Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

Aufnahme.

Augustinus.

95

Gedächtnis u. s. w. so weit entwickelt, daß der gelinde Anfang einer ernsteren Beschäf-tigung, einer etwas anhaltenderen Spannung der Aufmerksamkeit, einer unbewußtwaltenden Gcisteszucht naturgemäß zu sein scheint. Gesunde Kinder dieses Alterssind vollkommen befähigt, zwei bis drei Stunden des Tages mit angemessenen Unter-brechungen, bei aufmunternder Ansprache zu sitzen und ihre natürlichen Bewegungenetwas zu meistern, vorausgesetzt, daß man sie nicht einzwängt und einschüchtcrt undneben dem Ernst der Zucht der kindlichen Lebhaftigkeit ihren "unschuldigen Spielraumläßt. Sollte aber jemand der Meinung sein, die Kinder kommen damit zu spät indie Schule, sie seien schon früher empfänglich und geweckt, und hätten so viel zulernen, daß man wohl früher anfangen sollte, so möge doch wohl erwogen werden,daß die große Mehrzahl der Kinder, von denen hier die Rede ist, nicht in solcherUmgebung aufwächst, in welcher ihre geistigen Kräfte so gar frühe angeregt und ge-weckt würden, daß gar vielen fast die erste geistige Nahrung erst durch die Schulezugeführt wird, daß in früheren Jahren die den untern Schichten der Gesellschaftanhängende natürliche Schwerfälligkeit das Leben dieser Kinder noch viel zu stark be-herrscht, als daß nicht der Schule, welche gegen die Stumpfheit dieser Kinder nochim siebenten Jahr viel zu kämpfen hat, eine allzuschwere Aufgabe erwachsen würde.Die Aufgabe der Volksschule aber kann, wenn man sie anders nicht über Gebührsteigert, in einem siebenjährigen L-chulcurs vollkommen erreicht werden; wo sie nichtoder nur schwer erreicht wird, da dürfte eher durch einen Zuwachs am Ende, alsam Anfang der Schulzeit ein Gewinn zu hoffen sein, wie auch in der That schonfast überall Fortbildungsschulen für die confirmirte Jugend eingeführt worden sind.

Eine weitere allgemeine Bedingung für den erstmaligen Eintritt von Schülernin die öffentlichen Schulen ist in ganz Deutschland die Nachweisung der Vaccina-tion, wodurch die Schulen in gesundheitspolizeilichcr Hinsicht vor Verbreitung derPocken sicher gestellt werden sollen.

Was zuletzt noch die Form der Aufnahme der Schüler betrifft, so ist vorerstüberall dafür zu sorgen, daß die Termine der Aufnahme gehörig bekannt gemachtwerden, was bei den Volksschulen am besten, wie dies auch meistens eingcführt ist,von der Kanzel aus geschieht. Nicht selten wird in Betreff der Volksschule die Listeder aufnahmepflichtigcn Kinder, welche der Geistliche oder Ortsvorstand oder Kirchen-vorstand aufnimmt, öffentlich verlesen. Mit dem Eintritt der neu aufgenommenenSchüler aber sollte, wie auch in manchen Staaten, z. B. Königreich Sachsen, Kur-hessen, vorgeschrieben ist, eine angemessene Feierlichkeit verbunden werden. Es scheintnatürlich, daß die Eltern erstmals ihre Kinder selbst zur Schule bringen, daß diesedort von dem Lehrer und den übrigen Kindern etwa mit Gesang empfangen, undwenn sie dann in der Schule alle versammelt sind, von dem Geistlichen, in Gegen-wart der Schulvorstände und Eltern, unter herzlicher Ansprache mit Gebet einge-segnet und von dem Vorstande der Ortsschulbehörde dem Lehrer übergeben werden.Wir glauben, eine solche Feierlichkeit müßte tiefe Eindrücke in den Kindern zurück-lassen, müßte dem Lehrer, welchem das jährliche Gehen und Kommen so leicht zurGewohnheitssache wird, jedesmal wieder einen neuen Schwung geben, und die Be-deutung der Schule in den Augen der Eltern, die ohnehin den ersten Eintritt einesKindes in die Schule ernst und wichtig zu nehmen geneigt sind, erhöhen. Freilichdarf hier nichts gemachtes sich einmischen; alles muß sich gleichsam von selbst machenund wenn es zu Herzen gehen soll, von Herzen kommen.

Ansuahmcbuch, s. Schularten.

Aufrichtigkeit, s. Wahrhaftigkeit.

Aufrülken, s. Versetzung.

Aufsähe, s. deutsche Sprache.

Aufsicht, s. Beaufsichtigung.

Schulaufsicht, s. Schulregiment.

Aufsteigen, s. Versetzung.

Augenmaß, s. Sinnenübung.

Augustinus (Aurelius), geb. zu Tagastä in Nordafrika 353, si als Bischofvon Hippo 429. Des Mannes hohe Bedeutung, die ihm als dem größten derKirchenväter in der Dogmen- und Kirchengeschichte zuzuerkennen ist, haben wir hier