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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Aufklärung.

in der Einbildung bestehe, die durchaus geeignete Methode. Ferner wenn sich dasdurch ungesunde Einflüsse irre geleitete Gewissen beunruhigt über Dinge, die sittlichindifferent, d. h. die dem Rechte der sittlichen Individualität anheimzustellen sind; wennDinge, die sogar sittlich gut und pflichtgemäß sind (wie z. B. Association zur Ent-schädigung für Verluste durch Brand, Hagel rc., oder medicinische Vorkehrungen gegenKrankheiten, wie durch Impfung) als Eingriff in Gottes Allmacht, als ein Versuch, sichwider Gott selbst zu versichern, betrachtet und somit zur Sünde gemacht werden; wennrein materielle Gegenstände, die erst durch Mißbrauch ein Anlaß zur Sünde werden,an sich selbst schon als sündig, als dämonisch betrachtet werden, als ob das Dämonischeim Stoffe und nicht vielmehr im bösen menschlichen Willen läge; wenn die pflicht-mäßige Anhänglichkeit an die eigne Confession durch den Mangel an allgemeiner Liebeneben der Bruderliebe (2 Petri 1, 7) zu solcher Herzvcrengeruug führt, daß der Ka-tholik den Protestanten, der Lutheraner den Rcformirten nicht als Bruder anzusehenim Stande ist: dann ist abermals die Aufklärung als Reinigung und Befreiung dessittlichen Urtheils nothwendig, was aber wieder nicht auf negativem Wege indemman alles derartige kurzweg für Bornirtheit, für Unsinn erklärt, sondern durchpositive sittliche Belebung und Kräftigung der obersten sittlichen Kraft, der Liebe,möglich, ohne welche selbst ein Glaube, der Berge versetzt und eine Erkenntnis, diealle Geheimnisse weiß, nichts ist. Das ist die Macht der Liebe, daß sie das Per-sönliche höher stellt, als Formen und Worte; wer persönlich dem Herrn nahe steht,hat daran mit allen, die ebenfalls persönlich ihm nahe stehen, einen Vereinigungspunct,hinter dem die Differenzen, so wichtig sie in anderer Hinsicht sind, doch als secundärzurücktreten mäßen. In dieser Weise über Confessionsuntcrschiede aufgeklärt denkenist etwas andres, als Jndifferentismus; solche Aufgeklärte waren auch Zinzendorf,Bengel, Detinger und andere Männer von sehr ausgeprägt-positiver Glaubcnsrichtung.(siehe darüber weiter deu Artikel Toleranz.) Der christliche Erzieher nun würde,wenn er allein auf den Zögling wirkte, eigentlich nie erst aufzuklären, d. h. jeneDünste zu vertreiben haben, weil sich unter seinen Auspicien gar keine solche über demGeiste des Zöglings sammeln könnten; aber der Lehrer, der seine Zöglinge aus demVolksleben heraus erhält, stößt da bereits auf Vorstellungen, die sich mit christlicherWeisheit und Freiheit nicht vertragen. Diese nun zu zerstören, aber so, daß nichtmit denselben auch Wahres und Gutes, auch Glaubensinnigkcit und Lebensernst zer-stört wird, oder daß nicht er selbst sich in den Ruf eines Freigeistes bringt: das isteine Aufgabe, die nur gelöst werden kann im Geiste evangelischer Weisheit, so daßschonende Liebe auch das Unrichtige einstweilen trägt, aber innerlich durch die positiveMacht der Wahrheit und Liebe dasselbe so nnterhöhlt wird, daß er seiner Zeitvon selbst und ohne die Gefahr einer schnellen Operation abfällt. (Vgl. d. Art.Aergernis.)

Wenn wir aber als zweiten Satz diesen aufstellcn: Es können und mäßen nichtalle Dinge aufgeklärt werden, so setzen wir uns hiemit erst in directesten Gegensatzzu den Aufklärern von Profession. Ihnen war alles zuwider, was nicht platt vorallen Augen lag; nicht nur Geheimnisse der Religion, nicht nur die Ursachen derNaturerscheinungen sollten bloßgclegt werden selbst die Verhüllung geschlechtlicherDinge erregte ihren Zorn, weil cs nichts geben sollte, mit dem der hausbackene Ver-stand nicht vollständig im Reinen wäre, nichts, worüber er in heiliger Scheu zuschweigen hätte. In dieser Beziehung müßen die Kinder zunächst gewöhnt werden,sich in Bezug auf Dinge, die sie noch gar nicht wissen sollen, zu bescheiden, also nichtweiter nachzufragcn, sondern sie auf sich beruhen zu lassen als Sachen, über die mannicht spricht. Wohl müßen dem Zögling zu seiner Zeit auch über diese Dingedie Augen aufgehen; aber er wird sie anch dann noch mit jener Scheu behan-deln, sie züchtig und schamhaft verhüllen, wenn er darüber nicht im falschen Sinneaufgeklärt, sondern nur in naturgemäßer Weise zum Bewußtsein gekommen ist. Sofortaber müßen sie lernen, daß es über der sichtbaren Welt eine andere giebt, die zwarin die sichtbare hereinwirkt, aber uns im zeitlichen Leben verhüllt ist. Auf dieserAnerkennung einer Transcendenz beruht schlechthin alle Religion; die Idee Gottes,einer Ewigkeit, einer Gcisterwelt re. muß als etwas über menschliches Begreifen undBeweisen hinausliegendes, als Elaubensobject, somit als Geheimnis einfach gelehrt