinClementi's Werke vollständiger durchzunehmen, um in die große Trias, das eigent-liche Heiligthum unserer classischen Musik einzutreten. Vater Haydn zuerst; wie fügensich seine Sonaten, seine Variationen so freundlich unter zarte Kinderhände, wie istseine Musik selbst ein wahres poetisches Abbild des fröhlichen Kinderlebens, und wieversteht er es dennoch, auch schon solche Aufgaben zu stellen, woran Hand und Geistsich stärken! Von ihm schreiten wir zu Mozart; von dessen einfachsten, vorwiegendzweistimmigen Sonaten bis zur l?antui8i6 et Sonnte in 6 moll ox. 11, und von denvierhändigen ox. 3 in v und L bis zur großen in 1? ox. 12 ist eine prächtige Stufen-leiter zu ersteigen. Zwischen die Sonaten fügt sich am besten von Zeit zu Zeit einePartie seiner Variationen ein, die besonders für die Fingerübung, für Eleganz imPassagcnvortrag treffliche Dienste leisten. Ist aber von Mozart der Schüler zuBeethoven vorgeschritten, so daß er von dessen Sonaten vorerst etwa ein halbes Dutzendderjenigen, die bei verhältnismäßig weniger Schwierigkeit doch schon des MannesGroßartigkeit vollkommen zur Anschauung bringen (wie äur op. 26 und etlicheandere) sicher inne bat: dann ist, so zu sagen, die Hauptstadt des gelobten Landesder Musik erobert; der junge Musiker hat einen festen Hort gewonnen, von wo ausihm das ganze Reich offen steht. Er bedarf jetzt nur noch der immer größcrn Ver-vollständigung und Arrondirung seines Besitzes, und deshalb ist es jetzt die rechteZeit, ihn mit dem Heros Sebastian Bach (Inventionen, leichtere Suiten, bis zumwohltemperirten Clavicr) bekannt und möglichst vertraut zu machen, bis man endlich,nachdem man in allen inzwischen ausgetretenen Formen, auch die elegante Salons-musik nicht ausgeschlossen, an den besten Repräsentanten Hebungen gemacht, zu demschließlichen Resultate gelangt, daß zum täglichen musikalischen Abcndsegen entwederBeethoven oder Mozart oder Bach oder alle drei zusammen unentbehrlich sind. EinRepertorium für instructive Claviermusik hier beizufügen, müßen wir uns des Raumeswegen versagen.

Da aber die zweite Bedeutung des Claviers, wie wir sahen, darin liegt, daß esauch die großen Tonwerke vergegenwärtigt, so darf auch diese Seite vom Unterrichtnicht versäumt werden. Zunächst werden es Orchestersachen sein, die der Schüler imArrangement für's Clavicr kennen lernt, wobei wieder der Stufengaug der Symphonievon Haydn bis Beethoven einzuhalten ist; von Mozart und Beethoven wären nebenden Symphonien auch die Ouvertüren vorzuuehmen; wie überhaupt die Ouvertürender deutschen und einiger wenigen französischen Meister (die italienischen sind fastohne Ausnahme schlecht) eine auch für's Clavier sehr dankbare Musikgattung sind.Wir müßen aber in dieser Beziehung verschiedene Bedingungen anfügen, ohne derenErfüllung gerade dieser Zweig des ClavierspielS sogar nachtheilig wirkt. Erstlich, daßdas Arrangement gut ist, was man einer Menge Bearbeitungen eben nicht nachsagenkann, denn diese Arrangirer sind oft jammervolle Fabrikarbeiter, Hand- und Geschmacks-