Clavierspiel.
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meßlich weite Gebiet der Tonkunst eröffnet. 2) Das Clavier ist für die allgemeinemusikalische Bildung ferner wichtig als Begleiter des Gesanges. Soll diesem nur eineeinfache harmonische Unterlage gegeben werden, so bietet das Clavier die Accorde vielrichtiger und corrccter, als die armselige, undcutsche Guitarre, die, wie ein schlechterTabak, höchstens im Freien zu ertragen ist; soll aber die Begleitung eine selbstän-digere, mehr oder weniger concertirende sein, so ist auch darin das Clavier jederAufgabe gewachsen. 3) Das Clavier besitzt auch sein eigenes, ihm selbständig zuge-höriges Gebiet; alle großen Meister haben nächst ihren Chor- und Orchesterwerkendas Größte und Bedeutendste, auch das numerisch Meiste ihrer Schöpfungen demClavier gewidmet. Eine Mozart'sche, eine Beethoven'sche Sonate ist eine ganze Weltvon Musik; wer ihrer mächtig ist, braucht nicht erst zu Hofe zu reiten oder Musikfestezu beziehen, wenn er sich musikalisch erbauen will, er hat jene ganze Tonwelt in derGewalt seiner zehn Finger; während ich Beethovens putbotiguo (ox. 13) oder dieaxxussioimta, (ox. 57) mir spiele, bin ich ein ckuxitsr tonuim für mich und tauschemit keinem Potentaten. 4) Endlich aber bietet das Clavier, trotz den Mängeln seinerTonerzeugung, schon für den musikalischen Elementarunterricht, wie für die höhereKunstbildung die größten methodischen Vortheile dar. Was nämlich einerseits einMangel ist, daß der Spieler den Ton nicht selbst erzeugt, daß auch die Scala schonfertig vor ihm liegt, das ist andererseits ein großer Gewinn, weil dem Anfängerdamit alle Tonverhältnisse zur klarsten Anschauung auch mittelst des Auges vorgeführtwerden können; was z. B. ein halber und ganzer Ton, was irgend ein Intervall ist,das sicht er hier zugleich, indem er es hört; Tonleiter und Tonarten, der Unterschiedvon Moll und Dur lassen sich durch kein Hülfsmittel so deutlich machen, wie durchdie Tastatur des Clavieres; daher es durchaus kein methodischer Miögriff, kein Zeit-verlust ist, wenn einem Knaben, der ein anderes Instrument, namentlich Viotine oderVioloncell lernen soll, zuerst am Clavier die allgemeinsten Begriffe durch Anschauungbeigebracht werden. Ebenso ist es mit dem Unterricht in der Harmonielehre; wiediese geschichtlich erst an der Orgel entstanden ist, so kann sie heute noch bloß mittelsteines Tasteninstruments erlernt werden.
Lassen wir also dem Clavier seinen Werth für die musikalische Erziehung, um somehr, da der Klangreichthum, der den neueren Flügeln und Pianoforte's inwohnt, dersingende Ton des Ganzen, die glockenhellen obern Octaven, die Orgelbässe, was allesdie neueren Meister ihren Instrumenten zu geben wissen, die oben zngestandenenMängel immer weniger fühlbar machen. Es ist aber weiter
II. Die Frage: was soll nun gelernt — oder bestimmter, was soll durch denClavicruntcrricht geleistet und erreicht werden? Wir müßen das Ziel kennen, ehewir vom Wege dazu reden. Die positive Antwort darauf muß der Artikel überMusik geben; hier beschränken wir uns auf Folgendes: Die allgenieine Mnsikbildung,sofern sie sich von der des Virtuosen, des Componisten und Dirigenten, überhaupt desMusikers von Profession unterscheidet, hat zunächst nicht den Zweck, Leistungsfähigkeit,sondern Genußfähigkeit zu erzeugen. Jeder Gebildete soll fähig sein, das, wasdie Propheten im Reiche der Kunst in Folge der ihnen vor andern zu Theil gewor-denen musikalischen Inspiration verkündigt haben, aufzunehme», zu verstehen und alseine empfangene Kunstofsenbarung seinem eigenen Bewußtsein zu assimiliren. Gotthat reiche Schätze des Herrlichsten durch jene Berufenen vor uns ausgebreitet; siewerden, wie alle geistigen Güter, durch den Gebrauch nicht verringert noch abgenutzt,sie wollen vielmehr ins Leben eintreten, um es zu veredeln und praktisch zu verklären.Allein Leistung und Genuß lassen sich aus diesem Gebiet nicht trennen. Erstlich istder Ausübende und der Zuhörende in vielen Fällen eine und dieselbe Person, nichtaus Noth nur, sondern weil das Selbstspielen oder Selbstsingen den Genuß erhöht;zweitens aber ist der Weg zum vollen Verständnis eines Kunstwerkes nur der, daßman die Kunst selbst übt; wie das Auge durch eigene Hebung im Zeichnen, so wirddas Ohr nur durch's Selbstmusiciren geschärft, um statt massenhafter und verwor-rener Eindrücke die wirkliche Kunstanschauung zu gewinnen. Und für diesen Zweckist gerade das Clavier durch seine universelle Natur sehr geeignet. Die Genuß-fähigkeit soll und kann aber nicht darin bestehen, daß ich alles, was überhaupt sichMusik nennt, mit gleichem Genuß hinnehme; die Kehrseite jener Fähigkeit ist der ge-