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Aufklärung.
klarer gerhan, nicht mit einem kirchlichen oder politischen Censurstriche beseitigen;,gegen eine Zeit, in welcher ein einziges Jahr (1787) die Göthe'sche Jphigenia, denSchiller'schen Ton Carlos, den Mozart'schen Ton Juan hervcrbrachte, der gleichzei-tigen Werke von Kant u. a. nicht zu gedenken, muß sich unsre Gegenwart, die es inJahrzehnten nicht zu einer einzigen Frucht von solchem Caliber bringt, nicht allzusehrin die Brust werfen.
Aufklärung seht — wie das Wort auch zunächst vom Wetter gebraucht wird:„es kläre sich auf" — immer eine geschehene Verdunkelung oder Trübung voraus,die als ein anomaler Zustand nunmehr weggeräumt werden soll. Hierin liegt zwareine Parallele zum christlichen Begriffe der Erleuchtung, aber zugleich ist auch schonder Unterschied von diesem angcdeutet. In der Erleuchtung ist es eine positive Macht,das Licht, welches in einen zuvor finstern Raum tritt; die Finsternis, als das Ne-gative, muß weichen, wo das Licht einfällt. Tie Aufklärung dagegen macht die Luftrein, d. h. leer; für sie ist ein Positives da, welches aber nicht da sein soll (Vorur-theil, Aberglauben, allgemeine Dummheit rc.), dies soll hinweg, damit man frei aus-schauen kann. Wohl bedarf auch die Aufklärung hiezu eines Positiven — sie operirtz. B. gegen die Gewitterfurcht mit der Naturkenntnis — aber dieses positive Wissenist doch nur Mittel, um Altes wegzuräumcn; das Hauptwisscn, die Weisheit, worincs der Aufklärung eigentlich erst wohl ist, besteht immer in der Einsicht, daß es mitdem und dem nichts ist, was die Altvordern für etwas seiendes gehalten. Wasfür sie noch ist, das Positive, was sie anerkennt, beschränkt sich auf das Zweifacher1) was sinnlich wargenommen werden oder mittelst Jnducticn aus sinnlicher War-nehmung geschlossen werden kann, das ist wahr; 2) was irgend Nutzen fürs wirk-liche Leben gewährt, das ist gut. Damit fällt zwar nicht das geistige Leben über-haupt, wie dasselbe vom Materialismus hingerichtet wird; es fällt nicht einmal dieReligion schlechthin zu Boden; aber wie die Religion auf diesem Wege lediglich zumVerstandesproduct gemacht wird, höchstens umflossen von einer Sauce aus sentimen-talen Phrasen, so ist sie auch praktisch nur unter den Gesichtspunct der Nützlichkeitgestellt; sie dient nach ihrer Weise der menschlichen Glückseligkeit, das ist ihr einzigerWerth. Daher fällt denn auch die Geschichte ganz nur unter die Kategorie desNützlichen; bloß sofern man an ihr ein Beispiel hat, was man selber kluger Weisethun und lassen soll, hat sie einen Werth; alles andere mag vergessen werden. AllesIdeale, was die Pietät gegen Geschichtliches, was das Nationalgefühl, was kirchlicheoder volksthümliche Tradition enthält, wird vernichtet, weil es unter jene zwei Grund-sätze nicht paßt; daher hat die Aufklärung, wo sie zahm austritt, etwas unendlichfades, philisterhaftes; wo sie aber lebhaft wird und einhaut, da kommt ein frivolerCharakter zu Tage, dem nichts heilig ist, ein Egoismus, der sich mit dem aufgeklärtenund aufklärcnden Philanthrcpismus ganz gut verträgt, denn letzterer ist bloß dieAnerkennung desselben Egoismus iu jedem andern Individuum und Anleitung, wiein jedem das liebe Ich zu möglichstem Wohlbefinden zu bringen sei. So schlimm,so überaus heillos aber eine solche Richtung ist, wir begreifen doch, wie sie geschichtlichherbeigeführt sein kann.
So wenig die Reformation, trotz des Vorgangs der italienischen Humanisten, jaselbst eines Papsts wie Leo X., mit der Aufklärerei irgend welche Gemeinschaft cin-gicng — denn es war ja eben nicht der Platte, egoistische Verstand, sondern das deutscheGemüth, das christliche Gewissen, das sich von römischer Superstition und römischemDruck emancipirte: so sehr ist doch die Aufklärung eine Frucht des 18. Jahrhunderts,die im 17. gesäet worden war. Denn als einerseits in der lutherischen Kirche dasDogma, daS frisch und lebendig aus Schrift und Gewissen geflossen war, sich zueinem papiernen Papst verhärtet hatte; als die Kirche, statt religiöses und sittlichesLeben unter dem Volke zu wecken und zu pflegen, vielmehr all ihre Kraft in ewigendogmatischen Händeln und theologischen Verketzerungen vergeudete; als sie selbst denPietismus, statt ihn als ein verjüngendes Element in sich aufzunehmcn, vielmehr vonsich ausstieß; als sie weder gegen die aus Aberglauben fließenden Grausamkeiten derJustiz (die Hexcnprocesse) noch gegen das von den Höfen her sich verbreitende Sitten-verderben etwas zu thun sich fähig zeigte; und als nun andererseits die Naturwissen-schaft und die Philosophie sich selbständig ihre Bahnen brachen, als Literatur und-