Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
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Anstellung.

Arbeit.

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Len Schauplatz berufen, mag nach 3 oder 6 Jahren wieder sein Amt abgeben undzu seiner früheren Beschäftigung zurückkehren. Ein Berner Schulmeister oder Pro-fessor aber, der keine andere Beschäftigung hat und kennt, wird bei einer Kündigungauf die Straße gesetzt und muß, wenn er nicht anderwärts wieder eine Anstellungfindet, seine Lebensaufgabe für verfehlt halten. Ohne gesicherte Rechtsstellung giebtes keinen achtbaren Lehrerstand, ohne einen solchen Lehrerstand keine guten Schulen.Unwürdig nennen wir die Stellung nicht bloß deshalb, weil die Lehrer dadurch, wieman schon sagte, dem Gesinde gleichgestellt werden, sondern hauptsächlich darum,weil sie dadurch in eine ganz misliche Abhängigkeit von denen gestellt werden,welche über ihre Existenz verfügen, von der Gemeinde oder deren Behörde, den Elternder Kinder, welche sie unterrichten. So wenig dem Lehrer bei diesem Anstellungs-system ungetheilte Hingebung an seinen Beruf angemuthet werden kann, eben so wenigkann ihm eine geachtete Stellung dabei zu Theil werden.

Wir nehmen für die Anstellung des Lehrers jeder Kategorie, damit er in seinerExistenz gesichert und würdig gestellt sei, Stabilität in Anspruch, d. h. Anstellungauf Lebenszeit und unter gesicherten Rechtsformen. Die nahe liegende Befürcktung,daß man dabei schlechte Lehrer nicht los wird, vermindert sich sehr, wenn bei An-stellung von Lehrern sorgfältig und nach den oben bezeichneten Grundsätzen verfahrenwird. Eine Staatsbehörde, welche für die Heranbildung von Lehrern sorgt, wird,wenn sie auch nicht frei von Fehlgriffen bleibt, doch gewiß selten Lehrer anstellen,deren Befähigung zweifelhaft ist. Wenn dies aber dennoch vorkommt oder wennschon angestellte Lehrer Grund zu Beschwerden geben, so wird es wohl angemessenersein, Mittel und Wege in Bereitschaft zu halten, durck welche solche Lehrer entwedergebessert, oder unschädlich gemacht oder von ihrem Amte entfernt werden können, alsvon vorne herein jeden Lehrer mit dem Mistrauen anzustellen, daß er den Erwar-tungen nickt entsprechen könnte und Maßregeln zu treffen, wodurch man sich gegenjhn sicher stellt.

Ansteliungsprüsnng, s. Prüfung der Lehrer.

Anthropologie, s. Seelenlehre.

Antipathie, s Abneigung.

Antworten, s. Fragen und Antworten.

Arbeit ist zugleich Mittel und Zweck des Lebens und darum auch der Erziehung.„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brod essen!" (1 Mos. 3, 19.) Inder That, kein religiöses, kein sittliches Leben ist denkbar ohne Arbeit; kaum dasphysische, vegetative: nichts thun heißt nichts sein. Wird nun für das Leben erzogen,so muß auch zur Arbeit erzogen werden. Somit ist Arbeit der Zweck der Erziehung,wie des Lebens. Aber auch das Mittel der Erziehung ist Arbeit. Die Arbeits-fähigkeit, welche anerzogen werden soll, beruht auf zwei Factoren: der Lust und derKraft; durch welche Mittel nun lassen sich diese beiden wecken und entwickeln? Esgiebt deren mehrere, nicht alle aber darf die Erziehung anwenden. Das erste undunentbehrlichste Mittel, Arbeit zu lehren, ist eben die Arbeit selbst. Nur an derArbeit kann man Arbeit lernen und ein Unterschied der Erziehungsweisen entsteht erstdadurch, ob man rein und naturgemäß an der Arbeit selbst Lust und Kraft zur Arbeitzu entwickeln sucht, oder außer der Sache gelegene Mittel in Anwendung bringt.Wir behaupten, um Lust und Kraft zur Arbeit zu wecken und zu entwickeln, genügtdie Arbeit, die reckt geleitete und gelehrte Arbeit. Unläugbar, der Mensch hat nichtbloß einen Lebenstrieb, sondern auch einen angebornen Arheitstricb. Derselbe sprichtsich zuerst als Spieltrieb aus, welcker, wenn richtig geleitet, das Spiel zur Vorschuleder Arbeit macht. Indem aus dem Spieltriebe sich der eigentliche Arbeitstricb ent-wickelt, will fick das Kind mit seinem Thun wichtig, selbst nützlich machen, freut sich,wenn es ein Geschäft bekommt, dessen Erfolg man anerkennt, ein deutlicher, nichtgenug zu beachtender Wink der Natur für den Erzieher. Ist nun das Kind zurArbeit wirklick reif geworden, so halte man es in Schule und Haus zu wirklicherArbeit an und trenne wohl Arbeit und Spiel: zuerst Arbeit und dann Spiel! DasKind wird allerdings zuerst die Arbeit als ein Müßen empfinden, dem es sich baldwieder entziehen möchte, und auch die zweite Stufe, die des SollenS, da der Geistschon ja zu sagen gelernt hat, das Fleisch aber noch auf seinem Nein beharren will,