Augustinus.
Ausgelassenheit.
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hatte, und du erhörtest sie. Du hast nicht verachtet ihre Thräuen, womit ihre Augendie Erde netzten, wo sie zu dir rief, o treues Erbarmen, und du erhörtest sie!")
In der andern obengenannten Beziehung geben uns Augustins Jngcnderiuue-rungen eine Zeichnung von der Bildungslanfbahn, auf die selbst Christen, wenn sicüberhaupt eine wissenschaftliche und staatsmännische Bildung erlangen wollten, ange-wiesen waren, weil keine eigenen christlichen Lehranstalten bestanden. Nicht nur derVater Augustins wollte einen Redner aus seinem Sohne machen, sondern auch dieMutter wußte es nicht anders; so las er denn in der Schule heidnische Schriftsteller,an denen seine Phantasie sich erhitzte; ein Schnitzer galt für ein viel größeres Ver-brechen als ein sittliches Vergehen. Zum Lernen habe man ihn anfangs zwingen müßcn(B. I. Cap. 12); aber als er lesen gekonnt, haben ihn die Mythen so sehr ange-zogen, daß, wenn ihn jemand am Lesen derselben verhindert habe, er darüber ärger-lich geworden sei; nur das Spiel war ihm oft lieber, als solches Lernen. DieSchuldisciplin erscheint als eine sehr rohe (B. I. Cap. 9): „Ich flehte zu dir, soklein ich war, mit nicht kleiner Inbrunst, du mögest mich in der Schule vor Schlägenbewahren... Ich erhielt Streiche, weil ich gerne Ball spielte und dadurch am Er-lernen jener Kenntnisse gehindert wurde, mit welchen ich in spätem Jahren noch häß-licher spielen sollte." Dies bezieht sich auf den höhern Curs in der Rhetorik, woer lernen mußte, mit advocatischer Sophistik die Wahrheit behandeln und mishandcln.Welchen Einfluß daS Theater auf die Phantasie des Knaben und Jünglings übte, schilderter B. III. Cap. 2. — Einen mächtigen Eindruck machte es auf ihn, als er an einephilosophische Schrift von Cicero gerieth (B. III. Cap. 4); cs erwachte das philoso-phische Interesse in ihm, und merkwürdig ist, wie dies in ihm sogleich eine religiöseRichtung nahm: „Entzündet wurde ich von dieser Schrift, nur dämpfte das meineGlut, daß Christi Name nicht darin war; denn nach deiner Erbarmung hatte meinjunges Herz schon mit der Muttermilch den Namen meines Erlösers, deines Sohnes,cingesogen und werthgehaltcn, und auch das Gelehrteste, Ausgebildctste und wahrstGesprochene gewann mich nicht ganz, wenn jener Name ihm fehlte" — eine Stellevon großem Gewicht, ein Bekenntnis, dem sich viele ähnliche von Männern anreihcnkönnten, die allen Negationen Preis gegeben, lediglich durch diese mit der Mutter-milch eingesogene Liebe und Ehrfurcht gegen den Herrn vor dem geistigen Verkommenbewahrt und zum Glauben zurückgeführt wurden.
Aus seiner späteren Thätigkeit haben wir nur noch eine Schrift zu erwähnen,die speciell katcchetischen Inhalts ist: äs eateoiuMiäis ruäibus; eine Schrift, womiter einem jüngeren Geistlichen auf dessen Bitte Anleitung zur Behandlung der Kate-chumenen ertheilt, und die heute noch von jedem, der das Fach der Katechese sorg-fältiger studiren will, gelesen zu werden verdient. S. übrigens den Art. Katechetik.
Weniger bedeutend für die Geschichte der Pädagogik ist seine Schrift über diexrinoipia rllstorioss, und eine andere äs musiea. Mehr könnte es dem Zwecke despäd. Handbuchs entsprechend scheinen, an die Einrichtung Augustins zu erinnern, die erals Bischof von Hippo traf, um seinen Klerus zu einem klösterlichen Leben zu vereinigen,ein Beispiel, das vielfach nachgeahmt wurde und allerdings auch als eine der geschicht-lichen Wurzeln zu betrachten ist, aus welchen die Priesterscminarc hcrvorgewachscnsind; allein da die Zöglinge dieses Instituts, wenn man sie überhaupt so nennenkann, bereits Männer waren, und ihre Hebungen lediglich in mönchischer Ascesebestanden, so beschränkt sich die Wichtigkeit des Instituts auf seine kirchengeschichtlicheBedeutung als Gründung des sogenannten kanonischen Lebens.
Ausgelassenheit, Besonnenheit, Muthwille, Neckerei. Ausgelassensein heißt sich seinen in hohem Grade lebhaften Empfindungen hingcben, ohne sichin den gebührenden Schranken zu halten. Es kann jemand in der Trauer ausge-lassen sein, wie in der Freude, in der Liebe, wie in dem Zorn. Die Kinder sindausgelassen bei ihren Spielen und Vergnügungen, wenn sie die Grenzen von Zeitund Anstand überschreiten, auch wohl die Rücksicht auf ihre Gesundheit außer Achtlassen, und nichts darnach fragen, daß sie ihrer Umgebung lästig werden, ihre.Arbeiten versäumen u. s. w.
Padag. Handbuch. 7