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Augustinus.
nicht näher zu erörtern; aucb seine Lehre von der Erbsünde lasten wir mit ihrenpädagogischen Konsequenzen hier ebenfalls noch bei Seite, da dem Dogma von derErbsünde nach seiner pädagogischen Wahrheit und Bedeutung ein eigener Artikel ge-widmet und dabei auf die augustinischc Gestaltung dieser Lehre Rücksicht genommenwerden wird. Gegenwärtige Zeilen dagegen haben nur den Zweck, namhaft zu machen,was sich in Augustins persönlicher Lebensentwicklung theils in allgemein pädagogischerHinsicht, theils in Bezug auf die Geschichte der altchristlichen Erziehung und Schul-bildung bemerkenswertes darbietet, und was uns, als Zug im Leben eines Mannesvon solcher Große, um so werthvoller ist, weil wir uns ein historisches Bild von derPädagogik der altchristlichcn Jahrhunderte fast nur aus solchen Zügen construirenkönnen.
Zunächst ist es das Bild seiner vortrefflichen Mutter Monica, was den christ-lichen Pädagogen in hohem Grade interessiren muß: wie sie ihren noch heidnischen,aufbrausenden Gatten Patricias durch unendliche Liebe und Sanftmuth für das Chri-stenthum zu gewinnen weiß; — wie sie in ihres Sohnes früheste Kindheit mit in-brünstiger Frömmigkeit die Saatkörner christlichen Lebens ausstreut, die nach jahre-langer Verschüttung dennoch später so reichliche Frucht trugen; — wie sie Jahrzehentehindurch Kummer über Kummer um des Sohnes willen zu tragen hat, da er, vonrasch auflodernder Sinnlichkeit, vornehmlich von zwei Leidenschaften, Ehrgeiz undFleischeslust gestachelt, auf schlimme Abwege geräth; — wie sie aber nie abläßt, fürihn zu beten und zu hoffen, denn „der Sohn so vieler Thränen kann ja nicht ver-loren gehen* (dies sagte ihr nach 6cml. III, 12. „ein gewißer Bischof," der Traditionnach Ambrosius, was aber chronologisch nicht denkbar ist, nach wahrscheinlicher An-nahme der Bischof von Tagastä); — wie sie ihn, den gefeierten Redner und Lehrerder Beredsamkeit, von sich ziehen lassen muß, da er nach Karthago, Rom und Mai-land geht, wo ihn der heilige Ambrosius sowohl durch seine Rednergabe als durchdie Macht seiner ganzen Persönlichkeit dergestalt fesselt, daß er sich endlich aus seinemweltlichen Sinne losringt; — wie endlich die treue Mutter, die ihm dahin nachge-gangen, ihn als einen neuen Menschen wiedcrfindet, der sich nach ernster Vorberei-lung in der Osternacht 387 von Ambrosius taufen läßt. (An diesen Momentknüpft die christliche Sage die Entstehung des sogenannten ambrosianischcn Lobge-gesanges, des I?s vsum, der jedoch älter und ohne Zweifel morgenländischen Ursprungsist; bei Augustins Taufe nämlich soll Ambrosius begeistert in die Worte ausgebrochensein: !Is Dsum lauäamus.) Ihres Lebens höchsten Wunsch hatte die Mutter erreicht;kurz darauf gieng sie ein zur Ruhe. (Eine überaus anziehende Lebensschilderung hatAhlfeld gegeben in dem Schriftcken: Monica, ein Lebensbild; Hamburg, Agenturdes rauhen Hauses, 1853. 55 Seiten.)
lieber dieses sein Jugcndlcbcn, das ihm als Mann in der düstersten Farbe vorAugen stand, hat Augustin „Bekenntnisie" geschrieben, die von hohem pädagogischemWerthe sind (deutsch übersetzt z. B. von Georg Rapp). Schon in den ersten Regungenkindischen Eigenwillens erkennt Augustin (B. I. Cap. 7) die sündige Begehrlichkeitund verfolgt die Züge der sich aus diesen Anfängen weiter entwickelnden Sünde durchalle Stadien hindurch bis zu den argen Verirrungen des Jünglings; überall kommter zu dem Resultat: „Ist das kindliche Unschuld? Nein, sie ist es nicht!" Ueberallfindet er, daß alle die Entschuldigungen des jugendlichen Bösen nichtig seien, daß eswirklich die Lust am Bösen, an der Sünde als Sünde sei, was zum Thun des Ver-botenen reize (B. II. Cap. 4 und 6). Aber nie unterläßt er, auch der selbst unterseinen Sünden ihn im Auge behaltenden göttlichen Liebe zu gedenken und sie zupreisen, daß sie ihn darin nicht untergehen ließ. (B. III. Cap. 3: „Aber von Ferneschwebte um mich dein treues Erbarmen; überall züchtigtest du mick, in welchenPfuhl von Schändlichkeiten ich mich auch warf;" B. II. Cap. 7: „Lieben will ichdich, Herr, danken dir und deinen Namen bekennen, daß du eine solche Sünde ver-geben ha>t; denn wem danke ichs, als deiner Gnade und Erbarmung, daß du meineSünden schmelztest wie das Eis?" B. III. Cap. 11: „Du recktest deine Hand ausder Höhe und rißest aus dieser tiefen Nacht meine Seele, da für mich meine Mutter,deine Getreue, inniger zu dir weinte, als sonst Mütter ihre leiblich Tobten beweinen.Sie sah mich dem Glauben und dem Geiste gestorben, die sie von dir empfangen