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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Ausgelassenheit.

Mit der Ausgelassenheit der Jugend ist leicht MuthWille verbunden, d. h. dieLust, mit anderen Scherze zu treiben oder ihnen Streiche zu spielen, ohne darnachzu fragen, ob solche empfindlich find oder nicht. Man läßt der augenblicklichen Stim-mung den Zügel schießen und fügt mitunter andern bedeutenden Schaden zu, ohnecs gerade zu wollen. Der Muthwille wird zur Neckerei, wenn man darauf aus-geht, andere zu reizen oder in Verlegenheit zu bringen. Namentlich ist der Witzigein Gefahr, ein Neckcr zu werden, wenn er sich nicht frühe daran gewöhnt, seine Ein-fälle im Zaume zu halten, und sich erst zu besinnen, ehe er spricht. Vor den ge-nannten Fehlem, welche alle in einander greifen, bleibt der Besonnene bewahrt,denn er überlegt erst, che er redet oder handelt; er prüft, ob es gut oder bösesei, was er vorhat, ob anständig oder unanständig, und berechnet die Folgen.Die Besonnenheit ist mehr dem späteren Alter eigen, als der Jugend; doch solldiese dazu angehaltcn werden, wenn man ihr auch bei ihrer größeren Erregbar-keit unbesonnene Streiche noch nicht allzu hoch anrechnen darf. Unnatur wärees, von den Kindern bei ihren Spielen die Ruhe und das regelrechte Verhaltenzu verlangen, welches man von Erwachsenen erwartet. Ihre Lebhaftigkeit reißt sieunwillkürlich zu Ueberschrcitungcn fort. Selbst muthwillige Streiche und Neckereiensind gerade bei lebhaften Temperamenten nur eine Kraftäußerung, welche der Erzieherwohl zügeln, aber nicht unterdrücken soll. Hebel ist in seiner Jugend ein so aus-gelassener, muthwilligcr Knabe gewesen, wie nur wenige seinesgleichen, und doch einliebevoller, biederer Charakter geworden; umgekehrt ist cs Erfahrungsthatsache, daßvielfach solche Kinder, die auch von erlaubten Ergetznngen wider Willen zurückgerissenworden, sobald sie der verdrießlichen Aufseher los sind, alsdann in ein um so unbän-digeres und dissolutcres Leben gcrathcn, als andere, welchen man von Jugend aufeine ziemliche Freiheit gestattet hat. Wie sich von selbst versteht, soll damit nichtbehauptet werden, daß die Ausbrüche jugendlicher Lebhaftigkeit vom pädagogischenStandpuncte aus gleichgültig übersehen werden dürften. Das ist ja eine Aufgabedes Menschen, daß er Herr bleibe seiner Gefühle und sich nicht denselben willenlosüberlasse. Auch hier heißt cs, wie man den Knaben gewöhnt in seiner Jugend, läßter nicht davon, wenn er alt wird (Spr. Sal. 22, 6). Wenn man die kleinen Kinderbei ihren Vergnügungen nicht in Schranken hält, so werden sic sich als Jünglingein wilderen Ausbrüchen der Ungcbundenheit gehen, vielleicht selbst in männlichenJahren sich noch manchmal von ihrer jeweiligen Gemüthsstimmung über Gebührbeherrschen lassen, daher die oft an Roheit und Frevel grenzenden muthwilligenStreiche der Heranwachsenden Jugend. In Schulen und Erziehungsanstalten mußschon um der zu handhabenden Drdnung willen den Ucbertrcibungen beim Spiel, denAusbrüchen des Muthwillcns, den Neckereien u. s. w. Einhalt gethan werden.Geschieht das nicht, so schleicht sich ein Geist der Zügellosigkeit und Ungcbundenheitein, welcher schwer zu überwältigen ist. Man gewöhne also die Kinder, sobald siesich besinnen und überlegen können, daß sie mit Besonnenheit und Ueberlegung handeln.Wo es ohne Gefahr geschehen kann, mögen sic auch durch Schaden klug werden.Eine kleine Verwundung mit dem Messer und Aehnlichcs giebt eine heilsame Lehrefür die Zukunft, namentlich, wenn noch ein zeit- und sachgemäßes Wort daran ange-fchlosscn wird. Es wird auch sonst nicht an Veranlassungen fehlen, die Regel cin-zuschärfen:Was du thust, bedenke das Ende;" und den Erfahrungssatz zu beweisen:Vorgcthan und nachbcdacht, hat manchen in groß Leid gebracht." Man gehe denKindern mit Rath und That an die Hand, daß sie sich in den Ansbrüchen ihrerFreude mäßigen lernen, gebe ihren Gedanken zur rechten Zeit eine andere Richtungund schärfe das Pflicht-, Rechts- und Anstandsgcfühl, damit dieses vor andern Ge-fühlen und Empfindungen den Vorrang behaupte. Man halte strenge darauf, daßder in der Ausgelassenheit ausgcübte Schaden möglichst ersetzt werde und gewöhnedie Kinder daran, daß es ihr Grundsatz werde:Was du nicht willst, daß man dirthu, das füg auch keinem andern zu." Kinder, die sich bei den Spielen nicht zumäßigen wissen, mögen eine Zcitlang von den gemeinsamen Spielen ausgeschlossenbleiben, damit Iw Besonnenheit lernen. Unter Umständen kann diese Strafe übereine ganze Elaste ausgesprochen werden. Wenn in einer Schule Muthwillen undAusgelassenheit herrschender Ton werden, so hat cs mit Unterricht und Erziehung'