Aufklärung.
Aufmerksamkeit.
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oder verkündigt werden. Aber dies Geheimnis ist nicht in der Art ein absolutes,daß auch gar kein Blick in seine Tiefe hinein möglich wäre — wie hätte sonst Paulusdie Tiefe der Weisheit und der Erkenntnis Gottes rühmen können, wenn sic ihm voll-kommen unerkennbar gewesen wäre? So muß auch über die himmlischen, übersinn-lichen Dinge das innere Auge jedes Christen sich öffne» zu einem Schauen, zu einerunmittelbaren, wenn gleich noch sehr unvollkommenen Erkenntnis, auf der die Glau-bensgewißhcit beruht. Aber so gewiß diese ein Werk desselben Herrn ist, der denBlinden die Augen aufgethan, so gewiß ist auch dieses Ziel pädagogisch, d. h. durchmenschliche Vermittlung anzustreben; es fragt sich nur, welcher Weg hiezu der rechteist. Beweisführung des Verstandes allein, mathematische und physikalische Ar-gumentationen thuns wahrlich nicht: sie sind vielmehr eine Profanation des Heiligen.Im Kinde selbst liegen zwei Momente, an die der Religionslehrcr anknüpfen muß:nämlich erstens die Pietät und zweitens die Poesie. Beide erwachen und üben sichzunächst an endlichen Objecten: aber während jene das Menschenherz fähig, ja es ihmzum Bedürfnis macht, sich in Liebe und Ehrfurcht an ein Höheres und Höchstes hin-zugeben, so weckt und stärkt diese die Fähigkeit des geistigen Schauens, so daß eben-sosehr das Abstracte sich alsbald umsetzt in ein Concrctes, Lebendiges, als umgekehrtim Concreten, Sinnlichen ein Geistiges, das Sinnliche als Hülle, als Verkörperungdes Geistigen angeschaut wird. Ist Geist und Gemüth so gestimmt, und wird ihmin einer dem conformen Weise auch der religiöse Erkcnntnisstoff dargeboten, so daßdie allerdings nöthige begriffliche Analyse immer ihren Hintergrund und ihr Comple-ment an jener Gemüthsstellung hat, dann ist und bleibt dem Kinde das heilig, washeilig ist; cs begehrt nicht, in der Weise darüber aufgeklärt zu sein, wie man ihmeine verworrene Rechnung, eine verwickelte Periode aufklärt, wo kein Residuum bleibt;und doch ist ihm auch das Residuum in göttlichen Dingen nicht ein dunkler Schatten,sondern etwas im Geiste geschautes, daS ein seliges Licht in Herz und Leben hcrein-wirft; dies Schauen zwar ist noch (1. Kor. 13,12) ein Schauen durch einen Spiegelim dunkeln Wort, aber zugleich der Anfang einer unendlich herrlichen Aufklärungalles dunkeln, eines Schauens von Angesicht zu Angesicht.
Aufmerksamkeit. „Aufmerksamkeit in der Schule ist das Hingcrichtetscin allerKräfte der Seele auf den Gegenstand des Unterrichts. Sie gicbt sich zu erkennendurch die straffe Haltung des ganzen Körpers, durch das lebendig blickende Auge,und durch die Belebtheit, welche die Gcsichtszüge durch die Thätigkcit der Seeleempfangen. Das Gegentheil der Aufmerksamkeit ist die Zerstreutheit. Sie verräthsich in der schlaffen, zusammengesunkcnen Haltung, dem starren und leblosen oder demumherschweifendcn, unsicheren Blick, den gleichgültigen oder fremdartige Seelenstim-mungen verrathenden Gesichtszügen." (Bormann).
Aufmerksamkeit ist die unentbehrliche Grundlage für sicheres Wissen und Können;noch wichtiger ist sie für die sittliche Entwickelung des Kindes. Wer nicht aufmerken,mit gesammelten Gedanken auf Gesagtes und Befohlenes achten lernt, ist auch nichtzuverlässig in der Ausführung und Besorgung und erweist sich selbst zu den geringstenGeschäften unbrauchbar. Gehorsam setzt Aufmerksamkeit voraus und Aufmerksamkeitist schon Gehorsam. (1. Sam. 15, 22.)
Die Aufmerksamkeit ist doppelter Art, entweder eine unwillkürliche oder einewillkürliche. Die Aufmerksamkeit ist eine unwillkürliche, wenn sie sich für die Ge-genstände ganz von selbst macht. Die willkürliche dagegen ist von Gewöhnung,Üebung und Interesse an dem Gegenstände, auf den sie gerichtet ist, abhängig. Siemuß durchaus erst gelernt werden. Selbst ernstes, momentanes Wollen reicht nichtaus, um das Aufmerkcn ohne Abschweifung längere Zeit auf einen bestimmten Ge-genstand zu concentriren; daher muß ein Unterricht, der diesen Umstand übersieht oderibn nickt fest genug im Auge behält, nothwendig mehr oder weniger unfruchtbar undunerquicklich werden. Erinnerungen, wie: „seid doch aufmerksam" oder „hübsch auf-gepaßt," sind Appellationen an den Willen, die wohl zuweilen nothwendig sein mögen,die aber für sich allein sehr wenig auSrichtcn. Der Unterricht hat vielmehr daraufauszugehen:
I. Die unwillkürliche Aufmerksamkeit des Kindes gehörig zu benutzen.
1) Vor allem muß die Persönlichkeit des Lehrers die Wirkung auf daS