Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Auctorität.

Aufgaben.

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Richtig geübte Auctorität will nichts anderes als den Werdenden und noch Un-reifen durch das berechtigte Ansehen des Reifen dahin führen, daß er das wird, wozuer selbst im Grunde seines Wesens angelegt ist und will ihn zu nichts anderemanhalten, als was er als Gereifter einst nach eigener Entschließung thun wird. Solange der Erbe ein Kind ist, ist er noch unter den Vormündern; das muß der Erbefühlen, indem er die Macht der Auctorität über sich findet; die Vormünder aber,indem sie diese Macht ausüben, müßeu dessen eingedenk sein, daß das Kind ein Erbeist und zur Sohuschaft berufen.

Aufgaben (Hausaufgaben). Sb dem Schüler Aufgaben fürs Haus ge-geben werden sollen, könnte nur da zweifelhaft erscheinen, wo man das Unterrichtenlediglich als Mittheilung des Wissenswürdigen betrachtet. Ist aber die schule fürdie Jugend vorzugsweise da, um deren Geist zu üben, so kanus nicht zweifelhaftsein, daß ein verhältnismäßiger Theil dieser Uebungen auf das HauS fallen mäße.Es lernt niemand arbeiten, wenn er immer m u ß. Ein Müßen ist freilich auch bei derFertigung von Hausaufgaben, aber kein durchgängiges, wie in der schule. TicHausaufgabe selbst ist geboten, aber Zeit und Art ist dem Schüler mehr oder wenigeranheimgestcllt. Und so wird ihm die Hausaufgabe eine Ucbung in der rechten Zeit-eintheilung, in der Sauberkeit der Handschrift, der Hefte und Bücher, in der Stetigkeitdes Arbeitcns, ja sogar in der Redlichkeit, neben dem, daß er seinen Geist an demvorliegenden Stoffe übt und seine Kenntnisse erweitert und befestigt.

Das Arbeitenlerneu ist der erste, und die Förderung in Kenntnissen der zweiteZweck der Hausaufgaben. Hieraus ergeben sich die Regeln für den Lehrer, welcherHausaufgaben giebt, sowohl in Hinsicht des Maßes, als auch der Art derselben.Zuallererst darf der zweite Zweck nicht zum ersten gemacht, die Gewinnung deSStoffes darf nicht als Hauptsache behandelt werden. Wer den zweiten Zweck zumersten oder zum alleinigen macht, wird seine Schüler überbürden, und damit sichnicht nur an ihrem physischen Wohle versündigen, sondern auch, anstatt sie arbeitenzu lehren, dieselben zur Oberflächlichkeit in ihren Leistungen, mündlichen und schrift-lichen, anleiten, überdem ihnen mit den Hausaufgaben auch die schule selbst cut-leiden. Dagegen wenn wir den ersten Zweck fest im Auge behalten, werden wir ein-mal das Maß der Hausaufgaben mit Leichtigkeit finden und enthalten können. Tennoffenbar wird der Lehrer hier, wie im übrigen Lehrberufe, am besten thun, die mittlereArbeitskraft saurmt der mittleren Zeit zum Maßstabe seiner Aufgaben zu machen,blcbrigens ist die Controls der Hausaufgaben und das Geschäft der Erziehung durchHausaufgaben eine der schwierigsten, wo nicht die schwierigste Aufgabe des Lehrers.Es erfordert auf Seiten des Lehrers eine ganz unermüdete Aufmerksamkeit auf deneinzelnen Schüler und eine große Gewalt über die Gemüther. Tenn manche einzelneSchüler wirdS wohl immer geben, welche nicht anders, als durch Strafen zumArbeiten bewogen werden; aber wenn wirs bei allen oder bei der Mehrzahl bloßdurch Strafen zuwege bringen, so liegt der Fehler an uns. Es muß, was freilicherst im weitern Verlaufe der Lehrtätigkeit erkannt wird, durch Arbeit au uns selbstunsre Willenskraft so erstarken, daß der Schüler auch außer der Schule deren Machtempfindet und hiedurch die natürliche Trägheit allmählich überwinden. lernt. Tiesist die beste Anleitung zur Fertigung der Hausaufgaben; Anweisungen fürs Einzelnesind nicht überflüssig, aber nur dann von wirklichem Werthe, wenn der Antrieb injener Weise von uns ausgeht. Welches Maß aber für jede Art von Schulen undSchülern und jede Altersstufe, welches auch für Knaben und Mädchen da diesesgroße Unterschiede macht das rechte sei, ist geradezu unmöglich anzugcben, weildie Sache zu sehr von den Individualitäten nicht nur der Schüler, sondern auch derLehrer abhäugt. Auch der geübte Lehrer muß das immer von neuem, und muß sosein ganzes Leben daran lernen.

Giebt der erste Zweck der Hausaufgaben, das Arbeitenlernen, das Lirectiv fürderen Maß, so ergiebt sich die Art derselben vorzugsweise aus dem zweiten Zwecke,der Förderung in Kenntnissen. Die Kenntnisse, welche durch Hausaufgaben gefördertwerden sollen, werden keine andre sein, als diejenigen, welche die Schule beibringenwill. Eben darum wird cs nur zweierlei Arten derselben geben, Vorbereitung undWiederholung, welche beide wieder zwiefacher Art sind, mündliche und schriftliche. Es