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Charakter.
Gesetztheit, Vorsicht kund giebt. Wird das Kind aber über jener Art, die ihm einmalnatürlich ist, ausgezankt, wird cs unnöthiger Weise zum sich-Produciren gezwungen,so ist das Resultat eine traurige Mischung von Mistrauen und Lügenhaftigkeit.Ebenso macht man oft durch unnöthigen Widerspruch, durch unmotivirte, willkürlicheVersagung oder Erschwerung eines Wunsches aus dem, was sich allmählich zumCharakter ausbilden könnte, nur das widerliche Zerrbild desselben, den Eigensinn(s. d. Art.).
4. Was sich aber positiv Gutes als Basis des künftigen Charakters im Kindeankündigt, darüber müßen wir, da wir nicht alle erdenklichen Fälle aufzählcn können,folgende L>ätze aufzustellen uns begnügen.
s.. Als bestimmtes Merkmal eines werdenden Charakters ist cs anzuschcn, wennsich im Sinnen und Treiben des Kindes schon etwas unternehmendes zeigt, weildarin sowohl ein klares Bewußtsein dessen, was es will, als die Entschlossenheit zuTage kommt, sofort Hand anzulegen. Das nun muß man dem Kinde nicht nur nichterschweren, sondern, wofern nicht irgend ein Schaden vorauszusehen ist, mit freund-licher Theilnahme begleiten; es wird die Lust zum Wollen und Thun dadurch frischerhalten. Jedes Gelingen dessen, was das Kind unternommen, weckt neue Kraft undneuen Muth; ein Mislingen aber darf nicht entmuthigen; der Erzieher hat diese Er-fahrung für den Zögling dazu nutzbar zu machen, daß dieser seine Mittel ein ander-mal richtiger taxirt.
t>. Aber nicht bloß das Handeln, auch das passive Standhaltcn, sei es fremderMeinung, fremdem Ansinnen und Andringen gegenüber, oder sei es unter Unge-mach und Schmerz, ist Sache des Charakters. Wo sich dies bei einem Kinde schonverräth, da kann es unter Umständen aussehen wie Trotz (wenn z. B. der Knabeunter scharfer Züchtigung keinen Laut hören läßt); aber wenn sich dieselbe Stand-haftigkeit auch unter Leiden anderer Art zeigt, so hat sie nicht das Schlimme deSTrotzes an sich, sondern ist ein Zug, den man anerkennen muß, weil sich aus ihmTüchtiges entwickeln kann. Das Beharren auf der eiguen Meinung ist dann keineRechthaberei, sondern ein Zeichen von Charakter, wenn der Zögling von der Wahrheitderselben ein festes, klares Bewußtsein hat. Ist dies der Grund jener Unnachgiebigkeit,so wird der Zögling, falls der Gegner Recht hat, ebenso bereit sein, auch die Dc-müthigung des Geirrthabens auf sich zu nehmen.
o. Der Charakter kommt nur dadurch wahrhaftig zu Stande, daß man nachGrundsätzen handelt. Ich werde nun zwar von einem Kinde nicht verlangen wie voneinem Mann, daß es stets nach Grundsätzen handle; die Unmittelbarkeit auch seinessittlichen Lebens soll nicht zu früh aufgehoben und in Reflexion verwandelt werden.Aber ich werde dennoch oft ihm sagen: „Tu mußt dir das zum Grundsätze machen"und werde ihm denselben gelegentlich in Erinnerung bringen.
ä. Wie sehr das Vorhalten tüchtiger Charaktere aus Geschichte und Leben ausCharakterbildung wirkt, bedarf als anerkannte Wahrheit keiner Erörterung.
s. Doch nicht bloß das Anschauen ausgeprägter Charaktere, sondern das Lebenin seiner ganzen Bewegtheit und Mannigfaltigkeit ist dazu angethan, den erst werdendenCharakter zu entwickeln und so consolidiren. Deshalb ist das Heraustreten aus demElternhause in dem für die Charakterbildung entscheidenden Lebensalter ein unent-behrliches Erfordernis zur Charakterbildung. Die Friction mit der Welt nöthigt denjungen Menschen, sich auf sich selbst zu stellen, sich auf das Recht oder Unrecht seinerindividuellen Neigungen und Gewohnheiten zu besinnen, sie wirkt reinigend undstählend, indem das Falsche, Nichtige daran fallen muß, das Tüchtige, Lebenskräftigeaber sich seines Rechtes bewußt wird und den Muth gewinnt, sich der Welt gegen-über geltend zu machen. Eine Mittelstellung in dieser Beziehung nimmt die Schuleein; sie kann ebenfalls dem Einzelnen nicht die individuelle Rücksicht schenken, wiedas Haus, schon weil die Menge der Schüler und der Charakter einer öffentlichenAnstalt eine gesetzliche Gleichmäßigkeit erfordert. Aber sie kann und soll doch auchwieder etwas von einer Familie haben; und bei aller Gleichheit vor dem Gesetz, beialler Gemeinsamkeit der Arbeit hat der Lehrer noch genug Gelegenheit, den Einzelnenzu beobachten, seine Eigcnthümlichkeit zu erkennen, zu bilden, zu entwickeln, und soauf positivem und negativem Wege sein gutes Theil zur Charakterbildung bcizutragen