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1 (1877) A - Liebe
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Baden.

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Baden der Jugend gieng nun mit dem der Erwachsenen Hand in Hand, und als csaus der Volkssitte verschwand, wurde cs auch der Jugend immer mehr entzogen.Theils hieraus, theils aus einer gcwißen in die Erziehung eingedrungenen Unnaturund Verschrobenheit floß später die Meinung, als sei das Flußbad der guten Sitteund dem Anstande zuwider, ein fleischliches, sündliches und darum nicht zu gestattendesVergnügen. Schon Trotzenderf (-f 1556) verbot in seinen Schulgesetzen daSBaden zur Sommerszeit (Raumer, Gesch. d. Päd. I. S< 221). Eine Execution inder Schule für Badexcesse, d. h. für das Vergehen, gebadet zu haben, gehörte imvorigen Jahrhundert und noch im Anfänge des jetzigen nicht unter die Seltenheiten;ja ein gestrenger Gymnasialrector in einer bedeutenden Stadt Bayerns eiferte nochvor etwa 40 Jahren laut gegen dieteuflische Wollust des Badens". Die neuerePädagogik hat sich mit der allerdings auch im Baden liegenden, nur nicht eben teuf-lischen Wollust auseinandergesetzt und demselben seine Stelle in der Pflege der Jugendangewiesen. Neben den Vorthcilen der Reinlichkeit und einer woferne nurüber einige Regeln der Schicklichkeit und Gesundheit gewacht wird harmlosen underheiternden Recreation für Leib und Seele empfiehlt sich namentlich das Badim Freien durch seine Wirkungen auf die leibliche Gesundheit.

Ist gleich die erste Wirkung des kalten Wassers ein Generalsturm auf den Leib,der das Blut von den Außenwerken nach dem Innern zurückscheucht und zunächstSchauder und Schrecken, Zittern, Blässe und Beklemmung zur Folge hat, so kehrtdoch bald das so zurückgcjagte Blut in lebhafter Reaction nach außen zurück undbewirkt dann eine wohlthuende Wärme, ein behagliches Gefühl der Erfrischung überden ganzen Leib. Stärkung der Haut, der Muskelfasern und Nerven, Beförderungder Ausdünstung, überhaupt Beschleunigung des Stoffwechsels, Hebung mancherStockungen, Steigerung der Eßlust, guter Schlaf, Gewöhnung der Haut an rauhereEindrücke und größere Widerstandskraft gegen die Einflüsse der Witterung, das sindgroße, für jedermann und besonders auch für die Jugend hoch anzuschlagende gesund-heitliche Vortheile deS kalten Bades, welche ihrerseits auch wieder günstig auf dasseelische Leben zurückwirken und Muth und Frische, Arbeitslust und Thatkraft steigern.

Schule und Familie werden darum wohl thun, wenn sie das Baden der ihrerPflege befohlenen Jugend möglichst befördern, Gelegenheiten dazu benützen oderschaffen (in wasserarmeren Gegenden z. B. durch Graben eines Bassins neben einemBache) und durch passende Aufsicht die möglichen leiblichen und sittlichen Nachtheileferne halten. Nothwcndige oder wenigstens räthliche Bedingungen find dabei:

1) Vor dem Bade: Nicht mit ganz leerem Magen, nicht vor vollendeter Ver-dauung, am wenigsten überfüllten Leibes, auch nicht im Gefühle zufälliger Kränklich-keit! Nicht ohne von etwaiger Erhitzung hinreichend abgekühlt zu sein! Abkühlunglieber in den Kleidern, als außer denselben, in keinem Falle bis zum Gefühle desFröstelnS; denn die Reaction des Gefäßsystems ist kräftiger bei noch etwas lebhafteremBlutumlauf.

2) Ins Bad: Wer Muth hat, kann sich mit dem Kopf ins Wasser stürzen,oder auch, wo der Boden sicher ist, mit geschlossenen Füßen von oben hineinspringen(sich auf den platten Leib hineinwerfen wäre sehr schädlich). Wer dazu sich nichtentschließen kann, der gehe ein paar Schritte hinein, benetze Kopf und Brust, unddann rasch den ganzen Leib hinunter!

3) Im Bade: Rühre dich, wehre dich mit Händen und Füßen, mit Waschen,Reiben, Plätschern, Tauchen, am besten, wers kann, mit Schwimmen! Nur nicht odernicht viel stille gestanden! Faules Herumliegen im seichten Wasser oder bloße Spie-lereien der jungen Bader statt des Bades selbst sind nicht zu dulden.

4) Aus dem Bade: Je kälter das Wasser, je kürzer das Bad und umge-kehrt. Fünfzehn Minuten sind auch bei hoher Temperatur des Wassers vollkommenzureichend; für den Schwimmer ist eine Stunde nicht zu viel. Hauptregel: bleibeim Wasser, so lange es dir behagt, d. h. nicht bis ein zweiter Frost cintritt!

5) Nach dem Bade: Es ist gut, sich rasch abzutrocknen und anzukleiden, unddarnach mäßige Bewegung.

Der Nutzen des Badens ist gleich für beide Geschlechter; bei dem Freibadendürfte übrigens das männliche Geschlecht vorzugsweise in Betracht kommen. Ter